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nicht nach außen unterstützt sein wollende (Martin Walser)

Discussion in 'Deutsch (German)' started by Micamoca, Feb 4, 2013.

  1. Micamoca Junior Member

    BCS
    Hi,
    bitte um Erklärung der Bedeutung des folgenden Satzes:
    Eine nach innen drängende, nicht nach außen unterstützt sein wollende Begeisterung. Insbesondere des zweiten Teils, danke!
     
  2. Demiurg

    Demiurg Senior Member

    Germany
    German
    Das ist kein Satz sondern eine komplexe Nominalphrase.

    Basis ist "eine Begeisterung". Die näheren Bestimmungen kann man auch mit Relativsätzen umschreiben:

    eine Begeisterung, die nach innen drängt
    eine Begeisterung, die nicht nach außen unterstützt sein will

    Ohne Kontext lässt sich nicht genau sagen, was damit gemeint ist.
     
  3. Micamoca Junior Member

    BCS
    Hier der Kontext:
    Jetzt begriff er, warum Ulrike als Vorleserin von Scott-
    Romanen weder Energie noch Darstellungslebhaftigkeit
    entwickelt hatte. Ihre Natur weigerte sich, etwas zu
    produzieren, was nicht aus ihr selber kam. Sie war gegen
    alles Künstliche. Und sei es Kunst. Sie war die Sachlichkeit
    selbst. Die Unverbiegbarkeit. Sie hatte die Sätze anspruchslos
    entstehen lassen. Wie von selbst waren die Sätze
    gekommen. Kein Ausdruckswillen ihrerseits. Aber auch
    kein Verbergen ihres Interesses für diese Sätze. Er hatte
    durchaus eine Begeisterung gespürt. Aber es war nicht ihre
    Begeisterung, es war die Begeisterung dieser Sätze. Eine
    nach innen drängende, nicht nach außen unterstützt sein
    wollende Begeisterung.
     
  4. Hutschi

    Hutschi Senior Member

    Dresden, Universum
    German, Germany
    "Eine nach innen drängende, nicht nach außen unterstützt sein wollende Begeisterung."

    Wie Demiurg schon schrieb, wird die Begeisterung näher beschrieben.

    Es war nicht Ulrikes Begeisterung, sondern eine Begeisterung, die im Inneren der Geschichte liegt, nach innen drängt.
    Die Begeisterung bedarf keiner besonderen Betonung durch die Vorleserin, sondern sie liegt bereits in der Geschichte.
    "Wollende" ist hier eine Metapher, die Geschichte wird vermenschlicht, personifiziert. Denn Sätze haben eigentlich keine Begeisterung.

    Im Prinzip soll der Leser oder Zuhörer die Begeisterung fühlen, die in der Geschichte liegt, nicht die Begeisterung der Vorleserin.
     
  5. Micamoca Junior Member

    BCS
    Die Erklärung ist wirklich sehr gut, jetzt verstehe ich worum es hier geht...vielen Dank für die schnelle Antwort...Sie haben Ihren Titel Senior member redlich verdient!
    LG
     
  6. fdb Senior Member

    Cambridge, UK
    French (France)
    Wer ist der Verfasser von diesem Text?
     
  7. Micamoca Junior Member

    BCS
    Martin Walser :)

    Anmerkung der Moderatorin: Ich habe diese Information jetzt mit in den Titel des Threads aufgenommen (nicht, dass später die Frage danach überflüssig erscheint...)
     
    Last edited: Feb 5, 2013
  8. fdb Senior Member

    Cambridge, UK
    French (France)
    Danke! Ein etwas schwerfälliger Stil („innen ... außen .... unter“), aber sicherlich mit Absicht.
     

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