whistle blowing

Discussion in 'Deutsch (German)' started by flame, Sep 10, 2007.

  1. flame

    flame Senior Member

    Austria
    German-Austria
    Ich bin aus diversen Web sites nicht ganz schlau geworden: was ist "whistle blowing"?

    Es handelt sich dabei offenbar um eine Methode, innerhalb (oder außerhalb) von Organisationen, eventuell anonym einen Betrugsverdacht zu äußern, ohne dafür negative Konsequenzen befürchten zu müssen.

    Gibt es dafür einen deutschen (Fach-)Ausdruck?
     
  2. Lykurg

    Lykurg Senior Member

    Hamburg
    German
    dict.cc bietet "verpfeifen" als umgangssprachliche Übersetzung eines dict.cc zufolge umgangssprachlichen Ausdrucks an, das greift aber meinem Empfinden nach zu kurz; whistle-blowing ist mehr als nur das - ein ernstzunehmender Vorgang.

    einen Hinweis geben
    anzeigen
    zur Anzeige bringen
    melden
    (aufdecken
    offenlegen
    publik machen)


    Einen eigenen Fachausdruck scheint es (noch?) nicht zu geben.
     
  3. Hutschi

    Hutschi Senior Member

    Dresden, Universum
    German, Germany
    Whistleblowing ist also offensichtlich positiv. "Verpfeifen" ist dagegen negativ. Verpfeifen kommt vor in der "Gaunersprache" oder bei Schülern - bei Schülern im Sinne von "petzen".

    Ich habe eine Ausbildung als "betrieblicher Umweltberater". Dort wurde uns beigebracht, dass "Whistleblowing" in der Bundesrepublik nicht erlaubt sei und eine Kündigung wegen Vertrauensbruchs nach sich ziehen könne. Wenn man Probleme feststellt, muss man sie dem Chef melden, darf sie aber nicht an die Öffentlichkeit bringen. Das war völlig unerwartet für mich. Dagegen war es für die Dozenten unerwartet, dass sich viele Betriebe selbst anzeigten. Es gab dafür spezielle Formulare für "Altlasten". Man konnte einen Antrag stellen, von Altlasten freigestellt zu werden. Das war vernünftig, denn erst wenn man weiß, wo etwas liegt, kann es beseitigt werden. Trotzdem hatte unser Dozent nicht damit gerechnet, dass so viele den Antrag stellen würden.


    If I see it right, "whistle blowing" is positive, "verpfeifen" has negative connotation. (I'm sure about the German word. I derived the positive connotation of the English word from the article given by Lykurg. Even if it is positive, it might be dangerous.)

    "Verpfeifen" is used from the point of view of crimes. But it is also used in the sense of "petzen" - to tell the teacher or the parents about silly things other pupils have done.

    I attented a course to become "betrieblicher Umweltberater" (counsellor/consultant for environment) in the beginning of the 1990th. There they told us, that whistleblowing would be illegale and you could get fired for this. You have to inform the bosses but nobody outside, or you could get fired or even worse could be sentenced. This was short after the unification and I was very much astonished. The teacher (docent) declared the task is not to inform the public but to advise the bosses (person in control) to improve the environment. Whistle blowing would be illegal and destroy the trust of the boss, so it is proper to become fired. The teacher, however, was astonished, that in the East many bosses made their problems public themselves and tried to find solutions rather than to hide the problems. The word "Whistleblowing" was not used. There was not one word, but more: 1. "Informieren" (from the point of view of the public) 2. "Verpfeifen" from the point of view of the criminals, 3. "anzeigen"
     
  4. dec-sev Senior Member

    Sevastopo;
    Russian
    Hallo Hutschi.Was du geschrieben hast ist seht interessant, aber nicht alles mir klar ist. Falls ich das Wort wistblowing richtig verstehe, bezeichnet es Informierung die Behörden über eine ilegale Aktivität. Wie kann man deswegen entlassen werden? Es gibt Geschäftsgeheimnis, das man kein50cenfals veröffentlichen kann. Was für Information war es, über die mussten nur die Bosse wissen?Im Russischem verwendet man das Wort настучать на кого-либо, das Äquivalent des Englisches to wookpeck on smb ist. Zb, statt zu arbeiten, nehme ich am Forum teil. Jemand kann mein Boss darüber informieren, aber in diesem Fall, würde er Achtung Anderer Kollegen velieren :)
     
  5. flame

    flame Senior Member

    Austria
    German-Austria
    Vielen Dank Lykurg und Hutschi :thumbsup:

    Vor allem der Zusammenhang mit "verpfeifen" wäre mir nicht aufgefallen ...
     
  6. dec-sev Senior Member

    Sevastopo;
    Russian
    Was überrascht mich ist, dass es so viele englische Synomyme des Wortes gibt:
    to pat the finger on smb, to rat, to snitch, to woodpeck on smb.
    Das Deutsche scheint sich nur mit "verpfeifen" zu begnügen.
     
  7. Hutschi

    Hutschi Senior Member

    Dresden, Universum
    German, Germany
    Die Frage ist in diesem Fall, dass man zwar vermuten kann, etwas sei illegal, aber erst das Gericht kann es feststellen. Ob man wirklich entlassen würde, weiß ich nicht, es war jedenfalls ein Punkt in dem Kurs.

    Übrigens wird das alles aufgehoben, wenn unmittelbare Gefahr besteht. Im Notfall muss man informieren. Es ist ein heißes Eisen.

    Wenn ein Gefahrguttransporter einen Unfall hat, dann muss natürlich über die Art des Gefahrtgutes informiert werden. (Der Transporter muss auch ein entsprechendes Kennzeichen besitzen.) Aber zum Hergang des Unfalls darf ich als Mitarbeiter zunächst keine Angaben machen, wie: "Ich bin schuld." Die Schuld wird erst hinterher in einem Verfahren festgestellt.

    Ich habe seit 1995 nicht mehr auf diesem Gebiet gearbeitet, deshalb können sich Gesetze geändert haben. Alle Angaben, die ich hier machte, könnten heute verändert sein.
     
  8. flame

    flame Senior Member

    Austria
    German-Austria
    Wenn es um einen "negativen" Akt geht, kenne ich durchaus noch andere Worte:

    verpetzen
    vernadern (Österreich)
    anschwärzen
    tratschen (Österreich)
    singen (Österreich - Gefängnissprache)

    Aber das scheint auf "whistle blowing" nicht zuzutreffen, da es sich dabei - so wie ich es verstanden habe - um einen positiven Akt handelt.

    Beispiel: Ein Kollege läßt sich auf Dienstreisen oft leere Taxirechnungen geben. Er setzt höhere Beträge ein, als er tatsächlich an Spesen hat, um sich dadurch auf Kosten des Arbeitgebers zu bereichern. Wenn ich einfach nur zum Vorgesetzten gehe und diesen Mißstand aufdecke, könnte ich mit negativen Konsequenzen zu rechnen haben (Mobbing, Nichtberücksichtigung bei Beförderungen, etc.). Durch "whistle blowing" habe ich offensichtlich die Möglichkeit, diesen Verdacht und allfällige Beweise anonym an eine Stelle zu leiten, die dann für eine Untersuchung sorgt und mich vor eventuellen negativen Auswirkungen schützt.
     
  9. Hutschi

    Hutschi Senior Member

    Dresden, Universum
    German, Germany
    Im negativen Sinne gibt es zahlreiche Begriffe, die mehr oder weniger synonym sind, wenn man den Zusammenhang mit betrachtet: Verpfeifen, anschwärzen, singen (im Zusammenhang eher mit kriminellen Aktivitäten), andere Sprachebene: denunzieren, verraten.

    Im positiven Sinne gibt es praktisch keine, die eine ähnliche Sprachebene haben, wie das englische Wort. Auf der anderen Spracheben wäre: Anzeigen, informieren ...
     
  10. dec-sev Senior Member

    Sevastopo;
    Russian
    “Anschwärzen” bezeichnet doch „verleumden“. Oder?

    Singen. Ich habe das Englische to sing gehört. Man wurde von Polizei verhaftet. Seit zwei Tagen schwieg er,dann konnte es nicht mehr und began alles über seine Kumpel zu erzählen. Also er wurde gezwungen. Ich glaube, „verpfeifen“ und „singen“ sind nicht austauschbar.

    Laut meines Wörterbuches, ist tratschen Synonym von ausplaudern. Für mich gibt es einen Unterschied zwischen dieses Wort und „verpfeifen“ im negativen Sinne. Ich meine, wenn man verpfeift, tut er es bewußt, Ausplaudern kann man was ohne es zu willen.
     
  11. dec-sev Senior Member

    Sevastopo;
    Russian
    Ich verstehe die Logik nicht. Mobbing von Seite deiner Kollegen ist erklärbar. Was verstehe ich nicht ist Nichtberücksichtigung bei Beförderungen. Du informierst deinen Vorgesitzenden, darduch zeigst du ihm deine Lozalität. Er wird dich bei sich haben und im Falle seiner Beförderung bist du der beste Kandidat sein Stellvertreter zu sein.
    Hast du an negative Aspekte solcher Taten gedacht? :)
     
  12. bh7 Senior Member

    Limestone City
    Canada; English
    Das "whistle blowing" ist in Nord-Amerika nicht nur legal, sondern des Bürgers Pflicht und in den USA, in gewissen gesetzlich geregelten Fällen, sogar des Denunzianten Gewinn. Der Denunziant erhält in den USA in manchen Fällen bis zur Hälfte der beschlagnahmten Summen. Im Bauholzstreitfall zwischen Kanada und den USA, der sich mehr als ein Jahrzehnt hingezogen hat, haben die U.S. Denunzianten (die U.S. Konkurrenten der kanadischen Bauholzindustrie) von der einbehaltenen Milliarde Dollar an Strafzöllen sage und schreibe $500 Millionen als steuerfreie Belohnung kassiert. Und das, obwohl der kanadischen Industrie in allen internationalen Rechtsgremien recht gegeben worden war.

    Es gibt in den USA und in Kanada eigene Gesetze zum Schutz von Denunzianten. Man garantiert u.a. den Arbeitsplatz eines Angestellten, der im guten Glauben seinen Arbeitgeber denunziert. Der Angestellte verliert auch nicht seinen Platz in der Vorrückungsliste, und in Geschäftszweigen, wo es üblich ist, einen guten Teil des Gehaltes als Bonus auszuzahlen, muß dem Denunzianten vom Arbeitgeber der ihm ansonsten zukommende Bonus gezahlt werden. Die Denunzianten-Gesetze funktionieren in der Privatwirtschaft ganz gut. Im öffentlichen Dienst und in den Streitkräften gibt es allerdings große Probleme. Was nützt es, daß man das gleiche Gehalt kriegt und in der Vorrückungsliste seinen Platz behält, wenn man dann nach Tuktoyaktuk oder Labrador (oder auch nur nach Winnipeg) versetzt wird? In den Streitkräften wieder widerspricht Denunzierung dem eisernen Prinzip "alles geht die Vorgesetztenkette hoch" (follow the chain of command). Daher ist in diesen Organisationen der sprichtwörtliche, an die Zeitung oder den Parlamentsabgeordneten adressierte Manilabriefumschlag mit der anonymen Denunziation immer noch anzutreffen.
     

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