1. The WordReference Forums have moved to new forum software. (Details)

Ich war einkaufen

Discussion in 'Deutsch (German)' started by TheGist, Dec 24, 2009.

  1. TheGist Senior Member

    Russian
    Hallo und frohe Weihnachten!

    "Ich war einkaufen in der Stadt."

    Ich vermute, das ist Umgangssprache. Was ich gerne wüsste, ist:

    1) wie gebräuchlich diese Konstruktion ist?

    2) gilt sie auch im Präsens:
    Z.B. Anruf: "Hallo. Was machst du jetzt?" - "Ich bin einkaufen."

    3)gibt es andere Verbe, die nach diesem Muster verwendet werden können? Könntet ihr Beispiele geben?

    Vielen Dank.
     
  2. Hutschi

    Hutschi Senior Member

    Dresden, Universum
    German, Germany
    "Ich war einkaufen, in der Stadt."

    Die Konstruktion ist relativ gebräuchlich, mit nachgestelltem Objekt aber umgangssprachlich.
    Wenn man ein Komma einfügt, wird das nachgestellte Objekt zu einer Art Apposition. Diese Form entspricht stärker den standardisierten Regeln. Sie wird in verschiedenen Situationen verwendet: 1. Man merkt das man den Ort vergessen hat und "repariert" den Satz durch die Nachstellung. 2. Man will "einkaufen" besonders betonen. 3. In einigen Regionen ist die Form mit der Nachstellung häufig und tritt auch in die Literatur ein. Anna Seghers verwendete Nachstellungen recht häufig.

    Die Standardform ist:
    "Ich war in der Stadt einkaufen." Die gebeugte Verbform steht an zweiter Stelle, das nicht gebeugte Verb steht am Ende.

    Solche Formen sind recht häufig und werden auch mit der Gegenwart verwendet:

    Ich war in der Stadt einkaufen.
    Ich war auf dem Hof spielen.
    Ich bin in der Stadt einkaufen. 1. echte Gegenwart: Zum Beispiel am Telefon: A: Wo bist du gerade? - B: Ich bin in der Stadt einkaufen. 2. Umgangssprachlich, um ein Vorhaben, das kurz bevorsteht, zu benennen: Ich gehe jetzt los. Ich bin (dann) in der Stadt einkaufen. "Dann" markiert es deutlicher als zukünftiges Ereignis. Ein anderes Beispiel ist hier Harpe Kerkelings Buchtitel: "Ich bin dann mal weg".

    Ein ähnliches Verb ist "gehen".

    "Ich gehe jetzt einkaufen." Das bedeutet: "Ich mache mich auf den Weg, um einzukaufen." Es bezieht sich auf ein zukünftiges Ereignis in der nahen Zukunft. Man ist noch nicht losgegangen, hat es aber vor. Normalerweise soielt auch das Verkehrsmittel keine Rolle. "Ich fahre jetzt einkaufen" wird eher selten verwendet. Diese Form betont dann, dass man ein Verkehrsmittel benutzt. Bei "Gehen" ist das nicht so. "Ich gehe nach Paris" bedeutet: ich werde mich in Kürze auf den Weg nach Paris machen und dort längere Zeit bleiben (wohnen und arbeiten). Es ist eine Redewendung. "Ich fliege nach Paris" und "Ich fahre nach Paris" haben diesen Kontext des Hinziehens nicht, sie beziehen sich nur auf eine Reise.
     
  3. TheGist Senior Member

    Russian
    Ich habe gedacht, "Ich war einkaufen" ist schon selbst umgangssprachlich (unabhängig davon, mit oder ohne nachgestelltes Objekt). Oder?:confused:

    Sorry, ich habe mich wahrscheinlich falsch ausgedrückt. (Arrh! Deutsch fällt mir ein bisschen schwer:eek:). Ich wollte wissen, ob es andere Verbe gibt, die mit sein in solcher Weise verwendet werden können. Also, zum Beispiel,

    *Ich bin essen/arbeiten, usw.*

    Gibts so was, oder 'einkaufen' ist das einzige Verb, das so benutzt werden kann?

    Danke!
     
  4. Hutschi

    Hutschi Senior Member

    Dresden, Universum
    German, Germany
    Vielleicht sollte ich "Umgangssprache" vermeiden und sagen: es ist standardsprachlich mit der Nachstellung nicht idiomatisch. Aber es wird regional genutzt, ist also regional idiomatisch (und wird dann meist ohne Komma verwendet.)
    Die einfache Form "Ich war einkaufen" ist dagegen standardsprachlich idiomatisch.

    Ich bin essen. Ich bin arbeiten. Ich bin einkaufen. Ich bin Pilze suchen. Ich bin schwimmen. Ich bin arbeiten. Es funktioniert mit vielen Verben.

    Auch bei diesen Beispielen muss man die Zeitformen beachten.
    Die Gegenwartsform wird zum Beipiel am Telefon verwendet oder auf einem Informationszettel für die Eltern oder die Ehefrau oder den Ehemann verwendet.

    Sie kann auch die (relative) Zukunft ausdrücken.

    (Während man schreibt, ist man noch nicht einkaufen - für den Leser ist es dann Gegenwart.)
     
  5. ABBA Stanza Senior Member

    Hessen, DE
    English (UK)
    Laut berndf (in diesem Beitrag) ist "ich bin arbeiten" (zum Beispiel) eine Kurzform (Ellipse) von "ich bin arbeiten gegangen". Tatsächlich scheint es so zu sein, dass dieses Konstrukt meist genau in den Fällen angewendet werden kann, wo ein "gehen" impliziert wird, beispielsweise:

    Ich bin essen [gegangen].
    Ich bin einkaufen [gegangen].
    Ich bin Pilze suchen [gegangen].
    Ich bin schwimmen [gegangen].

    Bedeutet dies, dass die Versionen der oben genannten Sätze mit und ohne "gegangen" gleichbedeutend sind?

    Cheers,
    Abba
     
  6. Hutschi

    Hutschi Senior Member

    Dresden, Universum
    German, Germany
    Im Prinzip ja, wenn man "gehen" verallgemeinert.
    In Deutsch wird es aber manchmal auch wörtlich gemeint, also als tatsächliches "gehen".
    Normalerweise (ohne zusätzlichen Kontext) wird aber das Verkehrsmittel in den vorliegenden Wendungen nicht gemeint. Dann sind die Wendungen in ihrer Bedeutung identisch.

    Wenn man dagegen sagt: "Ich bin arbeiten gefahren", dann wird tatsächlich die Art der Fortbewegung gemeint.
     
  7. berndf Moderator

    Geneva
    German (Germany)
    Ich verstehe diese Sätze mit und ohne "gegangen" absolut identisch. Wie Hutschi schrieb, ist "gehen" hierbei nicht in seiner engeren Bedeutung "to walk" zu verstehen.
     

Share This Page