Aussprache 'ä'

YellowOnline

Senior Member
Dutch - Belgium
Hallo,

ich bin nach mittlerweile 8 Monaten in Deutschland noch immer nicht sicher was eigentlich die richtige Aussprache ist von die folgende zwei Klänge:

ä -> [ɛː] oder [eː]? Ich höre manchmal die beiden.
<...>

Es ist natürlich nicht aus zu schließen dass ich einfach viele Einflüsse von Berliner Dialekt höre...

Vielen Dank im Voraus :)
 
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  • berndf

    Moderator
    German (Germany)
    [eː] ist aber wahrscheinlich inzwischen die häufiger gehörte Aussprache, auch bei Sprechern, die ein neutrales (d.h. nicht Dialekt- oder Soziolekt-gefärbt) Deutsch sprechen.
     

    Glockenblume

    Senior Member
    Deutsch (Hochdeutsch und "Frängisch")
    [eː] ist aber wahrscheinlich inzwischen die häufiger gehörte Aussprache, auch bei Sprechern, die ein neutrales (d.h. nicht Dialekt- oder Soziolekt-gefärbt) Deutsch sprechen.
    Auch wenn man das nicht Dialekt nennen mag, ist es für mich immer noch ein - regionaler - Akzent.

    (Um mich nicht falsch zu verstehen: Ich mag gerne die versschiedenen Akzente - das bereichert das Deutsche; nur stört es mich, wenn manchmal mittel- und norddeutsche Akzente als "akzentfrei" bezeichnet werden, und alles Süddeutsche als "dialektal" abgetan wird.)
     

    berndf

    Moderator
    German (Germany)
    Ja, für welche Region soll das denn bitte "regionaler Akzent" sein? Wortspiele wie "Die gefährlichen Hölen-, oder auch Erdbeeren genannt, ..." funktionieren doch im ganzen deutschen Sprachraum (mit Ausnahme vielleicht der Deutschschweiz; aber das ist eine ganz eigene Geschichte).
     
    Last edited:

    Glockenblume

    Senior Member
    Deutsch (Hochdeutsch und "Frängisch")
    Ja, für welche Region soll das denn bitte "regionaler Akzent" sein? Wortspiele wie "Die gefährlichen Hölen-, oder auch Erdbeeren genannt, ..." funktionieren doch im ganzen deutschen Sprachraum.
    Einverstanden für die Bären, aber nicht für alle anderen Wörter, - beispielsweise Käse: Der heißt halt in Berlin oder einigen anderen Regionen Keese (tut mir Leid, ich weiß nicht, wie ich die Lautschriftzeichen einfügen soll), aber in anderen nach wie vor Käse - und das nicht nicht nur bei extrem bemühter Bühnenaussprache.
     

    berndf

    Moderator
    German (Germany)
    ... aber in anderen nach wie vor Käse - und das nicht nicht nur bei extrem bemühter Bühnenaussprache.
    Das ist schon lang' nicht mehr so. Es gibt einige mitteldeutsche Dialekte, die [e:] und [ɛː] noch sauber unterscheiden (Pfalz, Hessen, nördliches Unter- und Oberfranken; wo dann dafür [ɛː] und [ɛ] nicht mehr sauber unterschieden wird - und im Schwäbischen/Alemannischen, aber dort verschmelzen die Laute andersherum: dort isst man nicht Keese im Stehen sondern Chääs im Stään). Mittlerweile ist aber das schon fast ein Dialektmerkmal.
     
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    Alan Evangelista

    Senior Member
    Brazilian Portuguese
    Wortspiele wie "Die gefährlichen Hölen-, oder auch Erdbeeren genannt, ..." funktionieren doch im ganzen deutschen Sprachraum
    Ich habe keine Ahnung was ist das. Könntest du es bitte besser beschreiben?

    Obwohl weiß ich, dass /ɛ:/ die Standardaussprache von Ä ist, das ist nicht, was ich normalerweise in deutschen Filmen, Fernsehserien und Podcasts höre. Es scheint mir, dass die Aussprache ähnlich wie E ist: /ɛ/ vor 2+ Konsonanten (außer H ), sonst /e:/ (
    in zusammengesetzten Wörtern sollten die ursprünglichen Wörter berücksichtigt werden). Übrigens folgt Google Translate diese Aussprache, wie ihr einfach überprüfen können. Einige Beispiele:

    Schwägerin : /e:/
    Käfer: /e:/
    Erklärung: /e:/
    Aktivität: /e:/
    wählen: /e:/
    hält: /ɛ/
    Ärger: /ɛ/
    hätte: /ɛ/
    Anwälte: /ɛ/
    Plätze: /ɛ/

    Natürlich gibt es einige Ausnahme wie "Bär" ( /ɛ:/ ) und Mädchen (/e:/).

    Diese Seite stimmt dieser Aussprache zu: German long and short 'ä' vowels - Paul Joyce

    Ist diese übliche(ste) Ausprache regional (vielleicht aus Berlin)? Ich frage mich, warum es in diesem Thread überhaupt nicht erwähnt wurde. Ich habe nur diese alternative Aussprache gelesen:

    [eː] ist aber wahrscheinlich inzwischen die häufiger gehörte Aussprache
     
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    Demiurg

    Senior Member
    German
    Ich habe keine Ahnung was ist das. Könntest du es bitte besser beschreiben?
    Es geht hier um Höhlenbären (/ɛ:/) vs. Erdbeeren (/e:/).

    Übrigens folgt Google Translate diese Aussprache, wie ihr einfach überprüfen können. Einige Beispiele:

    Schwägerin : /e:/
    Käfer: /e:/
    Erklärung: /e:/
    Aktivität: /e:/
    wählen: /e:/
    ...
    Natürlich gibt es einige Ausnahme wie "Bär" ( /ɛ:/ ) und Mädchen (/e:/).
    Also ich stamme aus einer Region, die Bernd oben erwähnt hat (Westpfalz) . Ich spreche alle diese Wörter ohne Ausnahme mit /ɛ:/ aus (und 'stehen' mit /e:/). Ich halte das für eine einfache Regel, die gerade auch Nichtmuttersprachlern das Leben viel leichter macht. ;)
     
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    Gernot Back

    Senior Member
    German - Germany
    Ich spreche alle diese Wörter ohne Ausnahme mit /ɛ:/ aus (und 'stehen' mit /e:/). Ich halte das für eine einfache Regel, die gerade auch Nichtmuttersprachlern das Leben viel leichter macht.
    :thumbsup:
    Ich bin zwar ebenso wie du in einer hafenarmen, bier- und weinhefenseligen südwestdeutschen Region aufgewachsen, aber ich könnte mir nie vorstellen, nicht auch lautlich etwa zwischen Häfen und Hefen klar zu unterscheiden, wie dies paradoxerweise die Einwohner hafenreicher Landstriche an der Küste tun, die diese Unterscheidung für nicht notwendig halten.
     

    Hutschi

    Senior Member
    Quelle: Bären fressen Beeren | DW | 08.04.2009

    Hier wird zwischen Kurzvokal und Langvokal unterschieden.
    Beim Langvokal gilt das oben genannte: Es gibt nach dieser Quelle beide Sprechweisen, regional unterschiedlich verteilt.

    Ich spreche die Vokale besonders bei deutlicher Aussprache verschieden. Bei schneller Aussprache nähern sie sich wahrscheinlich an.

    Für den Kurzvokal gilt dagegen nach dieser Quelle:
    "... als Kurzvokal wird das "ä" wie ein kurzes "e" ausgesprochen. Der Plural von "das Fell" klingt genauso wie der von "Fall", nämlich: die Fälle. Nur die Schreibung ist verschieden."
    ---
    Das erklärt auch die Aussprache in den Beispielen nach #9.

    Kurzvokale werden durch Doppelkonsonanten oder zwei Konsonanten angezeigt.
    Die Aussprache ist beim Kurzvokal "ɛ", "ä" und "e" fallen zusammen.

    Das "e"wird wie ein "ä" ausgesprochen.
    hell – Wiktionary
    IPA: [hɛl]
    Fell – Wiktionary
    IPA: [fɛl]
     
    Last edited:

    berndf

    Moderator
    German (Germany)
    Es scheint mir, dass die Aussprache ähnlich wie E ist: /ɛ/ vor 2+ Konsonanten (außer H ), sonst /e:/ (
    in zusammengesetzten Wörtern sollten die ursprünglichen Wörter berücksichtigt werden).
    Hier wird zwischen Kurzvokal und Langvokal unterschieden.
    Beim Langvokal gilt das oben genannte: Es gibt nach dieser Quelle beide Sprechweisen, regional unterschiedlich verteilt.
    Ja. Bei Kurzvokalen ist die Unterscheidung zwischen e ([e]) und ë ([ɛ]) schon lange verschwunden. Bei Langvokalen sind wir wohl gerade in einer Transitionsphase, sodass wir bald wie beim o, wo es nur [o:] und [ɔ] gibt, bald nur noch [e:] und [ɛ] haben werden, d.h. dass Länge und Qualität aneinander gekoppelt sind. Das entspricht ja auch besser der Logik des modernen deutschen Vokalsystems.
     

    Hutschi

    Senior Member
    Die Verwendung von "ä" und "e" beim Schreiben ist dann nur noch sinnunterscheidend (hauptsächlich aus etymologischen oder volksetymologischen Gründen), aber nicht mehr ausspracheunterscheidend, sofern die Sprachänderung sich durchsetzt.
     

    berndf

    Moderator
    German (Germany)
    wie dies paradoxerweise die Einwohner hafenreicher Landstriche an der Küste tun, die diese Unterscheidung für nicht notwendig halten.
    Das ist ein Mythos, dass es sich dabei um eine norddeutsche Besonderheit handelt. Die Tendenz zur nicht-Unterscheidung der beiden Phoneme findet man in Hambug genauso wie in Dresden, München und Wien.
     

    Schlabberlatz

    Senior Member
    German - Germany
    Danke für den Link! Wenn man runterscrollt sieht man auch einen Link zur MP3-Version (die man auch herunterladen kann, wenn man den Link in einem neuen Fenster öffnet https://www.dw.com/overlay/media/de/sprachbar-bären-fressen-beeren/4159921/4159476 .)

    Säle mit ›ä‹ /ɛ:/ hört sich für mich noch relativ normal an, aber Erdbeeren mit /e:/? Das hört sich merkwürdig an. Gibt es wirklich Gegenden, wo das so ausgesprochen wird? Oder ist das nur in der Bühnenaussprache ein /e:/? Vgl.
    Beim langen "ä" hat der Sprecher die Wahl: Er kann es geschlossen aussprechen oder – wie in der so genannten klassischen Bühnenhochlautung – offen.
    https://www.dw.com/de/bären-fressen-beeren/a-4159476
     

    Schlabberlatz

    Senior Member
    German - Germany
    Hm, wahrscheinlich kenne ich mich mit der Transkription nicht gut genug aus. Könntest du dir die verlinkte Audio-Aufzeichnung anhören? Bei 2'23" sagt der Sprecher zuerst „Bären“ (… Tiere) und dann „Beeren“ (… Früchte). Wie wäre da jeweils die korrekte Transkription?
     

    berndf

    Moderator
    German (Germany)
    Er sagt beide Male [e:], fast zumindest; das erste ist vielleicht ein Tick offener, aber kaum. Das entspricht der gängigen Aussprache heute, mit Ausnahme des Südwestens. Klassische Aussprache wäre Bären mit [ɛ:], also offen, und Beeren mit [e:], also geschlossen.

    Bei 2:34 sagt er es dann noch einmal mit deutlich offenem [ɛ:] bei Bären, also klassisch.
     
    Last edited:

    Schlabberlatz

    Senior Member
    German - Germany
    Er sagt beide Male [e:].
    Ups, dann habe ich einen Unterschied gehört, wo keiner ist. Hast du einen Link zu einem Hörbeispiel, wo ich mir ein [ɛ:] anhören kann? Am besten natürlich ein [ɛ:], das vor einem ›r‹ kommt, damit es gut mit ›Bären‹ vergleichbar ist.
     

    Schlabberlatz

    Senior Member
    German - Germany
    Danke, ich hatte den Edit nicht gesehen. Ich hatte immer den Eindruck, dass es sich bei ›Beeren‹ und ›Bären‹, wie ich es kenne, mehr nach ›ä‹ (offenes ›e‹) anhört. Ich komme aber nicht aus dem Südwesten. Ich werde in nächster Zeit mal genau darauf achten, wie es in meiner Umgebung (Region: Westfalen) ausgesprochen wird. Wahrscheinlich habe ich mich getäuscht.
     

    berndf

    Moderator
    German (Germany)
    Ich habe 8 Jahre in Münster in Westfalen gelebt. Dort werden vor r alle es geschlossen gesprochen und nie offen. Das e wird sogar in Herr geschlossen gesprochen, was sonst - außer im Bairischen - so gut wie nie vorkommt und Herr hört sich dort wie Heer an.
     

    Kajjo

    Senior Member
    ä -> [ɛː] oder [eː]? Ich höre manchmal die beiden.
    Ja, denn es gibt regional verschiedene Varianten, die beide als korrekt gelten.

    Beachte zunächst, dass die Frage nur für die langen Vokale [ɛː] vs [eː] relevant ist. Das kurze [ɛ] wird standardsprachlich überregional gleich gesprochen und kann je nach Wort "ä" oder "e" geschrieben werden:

    Bett [bɛt], plätten [plɛtn̩]

    Der ɛː-eː-Merger (das Zusammenfallen beider Laute) ist in weiten Teilen Deutschlands (vor allem in nördlichen und östlichen Regionen) vollzogen. Moderner Deutsch-als-Fremdsprache-Unterricht lehrt heutzutage überwiegend [eː] als empfohlene Aussprache. Heutzutage sind es eher Sprecher südlicher Akzente, die in ihrer Standardsprache das traditionelle ɛː sprechen.

    In überartikulierter Sprache, z.B. um Missverständnisse zu vermeiden, sowie immer beim Buchstabieren verwenden alle Sprecher jedoch [ɛː] für "ä".

    Ratschlag: Ich empfehle generell, das lange "ä" als [eː] zu sprechen. Damit fällst du am wenigsten auf und es klingt am ehesten nach alltäglicher guter Standardsprache, vor allem in all jenen Regionen, in denen der Akzent ohnehin relativ dicht an der Standardlautung liegt. Das deutliche Aussprechen von [ɛː] wirkt auf viele heutzutage umgekehrt schon gerade wie Akzent, obwohl es standardsprachlich absolut korrekt ist. Die Tendenz im deutschsprachigen Raum ist aber eindeutig Richtung ɛː-eː-Merger.

    Mädchen [meːtçən]
    Universität [ˌuni.vɛʁ.ziˈteːt]
    Käse [keːzə]
     

    Alan Evangelista

    Senior Member
    Brazilian Portuguese
    Ratschlag: Ich empfehle generell, das lange "ä" als [eː] zu sprechen.
    +1. mMn ist das die beste Option für Ausländer, die Deutsch lernen. Google Translate und die meisten deutschen Medien folgen dieser Aussprache, dies allein schon rechtfertigt die Wahl.
     
    Last edited:

    Kajjo

    Senior Member
    Diese [e:]s hier klingen für mich schrecklich!
    Das glaub ich dir gerne. So geht es den Regionen gegenseitig mit der unterschiedlichen Aussprache.

    mMn ist das die beste Option für Ausländer, die Deutsch lernen. [...] die meisten deutschen Medien folgen dieser Aussprache, dies allein schon rechtfertigt die Wahl.
    Ja, der Merger schreitet voran und die allermeisten Medien verwenden [eː]. Sehr viele moderne Deutsch-als Fremdsprache-Lehrmedien verwenden durchgehend [eː].
     

    Demiurg

    Senior Member
    German
    +1. mMn ist das die beste Option für Ausländer, die Deutsch lernen. Google Translate und die meisten deutschen Medien folgen dieser Aussprache, dies allein schon rechtfertigt die Auswahl.
    Wie schon oben in #10 geschrieben ist m.M.n. nach die einfachste und beste Option für Deutschlerner, sich an der Schreibung zu orientieren und zwischen /ɛː/ und /e:/ zu differenzieren. Das ist eine akzeptierte Aussprache und wenn man auch phonetisch zwischen "Bären" und "Beeren" oder "Ähre" und "Ehre" unterscheidet, vermeidet man Missverständnisse beim Hörer.

    Diese [e:]s hier klingen bzw. klängen für mich schrecklich!
    Ich habe mich inzwischen daran gewöhnt, aber imitieren muss ich das nun wirklich nicht.
     

    JClaudeK

    Senior Member
    Français France, Deutsch (SW-Dtl.)
    Wie schon oben in #10 geschrieben ist m.M.n. nach die einfachste und beste Option für Deutschlerner, sich an der Schreibung zu orientieren und zwischen /ɛː/ und /e:/ zu differenzieren.
    :thumbsup:
    Wiktionary:
    Mädchen [ˈmɛːtçən]
    Universität [ˌunivɛʁziˈtɛːt]
    Bär [bɛːɐ̯]
    schämen [ˈʃɛːmən]


    aber:
    Käse [ˈkɛːzə], [ˈkeːzə] - (hier sind seltsamerweise beide Aussprachen angegeben)
     

    Alan Evangelista

    Senior Member
    Brazilian Portuguese
    Wie schon oben in #10 geschrieben ist m.M.n. nach die einfachste und beste Option für Deutschlerner, sich an der Schreibung zu orientieren und zwischen /ɛː/ und /e:/ zu differenzieren. Das ist eine akzeptierte Aussprache und wenn man auch phonetisch zwischen "Bären" und "Beeren" oder "Ähre" und "Ehre" unterscheidet, vermeidet man Missverständnisse beim Hörer.
    Wir sind uns einig das die Standardaussprache einfacher ist, aber es nützt nichts, wenn diese Aussprache nicht ist die, was man in den Medien hört, weil die meisten Sprachschüler oft mit Filmen, Serien, Podcasts usw. lernen.

    Ich betrachte mich als gutes Beispiel. Ich habe diesen genauen Thread letztes Jahr gelesen und mich für die Standardaussprache von Ä entschieden. Nachdem ich mich daran gewöhnt hatte, begann ich Filme / Serien ohne Untertiteln anzusehen, und Podcasts anzuhören, und ich verstand nicht einige Wörter, die ich bereits gelernt hatte (z. B. Schwägerin, das ich im Geiste nur "Schwegerin" schrieben konnte, als ich es hörte). Wenn ich gelernte und mich daran gewöhnt hatte, dass Ä auch als /e:/ ausgesprochen werden kann, begann ich, mehr Wörter zu verstehen. Da ich es für verwirrend halte, auf eine Weise zusprechen und auf eine andere Weise zuhören, bin ich kürzlich auf die üblichere /e:/ - Aussprache umgestiegen.

    Um diese Verwirrung zu vermeiden, empfehle ich, die gebräuchlichere Aussprache vom ersten Tag an zu übernehmen, auch wenn Unklarheiten auftreten.
     
    Last edited:

    berndf

    Moderator
    German (Germany)
    Wirklich?
    Nur ein Beispiel:
    Sagst Du da wirklich [ˈpleʁən] ?
    Nein, natürlich nicht. Das ist ja auch ein kurzes e. Dort ist die geschlossene Variante verschwunden. Und analog verschwindet z.Z. zunehmend die offene Variante beim Langvokal, sodass die e/ä-Laute sich den übrigen Vokalen annähern: kurz=offen, lang=geschlossen. Damit ist es eine durchaus regularisierende Lautverschiebung.

    (Nur beim a ist es umgekehrt: lang=ganz offen, kurz=fast offen; aber das hat dieselbe Ursache.)
     

    JClaudeK

    Senior Member
    Français France, Deutsch (SW-Dtl.)
    Bei Kurzvokalen ist die Unterscheidung zwischen e ([e]) und ë ([ɛ]) schon lange verschwunden.
    [....]
    ...... ein kurzes e. Dort ist die geschlossene Variante verschwunden.
    Dazu eine Frage:
    Hat es beim Kurzvokal e je eine geschlossene Variante gegeben? Wenn ja, kannst Du Beispiele nennen?
     
    Last edited:

    berndf

    Moderator
    German (Germany)
    Ja, mittelhochdeutsch lenge = neuhochdeutsch Länge. Wahrscheinlich hat es sogar zu einem Zeitpunkt mal drei unterschiedene e-ähnliche Kurzvokale gegeben:
    • geschlossen: Primärumlaute, wie lenge. Die kann man heute oft daran erkennen, dass es sie auch im Englischen gibt (length).
    • mittel: Ursprüngliches germanisches e, wie in gëben (neuhochdeutsch ist der Vokal lang; aus dem Alemannischen kennst du den Vokal aber sicher noch kurz).
    • offen: Sekundärumlaut wie ûʒländisch.
    Die Schreibung ë für das mittlere e ist allerdings eine moderne Konvention und rekonstruiert. In Originaltexten sind sie nicht unterschieden. Diese Unterscheidung spielte auch wahrscheinlich nur in Tonsilben eine Rolle.
     
    Last edited:

    Kajjo

    Senior Member
    Ich betrachte mich als gutes Beispiel. [...] Um diese Verwirrung zu vermeiden, empfehle ich, die gebräuchlichere Aussprache vom ersten Tag an zu übernehmen, auch wenn Unklarheiten auftreten.
    Richtig, das ist sinnvoll.

    Es treten aber ja auch in der Praxis keine Unklarheiten auf. Dass manche Wörter gleich ausgesprochen werden, schafft regelhaft keine Unklarheiten. Viele andere Wörter haben auch mehrere Bedeutungen und auch die schaffen so gut wie nie Unklarheiten. Der Kontext klärt das quasi immer.

    Es ist in der Tat sinnvoll, dass heutige Sprachlernende den ɛː-eː-Merger durchziehen und immer [eː] sprechen. Man sollte sich im Unterricht daran orientieren, was die überwältigende Mehrheit an Medien verwendet. [eː] ist moderne Standardlautung und uneingeschränkt richtig und empfehlenswert.

    Wiktionary:
    Das Wiktionary ist laiengemacht und zeigt sehr deutlich den Einfluss der jeweiligen Autoren. Dort hat sich jemand durchgesetzt, der die südwestdeutsche Variante bevorzugt. Wie immer bei Wikipedia und Wiktionary sehr viel persönliche Ideologie.

    Konsistenz kannst du bei Wiktionary nicht erwarten und der Anspruch auf Richtigkeit wird oft zugunsten von persönlichen Vorlieben geopfert.
     

    berndf

    Moderator
    German (Germany)
    Das Wiktionary ist laiengemacht und zeigt sehr deutlich den Einfluss der jeweiligen Autoren. Dort hat sich jemand durchgesetzt, der die südwestdeutsche Variante bevorzugt. Wie immer bei Wikipedia und Wiktionary sehr viel persönliche Ideologie.

    Konsistenz kannst du bei Wiktionary nicht erwarten und der Anspruch auf Richtigkeit wird oft zugunsten von persönlichen Vorlieben geopfert.
    Im Prinzip ist es richtig, dass man tatsächliche oder vermeintliche Inkonsistenzen bei Wiktionary wegen der fehlenden redaktionellen Gesamtsicht nicht überbewerten sollte. Allerdings spricht einiges dafür, die phonemische Unterscheidung in der Transkription zumindest noch nicht ganz aufzugeben. Vollkommen neutralisiert ist die Unterscheidung bei den allermeisten Sprechern vor r aber in anderen Kontexten ist es komplizierter. Die Aussprachen von Beeren und Bären sind tatsächlich wohl bei den meisten Sprechern ununterscheidbar. Bei dem Minimalpaar Seele-Säle ist aber sehr oft noch ein Unterschied zu hören, auch wenn der sehr viel kleiner ist als der zwischen kardialem [ɛ] und [e]. So oder so ähnlich wird es i.d.R. in der Phonetikausbildung für Bühne, Film und Medien heute meist gelehrt. Das ist zwar aus der Perspektive eines Lernenden unbefriedigend, aber so ist die Situation.

    Wahrscheinlich ist es am einfachsten (oder: am wenigsten umständlich) es so zu beschreiben: Theoretisch besteht ein Unterschied zwischen langem e und langem ä; praktisch ist er aber meist so gering, dass man ihn ignorieren kann. Die Realisierung des langen ä, der man in der Realität begegnet kann irgendwo zwischen [ɛː] und [eː] liegen; aber zunehmend näher an [e:].
     

    JClaudeK

    Senior Member
    Français France, Deutsch (SW-Dtl.)
    Die Realisierung des langen ä, der man in der Realität begegnet kann irgendwo zwischen [ɛː] und [eː] liegen
    In der Praxis sieht dann so aus:
    Für ein langes Ä [ɛː] wie in Rumänien sprechen Sie ein langes geschlossenes E [e:] (lesen) und öffnen dann aber den Mund weiter.
    :D

    Danke für #39


    Übrigens, es gibt schon eine ähnliche Diskussion:
    "ä" versus "eh"
     
    Last edited:

    elroy

    Imperfect Mod
    US English/Palestinian Arabic bilingual
    Zur Abwechslung eine von der Mehrheit etwas abschweifende Perspektive:

    Als ich anfing, Deutsch zu lernen, hat sich das lange „ä“ meiner Lehrer usw. tatsächlich wie ein langes „e“ angehört und ich habe mir diese Aussprache unbewusst eingeprägt. :D Als ich dann aber echtem Deutsch in freier Wildbahn begegnete, habe ich sehr oft die offene Aussprache gehört, und zwar von Deutschen aus verschiedenen Regionen, und ich habe sie mir nach und nach teilweise zu eigen gemacht (also sozusagen das Gegenteil von Alans Erfahrung). Heutzutage ist meine Aussprache des Phonems wohl gemischt und hängt wahrscheinlich vom Wort ab. Ich glaube nicht, dass ich damit schlecht „auffalle“ und würde sagen, das kann man sich einfach aussuchen.
     
    Last edited:

    Syzygy

    Senior Member
    German
    Ist "hä?" für die /e:/-Leute unter euch eine Ausnahme oder sprecht ihr auch das "hee" aus? Von der wenn, dann nur minimal, offenen Aussprache von mäh bei Wiktionary war ich selbst etwas überrascht.
     

    Kajjo

    Senior Member
    Übrigens, es gibt schon eine ähnliche Diskussion:
    "ä" versus "eh"
    Interessant.... 13 Jahre her und ich bin immer noch meiner Meinung. ;-)

    Ich glaube nicht, dass ich damit schlecht „auffalle“ und würde sagen, das kann man sich einfach aussuchen.
    Beides ist korrekt und ja, man kann es sich aussuchen. Aber ich persönlich finde schon, dass man in spontaner Sprache heutzutage mit dem [eː] eher wie ein "akzentfreier" (so es das gibt, also angenähert) Hochdeutschsprecher klingt und mit einem zu deutlichen [ɛː] eher etwas auffällt. Ich bleibe bei meiner Empfehlung des [eː].

    Da aber quasi jeder Sprecher in bestimmten Situationen zum [ɛː] wechselt, ist es kein Problem, es an manchen Stellen zu sprechen, vor allem an überartikulierten, besonders wichtigen Stellen, an silbisch-überdeutlich gesprochenen Wörtern oder natürlich beim Buchstabieren.

    Ist "hä?" für die /e:/-Leute unter euch eine Ausnahme oder sprecht ihr auch das "hee" aus?
    In spontaner Sprache spreche ich meist [hə]. Bei absichtlicher Betonung spreche ich [hɛ]. Ein langes [hɛːh] (meist wie angedeutet mit abschließender Behauchung) höre und spreche ich allenfalls bei scherzhafter Überzeichnung ähnlich wie in Comic-Sprechblasen.

    Bedenke in diesem Zusammenhang, dass alle Sprecher das kurze [ɛ] gleichermaßen sprechen. Wir diskutieren hier nicht über so etwas wie "Bett" [bɛt].

    Aussprache von mäh bei Wiktionary war ich selbst etwas überrascht.
    Ausgerechnet Schafe machen bei uns meistens schon [mɛː].

    Auch Abscheu wie "bäh!" wird [bɛː] gesprochen.
     

    Syzygy

    Senior Member
    German
    Ausgerechnet Schafe machen bei uns meistens schon [mɛː].

    Auch Abscheu wie "bäh!" wird [bɛː] gesprochen.
    Ja, ich spielte darauf an, dass sich das Aussprachebeispiel des Berliners mehr nach [meː] anhörte. Interessant auch, dass der anscheinend selbe Sprecher das von dir genannte bäh offener ausspricht.
     
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