bräuchten / würden brauchen

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luckofthedraw

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Turkish
Könnte mir bitte jemand erklären, welche Form von brauchen im Konjunktiv II richtig ist?

Sollte man "bräuchten" oder "würden + brauchen" verwenden, wenn man einen Satz im Konjunktiv II bildet?
 
  • Frieder

    Senior Member
    "Wir bräuchten" ist durchaus geläufig, sorgt aber bei manchen Mitmenschen für Naserümpfen ("das sagt man nicht"). Also entweder "wir brauchten" (was mehrdeutig ist) oder "würden brauchen".

    Bei Duden stehen beide Formen (brauchte/bräuchte) kommentarlos nebeneinanader. "Bräuchte" ist also sozusagen von offizieller Seite genehmigt ;).

    Fazit: Gebrauche ruhig "bräuchte", denn das tun mittlerweile (fast) alle. :)
     

    JClaudeK

    Senior Member
    Français France, Deutsch (SW-Dtl.)
    Gebrauche ruhig "bräuchte", denn das tun mittlerweile (fast) alle.
    :thumbsup:
    "bräuchte" gilt zwar (noch) nicht als standardsprachlich, verbreitet sich aber immer mehr.
    Tatsächlich lautet der Konjunktiv II des Verbs brauchen also brauchte. Da hier eine Verwechslungsgefahr mit der gleichlautenden Präteritumform brauchte besteht (»Ich brauchte einen Kugelschreiber.«), hat sich umgangssprachlich die Verdeutlichung des konjunktivischen Gebrauchs durch Umlautbildung durchgesetzt (»Ich bräuchte einen Kugelschreiber.«). Diese Variante wird jedoch nicht als standardsprachlich betrachtet.
    Gesellschaft für deutsche Sprache
     

    JClaudeK

    Senior Member
    Français France, Deutsch (SW-Dtl.)
    Sollte man "bräuchten" oder "würden + brauchen" verwenden, wenn man einen Satz im Konjunktiv II bildet?
    Nach standardsprachlichen Kriterien müsstest Du "würden + brauchen" verwenden, da Präteritum und K II identisch sind:
    z.B.
    "Was täten Sie, wenn Sie Hilfe brauchen würden?" :thumbsup:

    Edit
    Bei Duden stehen beide Formen (brauchte/bräuchte) kommentarlos nebeneinanader.
    "bräuchte" steht sogar an erster Stelle.
     
    Last edited:

    Hutschi

    Senior Member
    Im Duden:
    ...

    "bräuchte" steht sogar an erster Stelle.
    Das widerlegt eigentlich, dass es nicht standardsprachlich ist.
    Ich vermute: Im Süden ist "bräuchte" häufiger als im Norden.

    Der Duden "Richtiges und gutes Deutsch, Wörterbuch der sprachlichen Zweifelsfälle" sagt, "bräuchte" würde noch nicht allgemein als standarddprachlich anerkannt wird. Das heißt aber, dass das in Entwicklung ist und dass es von vielen anerkannt wird. Das Buch bestätigt, dass "bräuchte" aus dem Süden stammt.

    Meine Ausgabe des Dudens für Zweifelsfälle ist von 2007. (6.Auflage)
     

    Schlabberlatz

    Senior Member
    German - Germany
    Nach standardsprachlichen Kriterien müsstest Du "würden + brauchen" verwenden, da Präteritum und K II identisch sind:
    z.B.
    "Was täten Sie, wenn Sie Hilfe brauchen würden?"
    Quelle? (Es ist in dem gegebenen Kontext doch völlig klar, dass es K II ist.) (Gibt es überhaupt Fälle, wo Präteritum und K II nicht identisch sind? Wenn sie immer identisch sind, dürfte man laut deiner Regel ›brauchte(n)‹ nie als K II verwenden.)

    Bei Duden stehen beide Formen (brauchte/bräuchte) kommentarlos nebeneinanader. "Bräuchte" ist also sozusagen von offizieller Seite genehmigt ;).

    Fazit: Gebrauche ruhig "bräuchte", denn das tun mittlerweile (fast) alle. :)
    :thumbsup: Sehr richtig. it's not like
     

    JClaudeK

    Senior Member
    Français France, Deutsch (SW-Dtl.)
    Hier etliche Quellen:
    Die Ersatzform würde + Infinitiv wird benutzt, wenn die Konjunktivform in der indirekten Rede nicht von der Indikativform in der direkten Rede zu unterscheiden ist und auch der Konjunktiv II nicht eindeutig oder sehr ungewöhnlich ist.
    Bildung der Ersatzform
    Bei den regelmäßigen Verben ist allerdings der Konjunktiv II mit dem Indikativ Präteritum identisch, da diese Verben keinen Umlaut bilden können. Aus diesem Grund wird bei den meisten Verben der Konjunktiv II mit dem Hilfsverb 'werden' gebildet.
    Konjunktiv II - mein-deutschbuch.de
    Die würde-Form wird vor allem in zwei Fällen verwendet:
    In der indirekten Rede kann der Konjunktiv II mit der würde-Form umschrieben werden, wenn die Konjunktiv-II-Form gleich ist wie die Form des Präteritum Indikativ. Dies ist z.B. der Fall bei der Konjunktiv-II-Form von schwachen Verben im Präsens (siehe: Bildung der Gegenwartsform, schwache Verben).
    Screenshot_2021-01-27 Der Konjunktiv - konjunktivbildung_neu pdf.png

    Quelle

    (Es ist in dem gegebenen Kontext doch völlig klar, dass es K II ist.)
    Trotzdem setzt sich die Form mit "würde + Infinitiv" immer mehr durch.

    Falls es Dich interessiert: Im Deutschunterricht in Frankreich wird bei schwachen Verben diese Form empfohlen:
    • Pour les verbes réguliers et les verbes mixtes
    Il n’y a pas de différence entre le temps Imperfekt (Präteritum ou prétérit) et le Konjunktiv II pour ces verbes.
    En général le Konjunktiv II de ces verbes est formé avec würden (Konjunktiv II de werden) et le verbe à l’infinitif.
    Ich würde machen = Je ferais / Je voudrais faire
    Remarque : la forme avec würden peut être employée aussi avec des verbes forts.
    Le Konjunktiv II en allemand | allemandcours.fr
     

    Hutschi

    Senior Member
    Nach standardsprachlichen Kriterien müsstest Du "würden + brauchen" verwenden, da Präteritum und K II identisch sind:
    z.B.
    "Was täten Sie, wenn Sie Hilfe brauchen würden?" :thumbsup:
    Es ist eine "Kann-Bestimmung",


    Nach standardsprachlichen Kriterien kannst Du "würden + brauchen" verwenden, da Präteritum und K II identisch sind (um den Konjunktiv 2 zu verdeutlichen):
    z.B.
    "Was täten Sie, wenn Sie Hilfe brauchen würden?" :thumbsup:

    Nach: Duden "Richtiges und gutes Deutsch", 6. Auflage

    Nach diesem Werk wird in solchen Fällen der Konjunktiv 2 häufig durch würde+Infinitiv ersetzt und kann auch zum Ersatz altertümlich wirkender Konjunktivformen verwendet werden.

    Ich halte die "Muss"-Bestimmung für falsch. Ich vermute, sie wurde wegen einer Art Furcht vor Mehrdeutigkeiten und wegen des Wunsches nach eindeutigen Antworten in einige Grammatiken eingeführt.

    Du schreibst ja selbst, dass es eine "kann"-Bestimmung sei:
    Trotzdem setzt sich die Form mit "würde + Infinitiv" immer mehr durch.
    Das tut sie übrigens schon sehr lange und wird es noch lange tun.


    ---
    PS: Deine Quellen tun so, als sei der Prozess abgeschlossen.
     
    Last edited:

    Hutschi

    Senior Member
    Das ist eine interessante Auffassung. Ich denke, sie ist eine Vereinfachung. Danke für die Quelle.
    Im Duden steht, man kann sie so formen und es sei sinnvoll. (Er würde häufig durch "würde" gebildet ...)

    Das ist ein Unterschied.
     

    Schlabberlatz

    Senior Member
    German - Germany
    Jede Menge!

    sprach - spräche
    gab - gäbe
    brachte - brächte
    stand - stände / stünde
    flog - flöge
    fuhr - führe
    u. v. m.
    (Gibt es überhaupt Fälle, wo Präteritum und K II nicht identisch sind? Wenn sie immer identisch sind, dürfte man laut deiner Regel ›brauchte(n)‹ nie als K II verwenden.)
    Meine Frage bezog sich nur auf das Verb ›brauchen‹.
    Hier etliche Quellen:
    Meistens bezieht sich die Empfehlung oder Vorschrift, die Form mit ›würde‹ + Infinitiv zu gebrauchen, auf die indirekte Rede.
    "Was täten Sie, wenn Sie Hilfe brauchen würden?"
    Das ist aber keine indirekte Rede.

    In den Fällen mit indirekter Rede ist tatsächlich die Ersatzform besser, wenn Präteritum und K II identisch sind:
    • Er erzählt mir, er würde sein Auto selbst reparieren. (Statt: Er erzählt mir, er reparierte sein Auto selbst)
    • Sie sagten, sie würden uns zustimmen. (Statt: Sie sagten, sie stimmten uns zu)
    „Sie sagten, sie stimmten uns zu“ halte ich aber für zumindest akzeptabel.
     

    elroy

    Imperfect mod
    US English, Palestinian Arabic bilingual
    Ich glaube, hier wird die Sache unnötig verkompliziert.

    Der K II von "brauchen" lautet eigentlich "brauchten" (kein Umlaut). Da das mit dem Präteritum verwechselbar ist, wäre im Prinzip die Ersatzform "würde brauchen" zu empfehlen. Nur hat sich ausnahmsweise bei diesem Verb ein K II mit Umlaut entwickelt ("bräuchten"), den man sonst bei Verben mit Diphthong im Stamm nicht findet (*bäuten, *stäunten, *kläuten). So hat man bei diesem Verb insgesamt drei, nicht nur zwei, Optionen, was den K II angeht.
     

    Hutschi

    Senior Member
    Im Fall von Konjunktiv 2 ist "würden" notwendig, wenn es sich um eine Zeit handelt, die bei Grundhandlung in der Vergangenheit in der relativen Zukunft spielt. (Es gibt vielleicht Ausnahmen. Aber das ist die Regel.)

    Er sagte, er würde einen Hammer brauchen.

    Er sagte, er brauchte einen Hammer. - Das funktioniert nicht in dieser Bedeutung. Man kann nicht sehen, dass es sich um die relative Zukunft handelt.
    Es könnte hier auch relative Vergangenheit oder Gegenwart sein.

    Funktionieren würde: Er sagte, er brauche einen Hammer.
     

    Schlabberlatz

    Senior Member
    German - Germany
    "akzeptabel", ja, aber ich persönlich würde das nicht sagen/ schreiben.
    Sagen würde ich es auch nicht. Schreiben vielleicht schon; das kommt auf den Kontext an. Wenn in einem Text häufig ›würde(n)‹ vorkommt – weil oft K II vorkommt –, kann es angebracht sein, ab und zu auch mal die „Präteritumsform“ zu nehmen, um die Anzahl der Wortwiederholungen zu verringern.
     
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