Aber diese Erkenntnisse allesamt nicht als neue theoretische Einsichten ... (fehlendes Verb)

Micamoca

Senior Member
BCS
(Kontext: Kurt Flasch: Der Teufel und seine Engel): Die Religion hat (nach Kant) keinen anderen Inhalt als die Moral; sie betrachtet nur unsere Pflichten als die Gebote Gottes. Nicht als wäre der Befehl Gottes der Grund der moralischen Verpflichtung; der Weg geht umgekehrt von der Pflicht zur Ansicht der Pflicht als dem Willen Gottes. Diese Ansicht verändert nichts am Inhalt der Moral; sie erhöht nicht den Grad der Verbindlichkeit, denn diese ist die der praktischen Vernunft, die weiß, was sie zu tun hat, die aber keine neue theoretische Erkenntnis ergibt. Sie erlaubt aber weitere subjektive Annahmen, aber nur praktischen Charakters, daß wir uns nämlich denken dürfen, daß ein Gott sei, und zwar als ein mächtiger, weiser und gütiger Weltenherr, der sich um den sorgen wird, der rein um der Pflicht willen Nachteile in der sinnlichen Welt auf sich nimmt, der also einen Ausgleich bieten kann zwischen Glück und der Würdigkeit, glücklich zu sein. Aber diese Erkenntnisse allesamt nicht als neue theoretische Einsichten, sondern als Möglichkeiten, die sich denken lassen, die also keinen Widerspruch enthalten, wenn wir uns klar werden, daß die Pflicht unbedingt gilt.
Bitte um Hilfe, da ich nicht ganz sicher bin welches Verb hier zu nutzen...
 
  • bearded

    Senior Member
    Hallo Micamoca
    Ich denke, dass hier eigentlich kein Verb fehlt. Für mich stellt der in rot gekennzeichnete Teil nur eine Fortsetzung des vorhergehenden Satzes dar:
    ''Sie erlaubt aber weitere subjektive Annahmen,.......nämlich...... .Aber diese Erkenntnisse ((erlaubt sie)) nicht als...neue theoretische Einsichten..''.(''diese Erkenntnisse'' hängt im Akkusativ noch immer von ''sie erlaubt'' ab). Dein Zweifel entsteht wahrscheinlich durch die Anwesenheit des Punkts vor ''aber'': der mit ''aber'' beginnende Satz ist jedoch kein selbständiger Satz, und der Punkt ist nur deshalb da, weil ohne ihn der Satz zu lang wäre.
     

    Micamoca

    Senior Member
    BCS
    Zuächst vielen Dank. Mir ist klar, dass eigentlich keines fehlt (wusste aber keinen besseren Titel), nur war ich unsicher welches vorangehende Verb es ist...und da ist guter Rat gefragt...
     

    Kajjo

    Senior Member
    Hm, BM interpretiert die Bedeutung schon richtig, aber rein grammatisch fehlt meiner Meinung nach schon ein Verb in wiederholter Form und richtiger Konjugation. Na ja, und wenn man einen Punkt setzt, dann muss man eben auch einen neuen Satz beginnen.

    Letztlich ist der rote Teil eben doch nur ein Satzfragment und der Leser muss sich den Rest selbst denken.
     

    bearded

    Senior Member
    wenn man einen Punkt setzt, dann muss man eben auch einen neuen Satz beginnen
    Im allgemeinen hast Du recht, und ein Komma bzw. Doppelpunkt anstatt des Punkts wäre vielleicht angemessener gewesen - trotz des sehr langen Satzes.
    ''Diese Erkenntnisse'' habe ich als eine Art Apposition zu ''subjektive Annahmen'' gedeutet.
     

    Kajjo

    Senior Member
    Der Kernsatz kann so gedacht werden:

    Sie erlaubt Annahmen, aber diese Erkenntnisse nicht als theoretische Einsichten, sondern als Möglichkeiten.


    Aber wie gesagt, wenn man einen Satz fortsetzt, noch dazu mit Ellipsen, dann ist der Punkt wirklich irritierend und unpassend.

    Allerdings ist dieses längliche Geschwurbel ja oft absichtlich so geschrieben, dass man es nur mühevoll versteht. Klare Gedanken lassen sich in klare Worte fassen. Literarische Nebelbomben sind im allgemeinen nur nötig, wenn der Inhalt sonst allzu knapp wirken würde...
     

    Alemanita

    Senior Member
    German, Germany
    Der Kernsatz kann so gedacht werden:

    Sie erlaubt Annahmen, aber diese Erkenntnisse nicht als theoretische Einsichten, sondern als Möglichkeiten.


    Aber wie gesagt, wenn man einen Satz fortsetzt, noch dazu mit Ellipsen, dann ist der Punkt wirklich irritierend und unpassend.

    Allerdings ist dieses längliche Geschwurbel ja oft absichtlich so geschrieben, dass man es nur mühevoll versteht. Klare Gedanken lassen sich in klare Worte fassen. Literarische Nebelbomben sind im allgemeinen nur nötig, wenn der Inhalt sonst allzu knapp wirken würde...

    Lieber Kajjo, als Schriftsteller hat man es wirklich schwer, Deine Zustimmung zu bekommen. Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung ist da nicht so streng und hat Herrn Flasch im Jahr 2000 den Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa verliehen (Zitat: "Der Preis ist Sigmund Freud gewidmet, dem Meister gelehrter Prosa, dem es gelang, komplizierte Sachverhalte seiner Wissenschaft allgemeinverständlich darzustellen und damit zur Popularität seines Wissensgebietes beizutragen.") Aber möglicherweise hat sich der Stil des inzwischen 86 Jahre alten Philosophen Flasch in den letzten Jahren geändert bzw. verschlechtert.
    Vielleicht haben wir es hier mit einem simplen Druckfehler (Auslassung des Verbs) zu tun, das wäre ja auch möglich.
     

    Alemanita

    Senior Member
    German, Germany
    Durch die Zitierfunktion sieht es jetzt so aus, als ob ich "komplizierte Sachverhalte seiner Wissenschaft allgemeinverständlich darzustellen" gesagt hätte, es ist jedoch nur Teil eines Zitates.
    Ich werte oder beurteile den Stil des Verfassers obigen Paragraphes nicht, dafür ist dieses Forum nicht da und ich bin nicht daran interessiert. Abgesehen davon geht es um Kant ...
    Meine Absicht in #8 war lediglich, darauf hinzuweisen, dass eventuell auch ein Druck- oder Lektoratsfehler vorliegen könnte.
    Hoffentlich hat Micamoca die erwünschte Hilfe bekommen, darauf kommt es ja letztlich an.
     
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