einem Beruf nachgehen

  • Sidjanga

    Senior Member
    German;southern tendencies
    Der Ausdruck ist einem Beruf oder (eher) einer Beschäftigung nachgehen (also mit Dativ).

    Man kann einen Plan oder ein Vorhaben verfolgen, bei einem Beruf/einer Beschäftigung passt verfolgen meines Erachtes aber nicht.

    Ansonsten kann man natürlich einen Beruf ausüben sagen.
     

    Savra

    Senior Member
    Deutsch
    Nein, das ist nicht austauschbar. Verfolgen kann man Ziele, Entwicklungen und natürlich Diebe, aber bei Berufen ist nicht klar, was gemeint ist.
     

    Cub Pilot

    Senior Member
    Den Ausdruck einem Beruf nachgehen kenne ich eigentlich nur in der Frage oder in der Verneinung, also:
    Geht er einem Beruf nach? oder Er geht keinem Beruf nach.

    Schon wenn man sagt:Er geht dem Beruf eines Kaufmanns nach
    klingt dies für meine Ohren etwas merkwürdig-ist aber prinzipiell möglich.
    Besser ist dann:Er übt den Beruf eines Kaufmanns aus
    oder: Er ist Kaufmann

    noch etwas zu 'verfolgen':'er verfolgt den Beruf eines Kaufmanns' ist zwar verständlich und wird wohl auch ab und zu in der
    Umgangssprache benutzt, ist aber-genauso wie-'er geht dem Beruf eines Kaufmanns nach' kein gutes Deutsch. Man sollte eher sagen:Er ist Kaufmann, er ist Ingenieur, er ist Künstler etc.
    Hoffe dir damit weiter geholfen zu haben.
     
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    sokol

    Senior Member
    Austrian (as opposed to Australian)
    "Einer Beschäftigung nachgehen" ist üblich und völlig normal, "einem Beruf nachgehen" empfinde ich dagegen eher als grenzwertig - wohlgemerkt, idiomatisch gesehen; grammatikalisch fände ich nichts zu bekritteln.

    Ich finde aber, dass die Bedeutung von "einem Beruf nachgehen" dennoch eigentlich eindeutig sein sollte - nämlich, synonym mit "einer Beschäftigung nachgehen".
    Die Bedeutung "einem Beruf nachgehen = das Ziel verfolgen, einen Beruf zu erlernen" halte ich für relativ weit hergeholt - dennoch theoretisch wohl möglich (etwa in einem Wortspiel, beispielsweise in einem Kabarett-Programm). "Einen Beruf verfolgen" halte dich dagegen für "nahezu unmöglich" :) - etwa: "er verfolgt den Beruf eines Kaufmanns": jeder Muttersprachler würde darunter wohl verstehen, dass er den Beruf eines Kaufmanns ausübt, aber für korrektes und gutes Deutsch halte ich das nicht - ich habe das in meinem Umfeld auch noch nie so gehört (auch nicht in Dialekt oder Umgangssprache).
     

    sokol

    Senior Member
    Austrian (as opposed to Australian)
    Viele, viele Beispiele für "[einem] Beruf nachgehen". :)
    Ich muss zugeben, ich bin sehr überrascht. :D

    Obwohl Google natürlich nicht wirklich eine sprachliche Instanz ist, das Thema haben wir ja schon öfters gehabt :) - die Verteilung (6.090x CH, 1.020x DE, 292x AT) legt nahe, dass "einem Beruf nachgehen" eher alemannisch-schwäbisch bzw. süd-westlich ist. Mir (als Österreicher, und in Österreich mit nördlich/östlicher Prägung) kommt das sehr fremd vor.
     

    Sowka

    Forera und Moderatorin
    German, Northern Germany
    Hallo allerseits :)

    Ich würde auch nicht sagen "einem Beruf nachgehen".

    "Einer Tätigkeit nachgehen", "eine Tätigkeit ausüben": ja.
    "Einen Beruf ausüben": ja.

    Wobei ich gerade gedacht habe, dass genau dies ja auf viele Menschen ohnehin nicht mehr zutrifft: Man hat einen Beruf erlernt und übt ihn dann sein Berufsleben lang aus.. Meistens hat man doch eher unklar abgegrenzte Mischtätigkeiten :D, die sich im Laufe des Lebens wandeln. So jedenfalls ist meine Erfahrung in meinem Umfeld.
     
    Last edited:

    Sidjanga

    Senior Member
    German;southern tendencies
    (...) Obwohl Google natürlich nicht wirklich eine sprachliche Instanz ist, (...)
    Ich wollte damit eigentlich vor allem ausdrücken, dass seehr viele Leute (und es sind ja durchaus auch einige "seriöse" Quellen darunter) "einem Beruf nachgehen" nicht nur akzeptabel finden, sondern tatsächlich aktiv verwenden. :)

    Und auch wenn ich den Ausdruck selbst wahrscheinlich noch nicht verwendet habe (was aber wohl in erster Linie daran liegt, dass ich im Allgemeinen keine Texte über das Berufsleben schreibe :)), stört er mich keineswegs.
    Ich finde, es kann in manchen Situationen sogar besser passen, "einem Beruf nachgehen" zu sagen, nämlich dann, wenn man zum reinen "Ausüben" noch einen gewissen Entwicklungsaspekt hinzufügen möchte - also dass man sich bei der Ausübung des Berufes auch gleichzeitig beruflich weiterentwickelt und bestimmte berufliche Etappenziele verfolgt und erreicht.
    Für mich klingt das jedenfalls danach - und keineswegs schlecht.

    In anderen Fällen würde ich allerdings auch "einen Beruf ausüben" vorziehen.
     
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    ABBA Stanza

    Senior Member
    English (UK)
    Ich wollte damit eigentlich vor allem ausdrücken, dass seeehr viele Leute (und es sind ja durchaus auch ein paar "seriöse" Quellen darunter) "einem Beruf nachgehen" nicht nur akzeptabel finden, sondern tatsächlich aktiv verwenden. :)
    Nicht nur viele Leute im Internet, Sigianga, sondern auch seriöse Deutsch-Wörterbücher! ;)

    Ich habe nämlich sowohl in den Duden (6. Auflage) als auch ins Wahrig (8. Auflage) unter "Beruf" nachgeschaut, und siehe da, "seinem Beruf nachgehen" wird als Beispiel in beiden Wörterbüchern verwendet!

    Darüberhinaus definiert Wahrig "nachgehen" in diesem Kontext als "sich einer Sache widmen", und man kann sich sicherlich einem Beruf widmen, oder?

    Schönen Abend noch!
    Abba
     

    Sowka

    Forera und Moderatorin
    German, Northern Germany
    Interessant, ABBA :) Manchmal hängt man vielleicht zu sehr in seinen wohlerprobten Formulierungsmustern fest..

    Schönen Abend :)
     

    sokol

    Senior Member
    Austrian (as opposed to Australian)
    Ich habe nämlich sowohl in den Duden (6. Auflage) als auch ins Wahrig (8. Auflage) unter "Beruf" nachgeschaut, und siehe da, "seinem Beruf nachgehen" wird als Beispiel in beiden Wörterbüchern verwendet!
    In der Tat interessant. :)

    Denn ich, der ich "einem Beruf nachgehen" als "ungewöhnlich" empfinde, finde, dass "seinem Beruf nachgehen" zweifellos idiomatisch ist (wenn auch nicht unbedingt meine erste Wahl, aber dennoch). (Und seltsamerweise sagt da Google bei do:at 1.230x, do:ch 919x, do:de nur 184x: wiederum - fragwürdige Aussagekraft, dennoch scheint das "Missverhältnis" AT:DE doch deutlich zu sein.)

    Ich kann's nicht logisch begründen, aber "seinem" ist für mich in diesem Zusammenhang eine gute Kollokation, "einem" dagegen nicht. Offenbar wird das aber von vielen anders empfunden, wie eure Feststellungen dazu belegen. :)
     
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