auβer ein guter Freund (Dativ / Nominativ)

EmmanuelRuiz

New Member
Spanish - Mexico
Ich habe ein berühmtes Zitat von Charles Dickens gelesen. Das Zitat ist: „Nichts ist wervoller als ein guter Freund, auβer ein (guter) Freund mit Schokolade“.
Aber ich verstehe nicht, warum es „auβer ein (guter) Freund“ ist. Da „auβer“ Dativ braucht, sollte es nicht „auβer einem (guten) Freund“ sein?
Könnte jemand es mir bitte erklären? Danke im Voraus.
 
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  • manfy

    Senior Member
    German - Austria
    "Ein guter Freund" ist Nominativ, weil "ist <Komparativ> als" eine Kopulaverbphrase ist.
    Vielleicht ist "außer ..." eine Apposition, die Kasuskongruenz erfordert, also Nominativ? Oder vielleicht ein zusätzliches, optionales Prädikativ, das mit Konjunktion angehängt wird wie bei "...als ein guter Freund und Helfer."??

    Bei der ersten Aussage bin ich mir recht sicher, bei der zweiten nicht ganz! Warte lieber auf vertrauenswürdigere Erklärungen!
     

    Demiurg

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    German
    In "etwas ist außer Dienst" ist "außer" Präposition und "Dienst" ist im Dativ.
    Der Duden bringt noch ein besseres Beispiel, wo man den Kasus sofort erkennen kann:

    Niemand kann diese Schrift lesen außer ihm selbst.
    (Präposition)
    Niemand kann diese Schrift lesen außer er selbst. (Konjunktion)
     

    bearded

    Senior Member
    Niemand kann diese Schrift lesen außer ihm selbst. (Präposition
    Würde auch im Originalsatz außer als Präposition funktionieren? ((Stilistisch bestimmt nicht, glaube ich, aber grammatisch?)):
    Nichts ist wertvoller als ein guter Freund außer einem Freund mit Schokolade.
    Wenn ja, so sollte mMn das Komma vor 'außer' auch verschwinden. Danke.
     

    manfy

    Senior Member
    German - Austria
    Nichts ist wertvoller als ein guter Freund außer einem Freund mit Schokolade.
    Wenn ja, so sollte mMn das Komma vor 'außer' auch verschwinden. Danke.
    Ja, Komma entfällt bei Präposition.
    Dieser Satz klappt für mich irgendwie gar nicht. Als Präposition + Dativ drängt sich bei mir die Funktion als Beschreibung/Zusatz des Nomens auf. Bei Demiurgs Sätzen, wo 'außer' hinter dem Verb steht stört mich das nicht und dieser Gedanke kommt mir nicht in den Sinn. Schwer zu sagen .... das ist nur ein, bzw. mein Gefühl.
     

    manfy

    Senior Member
    German - Austria
    Versetzen wir mal außer hinter ein Verb: stört Dich das immer noch?
    Nichts kann wertvoller als ein guter Freund sein außer einem Freund mit Schokolade.
    Liegt es wirklich nur an der Wortstellung?
    Ja, mit Ausnahme der ungewöhnlichen Wortstellung ist das Störgefühl der Dativanwendung weg.
    Ich denke es liegt an der allgemeinen Funktion einer Präposition in vergleichbaren Stellungen, die dies hervorruft, z.B. "Nichts kann lustiger sein als ein Freund außer Rand und Band."
    Eine Präposition, wie eben auch 'außer', erzeugt eine enge Bindung mit dem Nomen, wenn es hinter einem solchen steht.
     

    bearded

    Senior Member
    Noch eine Frage:
    betrachten wir den Gebrauch von 'außer' als Konjunktion. In einem Nebensatz regiert eine Konjunktion in der Regel ein Verb. Ist nun im Satz "nichts ist wertvoller als ein guter Freund, außer ein Freund mit Schokolade" etwa ein Teil mit einem Verb implizit, z.B. "außer es ist ein Freund mit Schokolade...." oder ...''außer, wenn es...ein Freund mit Schokolade ist''? Danke.
     
    Last edited:

    Perseas

    Senior Member
    Greek
    Hallo bearded man,

    Noch eine Frage:
    betrachten wir den Gebrauch von 'außer' als Konjunktion. In einem Nebensatz regiert eine Konjunktion in der Regel ein Verb.
    Ja, das ist richtig, aber gibt's hier einen Nebensatz?

    Ist nun im Satz "nichts ist wertvoller als ein guter Freund, außer ein Freund mit Schokolade" etwa ein Teil mit einem Verb implizit, z.B. "außer es ist ein Freund mit Schokolade...." oder ...''außer, wenn es...ein Freund mit Schokolade ist''? Danke.
    Wahrscheinlich könnte man die Phrase umschreiben wie Du vorschlägst - darauf könnten die Muttersprachler mit Sicherheit antworten. Ich für meinen Teil sehe dies: "außer ein Freund mit Schokolade (ist wertvoller als ein guter Freund)".
     

    manfy

    Senior Member
    German - Austria
    Ja, das ist richtig, aber gibt's hier einen Nebensatz?
    Gute Anmerkung! Mir scheint auch, dass das hier eher eine nebenordnende Konjunktion ist, die das Prädikativ erweitert:
    "Nichts ist wertvoller als ein guter Freund."
    "Nichts ist wertvoller als ein guter Freund oder Schokolade." -> disjunktive Konjunktion; offeriert Freund oder Schoko als Auswahlmöglichkeit
    "Nichts ist wertvoller als ein guter Freund, außer ein Freund mit Schokolade." -> adversative Konjunktion; erzeugt einen Kontrast

    Deine Aussage "die Konjunktion regiert ein Verb" hatte mich etwas verwirrt und das stimmt eigentlich nicht; Konjunktionen können auch Satzteile und Adverbiale anbinden. Du meintest wohl, "Um von einem Nebensatz sprechen zu können, braucht dieser Satz ein Verb."

    "Nichts ist wertvoller als ein guter Freund, außer wenn es ein Freund ohne Schokolade ist." -> unterordnende Konjunktion mit Nebensatz; Bedeutungsänderung beachten! Dieser Satz sagt: Freund ohne Schokolade ist wertlos.
    "Nichts ist wertvoller als ein guter Freund, außer es ist ein Freund mit Schokolade [, dann taugt er nichts / dann ist er wertvoller]." -> nebenordnende Konjunktion mit Hauptsatz und impliziertem Zusatz; Mehrdeutigkeit beachten! "Außer" erzeugt einen Kontrast zur gesamten Satzaussage im Hauptsatz, definiert diesen Kontrast jedoch nicht. Dies geschieht durch Kontext.

    Diese Mehrdeutigkeit verschwindet bei obiger Konjunktion und Nominalphrasen!
    "Nichts ist wertvoller als ein guter Freund, außer ein Freund mit Schokolade." -> keinerlei Mehrdeutigkeit

    Mehr zu Konjunktionen gibt's bei canoo.
     

    bearded

    Senior Member
    Deine Aussage "die Konjunktion regiert ein Verb" hatte mich etwas verwirrt
    Eigentlich war meine Aussage ''In einem Nebensatz regiert eine Konjunktion idR. ein Verb'' gewesen. Die Anwesenheit eines Kommas vor außer, sowie ''ein Freund'' im Nominativ (Subjekt eines Verbs?) ließ mich vermuten, dass ein Nebensatz (subordinate clause) folgen sollte, wobei das Verb implizit gewesen wäre. Der Kern meines Posts war die Frage ''gibt's hier einen Nebensatz oder nicht?''
    Ich danke nun für Deine Antwort (und Perseas' Annahme), dass in diesem Fall außer auch einfach eine nebenordnende, adversative Konjunktion sein kann. Ist aber in diesem Fall das Komma vor außer wirklich notwendig? Im Duden-Beispiel für diesen Gebrauch (''niemand kann diese Schrift lesen außer er'') ist kein Komma, im OP-Satz gibt's eines.
    Meine genaue Deutung (wegen der Semantik hast Du völlig Recht) war Nichts ist wertvoller als ein guter Freund, außer (es kommt) ein Freund mit Schokolade... Perseas hatte übrigens als Synonym ''es sei denn'' suggeriert: ...es sei denn, ein anderer mit Schokolade kommt. ''Es sei denn'' erfordert einen Nebensatz: es kann diesem Ausdruck nicht bloß ein Hauptwort im Nominativ folgen.
     

    manfy

    Senior Member
    German - Austria
    Ist aber in diesem Fall das Komma vor außer wirklich notwendig? Im Duden-Beispiel für diesen Gebrauch (''niemand kann diese Schrift lesen außer er'') ist kein Komma, im OP-Satz gibt's eines.
    Das Komma ist wahrscheinlich optional. Ich würde es wohl trotzdem setzen, weil ich auch beim Sprechen immer eine merkbare Unterbrechung des Sprachflusses einfüge. Dies und das Komma finde ich als Hervorhebung des nachfolgenden Kontrasts als gerechtfertigt.
     
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