Man neigt dazu, froher zu sein. (dazu neigen)

Discussion in 'Deutsch (German)' started by AlejandroR, Jan 5, 2014.

  1. AlejandroR New Member

    spanisch
    Hallo zusammen,

    ich habe Probleme mit den Wort dazu, und mit neigen.


    Wie sagt man, man neigt dazu froher zu sein. Oder neigt froher zu sein.

    Wieso diese dazu..

    Danke!!
     
  2. Glockenblume Senior Member

    France
    Deutsch (Hochdeutsch und "Frängisch")
    man neigt dazu, froher zu sein

    Vergiss das Komma vor dem Infinitiv nicht!

    Warum das dazu?

    ... weil das Verb konstruiert wird: zu etwas neigen
     
  3. Schimmelreiter

    Schimmelreiter Senior Member

    Deutsch
    Froher als wer?
    Der Komparativ ergibt für sich alleine keinen Sinn.

    Man neigt dazu, froher zu sein, wenn man eine Gehaltserhöhung bekommt als wenn man eine Gehaltskürzung hinnehmen muss.

    Von solchen Binsenweisheiten abgesehen, fällt mir im Moment keine Anwendung Deiner - bei allem Respekt - etwas seltsamen Formulierung Man neigt dazu, froher zu sein​ ein.

    Kann es sein, dass Du in Wirklichkeit etwas ganz Anderes ausdrücken möchtest?


    Zur Grammatik:
    Man neigt zu etwas, z.B. zum Alkohol, folglich braucht es bei einem Infinitiv das Adverb dazu: Er neigt dazu, Alkohol zu trinken.


    Hat sich mit Glockenblumes Post gekreuzt.
     
  4. Hutschi

    Hutschi Senior Member

    Dresden, Universum
    German, Germany
    Man neigt dazu, froher zu sein. Hier ist - wenn kein anderer Kontext da ist - oft gemeint:

    Man neigt heute dazu, froher zu sein als früher.

    Was ist Dein Komntext? In welchem Zusammenhang willst Du vergleichen?
     
    Last edited: Jan 6, 2014
  5. Schimmelreiter

    Schimmelreiter Senior Member

    Deutsch
    Jetzt machst Du Glockenblumes und meine schöne Erklärung zunichte, dass der Satz ohne das Adverb dazu nicht funktioniert. ;)
     
  6. Hutschi

    Hutschi Senior Member

    Dresden, Universum
    German, Germany
    Ihr habt recht.In dem Zusammenhang müsste es heißen:
    Man neigt heute dazu ...

    Wie ich dazu kam "dazu" wegzulassen, weiß ich nicht. Vielleicht ist es umgangssprachlich möglich oder ich habe nur vergessen, es zu schreiben.

    In anderem Zusammenhang wäre möglich:
    Man neigt heute zu Schwermut.
     
  7. Schimmelreiter

    Schimmelreiter Senior Member

    Deutsch
    Dann lautet der Satz: Man neigt heute dazu, froher zu sein als früher.

    Wie ich den Satz auch drehe und wende, sein Sinn erschließt sich mir nicht.

    Man neigt heute dazu, fröhlicher zu sein als früher: Das ginge.

    Aber "froher"? "Froher" kann man doch nur "über etwas" sein, oder es folgt ein Infinitiv oder Nebensatz.

    Deshalb schrieb ich ja weiter oben meinen furchtbar schwerfälligen Beispielssatz hin:
    Man neigt dazu, froher zu sein, wenn man eine Gehaltserhöhung bekommt als wenn man eine Gehaltskürzung hinnehmen muss.
    Ich hätte auch schreiben können:
    Man neigt dazu, froher zu sein, wenn man eine Gehaltserhöhung bekommt als wenn man eine Wurzelbehandlung vor sich hat. :)


    Oder missverstehe ich diesen Thread? Als Formalübung ist Man neigt heute dazu, froher zu sein natürlich geeignet. Ich suche halt ständig nach dem Sinn. :confused:
     
    Last edited: Jan 6, 2014
  8. Hutschi

    Hutschi Senior Member

    Dresden, Universum
    German, Germany
    Froher ist eine Kombination von fröhlicher und glücklicher.
    Zumindest verstehe ich es so.
    "Fröhlicher" ist eher oberflächlich, deshalb passt es nicht als Synonym.
    Ist die Bedeutung von "froher" regional unterschiedlich?

    PS: Mir fällt auf, dass es eine Bedeutungsänderung zu "froh" hat.
    Ich bin froh, dass dir nichts passiert ist. (erleichtert) - kein Komparativ vorhanden.
     
  9. Glockenblume Senior Member

    France
    Deutsch (Hochdeutsch und "Frängisch")
    fröhlich würde ich eher mit schwebender Leichtigkeit assoziieren als mit Oberflächlichkeit. Der Begriff kann oberflächlich benutzt sein, muss aber nicht: "Fröhliche Weihnacht überall ..."

    Froh kenne ich auch im Sinn von erleichtert, dann wenn es sich auf Personen bezieht. Bezogen auf Sachverhalte hat es einen anderen Sinn, siehe die Formel "Frohe Weihnachten". Kennst Du eine Anwendung, bei der sich froh auf eine Person bezieht und dennoch nicht den Sinn von erleichtert hat? Mir fällt spontan keine ein, - was aber nicht heißen soll, dass es keine gäbe.

    Glücklich hat für mich zwei verschiedene Bedeutungen:
    Zum einen kann jemand glücklich in einem ähnlich Sinne wie erleichtert sein:
    "Ich bin glücklich, dass meine Angehörigen heil aus dem Unfall hervorgegangen sind."
    Auch: "Ich bin erleichtert, dass meine Angehörigen heil aus dem Unfall hervorgegangen sind. "
    (Bei glücklich spüre ich jedoch im besagten Beispiel noch stärker die Liebe zu den Angehörigen.)
    Anders als erleichtert jedoch würde das Wort glücklich jedoch nicht anwenden, wenn es sich um rein Materielles handelt:
    "Ich bin erleichtert, dass die Diebe unser Auto ausgespart haben."
    Zum zweiten sehe ich glücklich als ein ganz tiefes metaphysisches Gefühl, - von keinem anderen Gefühl zu übertreffen.
    Im Gegensatz zu froh hat glücklich in diesem zweiten Sinn keinen Anlass, sondern entspringt aus den Tiefn des Innneren.

    Schließlich gibt es noch weitere ähnliche Adjektive: freudig, freudenvoll. Hier sehe ich eine große Tiefe, bezogen jedoch auf einen Anlass.

    Nebenbemerkung an Hutschi:
    Sagt man bei Euch im Osten wohl auch "es hat" statt "es gibt"? Ich hatte das bisher nur von Leuten aus dem schwäbisch-alemannischen Raum gehört.
     
  10. Hutschi

    Hutschi Senior Member

    Dresden, Universum
    German, Germany
    Ich bin froh, dass es dich gibt. = Ich freue mich, dass es dich gibt. (Es gibt hier zwar Nuancen in der Bedeutung, aber es bedeutet nicht "erleichtert".

    Ich bin froh, dass du noch lebst. - Hier kann es "erleichtert" bedeuten, zum Beispiel nach einem Verkehrsunfall, aber auch "glücklich darüber. Ich freue mich.

    Die genaue Bedeutung ist kontextabhängig und die Wörter sind in manchem Kontext fast synonym, in anderem aber nichtt.

    "Es hat", ich meinte hier, dass das Wort "froher" eine entsprechende Bedeutung hat.
    Man sagt normalerweise nicht "es hat" für "es gibt".
    In meinem Satz ist die Verbindung zum Wort leider undeutlich.


    "Es hat"="es gibt" dringt in seltenen Fällen langsam ein, da viele in andere Gegenden gezogen sind und die Wendung jetzt verwenden und mitbringen, und weil auch aus anderen Gegenden viele in den Osten ziehen.
     
    Last edited: Jan 16, 2014
  11. Gernot Back

    Gernot Back Senior Member

    Cologne, Germany
    German - Germany
    Dazu ist hier weder Adverb (auch wenn manche dieses Präpositionalpronomen Pronominaladverb nennen) noch Adverbiale, sondern eine als Korrelat benutzte Präpositivergänzung (ein Präpositionalobjekt). Bei manchen Verben ist dieses Korrelat fakultativ, bei anderen, wie in diesem Fall bei neigen, ist es obligatorisch.
    http://www.canoo.net/services/Onlin...tion/Objekt/index.html#Anchor-Nebensatz-49575
     
  12. Schimmelreiter

    Schimmelreiter Senior Member

    Deutsch
    Du sagst, es ist kein Adverb, sondern ein Objekt.
    Adverb - Wortart
    Objekt - Satzglied
    Zur Wortart:
    The Free Dictionary: Ich habe keine Lust dazu mitzukommen.


    PS
    Folgt man Deinem Link, so steht dort zur Wortart:
    Wenn der Nebensatz die Funktion eines Präpositionalobjekts hat, kann er durch ein Pronominaladverb der Form da(r)- im Hauptsatz vertreten sein.

    Wenn ein roter Apfel ein Apfel ist, dann ist ein Pronominaladverb ein Adverb. ;)
     
    Last edited: Jan 16, 2014
  13. Gernot Back

    Gernot Back Senior Member

    Cologne, Germany
    German - Germany
    Genau deshalb halte ich die historisch gewachsene Bezeichnung Pronominaladverb für extrem unglücklich und verwirrend.

    Es handelt sich bei den sogenannten Pronominaladverbien immer um pro-nominale Präpositionalphrasen, die manchmal (eher selten) die Funktion eines Adverbials, manchmal (bei weitem häufiger) die eines Objekts/einer Verbergänzung haben. Lehrwerke für Deutsch als Fremdsprache sprechen daher meist von Präpositionalpronomen statt von Pronominaladverbien.
     
  14. Schimmelreiter

    Schimmelreiter Senior Member

    Deutsch
    Wenn die Klassifikation als Pronominaladverb historisch gewachsen ist, dann bin ich prähistorisch. Den Verdacht hab ich ohnehin schon länger.

    Ich glaube mich erinnern zu können, dass mein Deutschlehrer darauf zu den Demonstrativpronomina zählte. Präpositionalpronomen hör ich jetzt zum ersten Mal, ist aber logisch (darauf - auf das).

    Und in älteren Texten: darauf als Relativpronomen (Das ist eine Frage, darauf/worauf/auf die ich später zurückkommen werde.)
     

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