...den hab ich noch einstecken gehabt.

ablativ

Senior Member
German(y)
Hi,

Uwe Steimle, der bekannte Schauspieler und Kabarettist aus Dresden, erklärte während eines Interviews auf einen Quirl angesprochen, der vor ihm auf dem Tisch lag, "den hab ich noch einstecken gehabt". Er meinte damit, er habe ihn in seine Jackentasche gesteckt und jetzt herausgeholt.

Ist diese grammatische Konstruktion für den sächsischen Sprachbereich gebräuchlich, und könnte man sich so auch im korrekten Standarddeutsch ausdrücken?
 
  • Frank78

    Senior Member
    German
    Etwas einstecken haben=Etwas dabei/am Mann haben

    Meistens sind damit Jacken- oder Hosentaschen gemeint. Es ist so gebräuchlich, dass ich mich wundere, wenn es andere nicht verstehen. :D
     

    ablativ

    Senior Member
    German(y)
    Vielen Dank für Deine Antwort. Natürlich habe ich es verstanden, ich habe den Vorgang ja sogar erklärt. Nur finde ich die Ausdrucksweise einigermaßen ungewöhnlich; bei uns in NRW würde man es so nicht formulieren.
     

    Gernot Back

    Senior Member
    German - Germany
    Bei uns würde man sagen (auch standardsprachlich), "den habe ich noch eingesteckt gehabt".
    Das klingt mir aber schwer nach Ultra-Perfekt und ich kann mir kaum vorstellen, dass man das noch als Standardsprache bezeichnen kann.

    Ich sähe auch einen Bedeutungsunterschied zwischen "Ich habe es einstecken gehabt" und "Ich habe es eingesteckt gehabt".

    Ersteres fokussiert das Resultat des Einsteckens und bedeutet lediglich: "Ich hatte es dabei". Letzteres fokussiert den Vorgang des Einsteckens. Das ist ein ähnlicher Unterschied also wie zwischen Handlungs- und Zustandspassiv.
     

    ablativ

    Senior Member
    German(y)
    Ich sähe auch einen Bedeutungsunterschied zwischen "Ich habe es einstecken gehabt" und "Ich habe es eingesteckt gehabt".

    Ersteres fokussiert das Resultat des Einsteckens und bedeutet lediglich: "Ich hatte es dabei".
    Was ich vor allem nicht verstehe, ist der Gebrauch des Infinitivs "einstecken" (für "in der Tasche"). Ist dies ein Infinitiv à la "ich höre ihn singen", also eine Art Ersatzinfinitiv?
     

    Gernot Back

    Senior Member
    German - Germany
    Ist dies ein Infinitiv à la "ich höre ihn singen", also eine Art Ersatzinfinitiv?
    Daran habe ich auch schon gedacht. Wenn es sich hier um eine Art Accusativus cum Infinitivo handelt, dann wäre ja bei dem von dir genannten Kontext ein "Quirl" das Subjekt von "einstecken" und dieses als intransitives Verb zu betrachten: Der Quirl steckte in meiner Jackentasche (ein).

    In der Tat klingt diese Ausdrucksweise für mich auch so, als wolle derjenige, der da etwas "einstecken hat" die pure Zufälligkeit und Absichtslosigkeit herausstreichen, so als wolle er damit sagen: Ich weiß gar nicht mehr, wie der in meine Jackentasche gekommen ist!

    Wie schnell kann man auch als vollkommen Unbeteiligter ein Verfahren wegen Diebstahls an der Backe (kleben) haben, wenn man im Kaufhaus plötzlich irgendetwas einstecken hat ...
     

    Hutschi

    Senior Member
    :tick:

    Auch in Dresden, würde ich sagen.:)
    Ich denke, in Dresden gibt es auch die Form "einstecken gehabt."

    Es gibt auch die Präsensformen

    Den habe ich einstecken.

    Es ist ein gewisser Unterschied in der Bedeutung.

    Ich kann auch den Computer (in meiner Tasche) einstecken haben. = dabei haben.

    Etwas eingesteckt haben bedeutet dagegen meist, etwas hineingetan haben, um es mitzunehmen. Faktisch bedeutet es dann ebenfalls, dass ich es dabei habe. Deshalb denke ich, dass man hier zum Uminterpretieren neigen kann.

    ---
    Ps: Der "Ultraperfekt" ist relativ weit verbreitet. Ich habe nie verstanden, dass er falsch sein soll.

    "Den hab ich noch einstecken gehabt" - dies gehört aber nicht dazu.
     
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