Date and time after verb

  • The Lord of Gluttony

    Senior Member
    Turkish
    In der Schule lehren Deutschelehrer uns dass das Verb immer am Ende steht; zum Beispiel, truffe2miel's Satz. Ich habe vielmals gesehen, dass das nicht immer so (wie sie uns gelehrt hat) ist. Die Antworten bestätigen meinen Verdacht.
     

    Gernot Back

    Senior Member
    German - Germany
    Gernot, kann man es auch so schreiben?

    "ich werde am 15.02.2018 um 9.00 da sein"
    Kann man, muss (und sollte) man im Deutschen aber nicht, zumal die Zukunft ja auch mit Präsens + Zukunft bezeichnendem Zeitadverbial deutlich kenntlich wird! Oder ist da etwa doch noch ein Restzweifel, ob vielleicht doch noch etwas dazwischen kommen könnte und du am 15.02.2018 um 9.00 Uhr vielleicht doch nicht da bist? Dann und NUR dann wäre Futur 1 angebracht!
     

    Gernot Back

    Senior Member
    German - Germany
    Meinen Sie dass, die Zukunft im Allgemeinen mit Verb in Präsens ausgedrückt werden sollte wenn es einen klaren Hinweis auf die Zeit in der Zukunft gibt?
    Ja, das meine ich.

    Vergleichen wir mal die folgenden Sätze:
    1. Ich bin da.
    2. Ich bin nächsten Montag da.
    3. Ich werde da sein.
    4. Ich werde nächsten Montag da sein.
    Satz 1 bezieht sich klar auf die Gegenwart und kann nicht in Bezug auf die Zukunft interpretiert werden.
    Satz 2 bezieht sich als neutrale Ankündigung klar auf die Zukunft.
    Satz 3 bezieht sich nur möglicherweise auf die Zukunft, könnte aber je nach Kontext auch eine Vermutung über die Gegenwart sein; etwa, wenn ich gerade einen Stadtplan studiere und über meinen wahrscheinlichen derzeitigen Aufenthaltsort spekuliere.
    Satz 4 bezieht sich durch das Zeitadverbial zwar klar auf die Zukunft, klingt aber anders als Satz 2 durch das gleichzeitig benutzte Futur 1 wie ein Versprechen (das ich halten kann oder möglicherweise auch nicht).
     

    berndf

    Moderator
    German (Germany)
    Gernot, kann man es auch so schreiben?

    "ich werde am 15.02.2018 um 9.00 da sein"
    Es ist möglich, wird aber als pleonastisch empfunden, da ja eine konkrete Zeitangabe enthalten ist und das grammatische Futur damit überflüssig ist.

    Meinen Sie dass, die Zukunft im Allgemeinen mit Verb in Präsens ausgedrückt werden sollte wenn es einen klaren Hinweis auf die Zeit in der Zukunft gibt?
    Ja, aus dem eben gesagten Grund.
     

    Hutschi

    Senior Member
    Es gibt noch einen kleinen Unterschied, den ich sehe:

    Ich komme morgen ... (neutral)
    Ich werde da sein ... (Stärkerer Nachdruck, ich komme wirklich. Mit Zeitangabe ist es allerdings etwas mehrdeutig. Es kann eine Verstärkung sein oder eine Abschwächung.
    Ich werde morgen um 14 Uhr da sein. Manche verstehen es als Versicherung, dass man wirklich um diese Zeit da ist, andere eher als Abschwächung.
    Das hängt teilweise vom Kontext ab.

    Ich bin morgen um 15 Uhr da. (Eine Art Versicherung: Ich werde wirklich morgen um 14 Uhr da sein.)

    Die Schwierigkeiten umgeht man mit "Ich komme morgen um ..."

    Ist die Verwendung von "Ich werde morgen um 14 Uhr kommen" regional unterschiedlich? Ich habe das Gefühl, dass es so ist, bin aber nicht sicher.

    Ich verstehe es so: "Ich habe vor, morgen um 14 Uhr zu kommen und werde wahrscheinlich auch kommen."

    Unterschied: kommen vs. da sein: Kommen bezeichnet ungefähr die Ankunft, da sein bezeichnet die Anwesenheit. (Man kann also auch von 10 bis 16 Uhr da sein, wenn man sagt: Ich werde morgen um 14 Uhr da sein/im Vereinshaus sein.)

    ---
    Ergänzung:

    Ich werde am 15.02.2018 um 9.00 Uhr da sein. (neutral)
    Ich werde da sein am 15.02.2018 um 9.00 Uhr. (Zeit wird hervorgehoben)

    Zum Verb: In all diesen Sätzen ist das gebeugte Verb an zweiter Stelle. Wenn ein Infinitiv vorkommt, ist er oft am Ende - aber man kann in den meisten Fällen wichtige Teile ins Nachfeld stellen (außerhalb der "Verbklammer"), bei Nebensätzen wird das in der Gegenwartssprache meist gemacht, bei wichtigen Daten wie Ort und Zeit sehr oft.
     
    Last edited:

    truffe2miel

    Senior Member
    91
    French (France)
    Danke für diese Erläuterungen!

    Gernot : für Vermutungen hätte ich den Satz anders formuliert "ich wäre dann hier" (Stadplan : ich bin mir nicht sicher, wo ich wirklich bin). Oder "ich würde am 15.02. um 15h da sein" (womit ich klar ausdrücke, dass mein Kommen noch unsicher ist). Ich wusste nicht, dass man Futur 1 auch in diesem Sinne anwenden kann?

    Ich verstehe aber gut, wie Präsenz + Zeitadverb als eine Art Bestimmung oder Sicherheit eingesetzt werden können. Danke :)
     

    elroy

    Imperfect Mod
    US English/Palestinian Arabic bilingual
    1. Ich bin da.
    Satz 1 bezieht sich klar auf die Gegenwart und kann nicht in Bezug auf die Zukunft interpretiert werden.
    In English, you can say:

    -Do you want to come over tomorrow to watch the game?
    -I'm there!


    Can "ich bin da!" be used this way?
     

    Schlabberlatz

    Senior Member
    German - Germany
    Danke für diese Erläuterungen!

    Gernot : für Vermutungen hätte ich den Satz anders formuliert "ich wäre dann hier" (Stadplan : ich bin mir nicht sicher, wo ich wirklich bin). Oder "ich würde am 15.02. um 15h da sein" (womit ich klar ausdrücke, dass mein Kommen noch unsicher ist). Ich wusste nicht, dass man Futur 1 auch in diesem Sinne anwenden kann?

    Ich verstehe aber gut, wie Präsenz + Zeitadverb als eine Art Bestimmung oder Sicherheit eingesetzt werden können. Danke :)
    Was die Annahmen angeht, ist es so ähnlich wie in deiner Muttersprache. Beispiel:
    Notre amie n’est pas venue: elle aura encore sa migraine sie wird wohl wieder … haben.
    Aus: Klein-Strohmeyer: Französische Sprachlehre
    Canoo: Futur I des vermuteten Gegenwärtigen
     

    truffe2miel

    Senior Member
    91
    French (France)
    Danke Schlabberlatz.
    Auf Französisch ist der Einsatz der Zukunft für Annahmen eher in der Literatur eingewendet. In der Alltagssprache würde man eher sagen „elle ne viendra pas, elle doit encore avoir la migraine“ => « sie muss wohl wieder Kopfschmerzen haben ».
    Vielleicht ist es auf Deutsch auch so, was erklären würde, dass ich diese Wendung nicht so oft gehört habe?
     

    berndf

    Moderator
    German (Germany)
    Vielleicht ist es auf Deutsch auch so, was erklären würde, dass ich diese Wendung nicht so oft gehört habe?
    Sie kommt nicht, sie wird wohl noch Migränre haben und Sie kommt nicht, sie hat wohl noch Migränre sind beides umgangssprachliche Ausdrucksformen.
     

    Schlabberlatz

    Senior Member
    German - Germany
    elle doit encore avoir la migraine
    Ja, auf Deutsch könnte man sehr gut sagen: „… sie hat bestimmt wieder Migräne“. Aber die Form mit Futur I ist auch ganz normal, wie Berndf schon gesagt hat; man findet das nicht nur in Büchern. Wie ist es mit ‹ encore › = „wieder“? Ganz normal oder eher « littéraire »? (« Encore exprime la réitération actuelle d'un procès (c'est-à-dire ayant lieu au moment envisagé par l'énoncé verbal) qui a déjà eu lieu à de précédentes fois » ENCORE : Définition de ENCORE )
     
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