auf etwas dringen

adventrue

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German
Ich habe folgenden Satz gelesen: "Angeblich hätte Gorbatschew im Gespräch mit Amerika und Deutschland darauf gedrungen, dass keine Ausweitung der NATO stattfinde."

"Gedrungen" kommt meiner Meinung nach von "dringen".
Gibt es also einen (wahrscheinlich stilistischen) Unterschied zwischen "auf etwas drängen" und "auf etwas dringen"?
 
  • Cpt.Eureka

    Senior Member
    German
    Das sind zwei völlig verschiedene Wörter.

    Er drang in das Gebäude ein.
    Durch das Leck dringt Wasser in das Schiff.

    (Ein)dringen bedeutet also, in etwas hineingelangen.

    "Drängen" dagegen meint, jemanden zur Eile antreiben oder jemanden unter Druck zu setzen.
     

    Hutschi

    Senior Member
    Beide Formen sind durchaus korrekt:

    Ich dringe darauf = ich dränge darauf = ich wirke darauf hin

    Bei "Ich dringe darauf" besteht eine zusätzliche Konnotation zu "ich beharre darauf, es ist für mich ein wichtiger Punkt."

    Ich dränge darauf -> ich habe darauf gedrängt
    Ich dringe darauf -> ich habe darauf gedrungen

    Mit "eindringen" haben beide Formen nichts zu tun. (Ob die Formen verwandt sind, weiß ich aber nicht genau. Es sieht aber so aus.)
     

    Cpt.Eureka

    Senior Member
    German
    Beide Formen sind durchaus korrekt
    War das schon immer so, oder wurde hier wieder ein gängiger Fehler zur Regel erhoben?

    Ich hoffe nur, dass ich dann demnächst nicht Sätze lesen muss wie "Sie hatte es sehr eilig und drungelte sich deshalb durch die wartende Menge." ;)
     

    Hutschi

    Senior Member
    "Drungelte" hat damit nichts zu tun.
    "Dringen" gehört zu den alten Wörtern, was man auch an der starken Beugung merkt.
    Es hat viele Bedeutungen und Formen, wie man in Grimms "Deutschem Wörterbuch" nachlesen kann.

    Hier relevant ist zum Beispiel:
    uneigentlich, den willen bestimmen oder bestimmen wollen, mit heftigkeit einwirken, nötigen, bedrücken, quälen. tringen, nöten, (...) . auf etwas bereden, vermügen
    Es gibt zahlreiche Übereinstimmungen der Bedeutung mit "drängen":
    leute zu dringen die sünde namhaftig zu machen
    Auch der Kontext "Überreden" ist gegeben.
    in jemand dringen durch überredung, durch gründe zu etwas bewegen oder zu bewegen suchen. er drang so sehr in ihn dasz er seine bitte nicht abschlagen konnte.
    Zahlreiche weitere Beispiele sind angegeben, ein Teil davon ist heute veraltet.

    Auf keinen Fall sind es Neubildungen, wie "drungelte".
     

    Cpt.Eureka

    Senior Member
    German
    "Drungelte" hat damit nichts zu tun.
    Drängen - Dringen
    Drängeln - Dringeln - drungelte

    "drungelte" war ein Scherz, der sich irgendwie aufdrängte.

    Wozu zwei - bei aller äußerlichen Ähnlichkeit doch sehr unterschiedliche (regelmäßig, unregelmäßig, transitiv, intransitiv) - Verben für dieselbe Sache?

    Sind das zwei regionale Entwicklungen, die sich gleich stark durchgesetzt haben, so ähnlich wie bei "die See / das Meer"?
     

    Hutschi

    Senior Member
    Sie sind eben nicht gleich, sie klingen unterschiedlich und sind auch nicht in allen Fällen austauschbar.
    Deshalb ist es berechtigt, zwei Wörter zu haben. Es sind, soviel ich weiß, keine regionalen Entwicklungen.

    Auch "die See" und "das Meer" sind nicht völlig synonym. Sie sind nicht beliebig austauschbar. Die Südsee ist etwas anderes als das Südmeer.

    Ich dringe in dich: "Mache das doch anders!":tick:
    Ich bitte dich eindringlich darum.:tick:
    Ich dränge in dich: "Mache das doch anders!":cross:
    Ich bitte dich eindringlich darum.:cross:


    Ich bedringe dich.:cross:
    Ich bedränge dich.:tick:

    Dass "drungelte" ein Scherz war, habe ich gesehen. Aber in jedem (guten) Scherz steckt ein Körnchen Wahrheit. :)
     
    Last edited:

    Cpt.Eureka

    Senior Member
    German
    Sie sind eben nicht gleich...
    Genau das meinte ich ja, sie ähneln sich nur oberflächlich. Dennoch kann ich sie für dieselbe Sache verwenden, etwa das starke Einwirken auf Personen.

    Auch "die See" und "das Meer" sind nicht völlig synonym.
    Wenn überhaupt, gibt es nur sehr wenige "vollkommene Synonyme". Irgendwo findet sich wohl immer ein Umstand oder eine Redewendung, in denen Begriffe nicht austauschbar sind.
     

    Il Reine

    Member
    Neuhochdeutsch
    So weit ich weiss ist drängen das veranlassende Zeitwort (Faktitiv) von dringen, ja nahezu sein veranlassendes Gegenstück, das hieße dann, dass es um keine oberflächliche Änlichkeit geht, sondern um denselben Verbstamm, etwa wie bei trinken-tränken und schinden-schänden. Daher dürfen wir berechtigt sagen, dass:

    - Gorbačëv darauf gedrängt worden war (falls es nicht freiwillig gewesen war)
    - Gorbačëv daraug gedrungen hatte
    Grüße,
    Othmar
     
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