D am Ende des Wortes klingt wie T.

Discussion in 'Deutsch (German)' started by paradoxa4, Aug 28, 2012.

  1. paradoxa4

    paradoxa4 Senior Member

    Venezuela
    Español
    Hallo.

    Wann klingt ein D am Ende eines Wortes wie T? Immer? Nur wenn es nach einem Vokal liegt?

    Wie soll die folgenden Wörter im Hauptdeutsch klingen? Geld, Gold, Seid, Leid, Lied.

    Vielen Dank im Voraus.
     
  2. Frank78

    Frank78 Senior Member

    Saxony-Anhalt
    German
    Ganz einfach, d wird am Wortende immer zu t, b zu p und g zu k. Bei "-ng" findet keine Verhärtung statt: Rang, Drang, Hang

    Also Gelt, Golt, seit, Leit und Liet.
    Nach Konsonanten gilt das ebenso: fahrend wird fahrent gesprochen.

    Wie du siehst kann man mündlich bestimmte Wörter nur anhand des Kontextes unterscheiden, da sie homophon klingen, z.B.

    seid=seit
    Rad=Rat
    Tod=tot
     
    Last edited: Aug 28, 2012
  3. Gernot Back

    Gernot Back Senior Member

    Cologne, Germany
    German - Germany
    Das sind alles Verschlusslaute (Plosive) und die Ausnahme <ng> ist deshalb auch keine, denn da handelt es sich ja um einen Nasal [ŋ].

    Die deutsche Auslautverhärtung betrifft jedoch auch Reibelaute (Frikative) wie etwa bei <naiv> (gesprochen mit [f] vs. <naives>, wo das <v> wie [v] realisiert wird.
     
  4. Hutschi

    Hutschi Senior Member

    Dresden, Universum
    German, Germany
    Ist sie auch in Dialekten und in der Umgangssprache konsequent durchgeführt, die Auslautverhärtung?

    Gibt es Unterschiede im "Feinbereich" (Unterschied zwischen "d" und "t", obwohl "d" verhärtet ist?

    Versteht man unter Auslautverhärtung behauchen?
    Oder stimmlos machen?
     
  5. Gernot Back

    Gernot Back Senior Member

    Cologne, Germany
    German - Germany
    Meine Chemie-Lehrerin (ja, es war die Chemie-, nicht die Deutschlehrerin!) erzählte öfters mal die Anekdote, wie man Butter auf Sächsisch buchstabiere, nämlich:

    B-wäiches-U-D-D-hardes-E-R

    Klar gibt es regionale Unterschiede; manche Dialekte kennen überhaupt keine stimmlosen Konsonanten, weder im Aus-, In- noch Anlaut. Die kennen dann natürlich auch keine entsprechende Lautverhärtung, sondern im Gegenteil nur Lautverweichung. Stimmt das in Bezug auf Sachsen eigentlich, Hutschi, was meine Chemie-Lehrerin da behauptete?
     
  6. Frank78

    Frank78 Senior Member

    Saxony-Anhalt
    German
    Im An- und In-laut gibt es die Lautverweichung im Sächsischen.

    Im Auslaut gibt es verschiedene Nuancen der Verhärtung (oder eben Nicht-Verhärtung), wobei d und t am Wortende dennoch nie unterscheidbar sind.

    Rischtsch, de weech'n besiech'n de hord'n. :D
     
  7. Hutschi

    Hutschi Senior Member

    Dresden, Universum
    German, Germany
    Ein Freund von mir hat mal behauptet, dass es sich bei den "weichen" sächsischen Konsonanten eigentlich um stimmlose, aber nicht aspirierte Konsonanten handele. Den Unterschied bemerkt man, zwischen deutsch "und" und englisch "and".
    Ich stamme aus dem südlichen Thüringer Wald (fränkischer Sprachbereich). Deshalb neige ich (wie sonst auch die Norddeutschen) manchmal zu überdeutlicher Aussprache.

    Endkonsonanten wie "t/d" und "p/b" spreche ich aber stimmlos, aber praktisch nicht oder kaum aspiriert aus.
    Ich glaube aber einen Unterschied zwischen den verhärteten und harten Konsonanten zu "hören" - unter dem Einfluss des mit vorbeiziehenden Schriftbildes. (?)
     
  8. paradoxa4

    paradoxa4 Senior Member

    Venezuela
    Español
    Bedeutet das, dass manche Leute in den regionalen Dialekten sagen: Gel' To' Sei' Fahren' usw? (Geld, tot, seit, fahrend)
     
  9. Gernot Back

    Gernot Back Senior Member

    Cologne, Germany
    German - Germany
    Nein, sie realisieren nur statt der stimmlosen Konsonanten die stimmhaften Pendants desselben Artikulationsortes und derselben Artikulationsart.
     
  10. Hutschi

    Hutschi Senior Member

    Dresden, Universum
    German, Germany
    Ist es sicher, dass es hier stimmhaft gegen stimmlos statt nicht aspiriert gegen aspiriert ist?
    Oder nicht zumindest eine Mischform?
     
  11. berndf Moderator

    Geneva
    German (Germany)
    Natürlich. Kein deutscher Dialekt kennt stimmhafte Plosive. Diejenigen Dialekte (Sächsisch ist da beileibe nicht der einzige), die /t/, /p/ und /k/ nicht (oder zu schwach um eine phonemische Unterscheidung aufrechtzuerhalten) aspirieren verlieren auch die phonemische Unterscheidbarkeit von /d/-/t/, /b/-/p/ und /g/-/k/.
    Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Du sie wirklich unterscheidbar aussprichst, wenn Du nicht explizit darauf achtest. Wenn Du darauf achtest, ist eine hyperkorrekter Aussprache natürlich möglich.
     
  12. berndf Moderator

    Geneva
    German (Germany)
    Die Bezeichnung stimmhaft/stimmlos wird im Deutschen oft beibehalten, weil "weiche" und "harte" Plosive in anderen Sprachen so differenziert werden und viele deutsche Sprecher die "weichen" Plosive auch aus stimmhaft empfinden. Streng genommen ist das aber falsch.
     
  13. Hutschi

    Hutschi Senior Member

    Dresden, Universum
    German, Germany
    Danke, das ist dann klar.
     
  14. berndf Moderator

    Geneva
    German (Germany)
    Jein. Bei Plosiven hast Du natürlich Recht. wenn zwischen "weichen" und "harten" Konsonanten kein Unterschied besteht, kann da auch nichts verhärten. Da, wie Du richtig schriebst, auch Frikative betroffen sind, gibt es dann doch wieder Auslautverhärtung. Zum Beispiel im Süd-Hessischen "der fertige" = [dɐ fɛ(ˠ)tiʒə] aber "fertig" = [fɛ(ˠ)tiʃ].
     
    Last edited: Aug 30, 2012

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