Er soll glauben, dass sie alles schafft

gvergara

Senior Member
Castellano (variedad chilensis)
Hallo,

Wie würde sich die Bedeutung des Satzes ändern, wenn man das Verb müssen verwenden würde statt sollen? Zusammenhang: Britta erzählt Richard, ihrem Mann, dass sie Guido Hatz bei Die Brücke kennegelernt hat. Die Brücke ist Brittas Praxis, wo sie arbeitet, und Guido sagt zu ihr, dass er viel Geld in Swappie, Richards Start-up, investieren wird. Aus diesem Grund, sagt er zu ihr, sollte sie eine Auszeit nehmen, damit sich ihr Mann auf ihr gemeinsames neues Business konzentrieren kann. Das has sie tief beleidigt, da sie immer eine unabhängige Frau gewesen ist.

"Warte doch mal, Liebes. Du hast so viel in den letzten Jahren gearbeitet, die Familie ernährt, die Hausfinanzierung gestemmt. Warum solltest du nicht auch mal kürzertreten? Wäre doch nur gerecht."
"Sag mal, kapierst du es micht?" Britta klingt aggresiver als beabsichtigt. "Wie viel ich arbeite, hat mit dir un Swappie überhaupt nichts zu tun." Sie schaut ihn prüfend an. "Oder glaubst du auch, dass ich Burnout habe?"
Sein Zögern verletzt sie. Er soll glauben, dass sie alles schafft. Immer. Dafür ist er da.

Aus "Leere Herzen" von Juli Zeh

Danke im Voraus,

Gonzalo
 
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  • Schlabberlatz

    Senior Member
    German - Germany
    Wie würde sich die Bedeutung des Satzes ändern, wenn man das Verb müssen verwenden würde statt sollen?
    Hm, wozu willst du das wissen? Der Satz ist in Ordnung, warum sollte man ihn ändern?

    Mit ›müssen‹ wird der Satz zweideutig. Es kann bedeuten, dass es offensichtlich der Fall ist, dass er es glaubt, aber das passt hier nicht. Die zweite Möglichkeit: Britta sieht Richard als verpflichtet an, es zu glauben. Aber das passt auch nicht so ganz; schließlich bringt es nichts, wenn man versucht, jemanden zu zwingen, etwas zu glauben. Vielleicht würde es mit Dativobjekt ein bisschen besser funktionieren:
    Er muss ihr glauben, dass …
    Das bedeutet, dass sie ihn als verpflichtet ansieht, ihren Aussagen bezüglich ihrer Leistungsfähigkeit Glauben zu schenken. In diesem Fall müsste sie also zu ihm gesagt haben, für wie leistungsfähig sie sich ansieht.
     

    gvergara

    Senior Member
    Castellano (variedad chilensis)
    Hm, wozu willst du das wissen? Der Satz ist in Ordnung, warum sollte man ihn ändern?
    Dass der Sarz in Ordnung ist, wie er ist, streite ich nicht ab. Mein Problem ist, dass ich eigentlich nicht verstehe, warum sollen in Ordnung ist. Die Nuance, die sollen ausdrückt, kapiere ich nicht.
     

    JClaudeK

    Senior Member
    Français France, Deutsch (SW-Dtl.)
    Die Nuance, die sollen ausdrückt, kapiere ich nicht.
    Mit "sollen" drückt man (u.A.) den Willen einer Person aus, die von einer anderen etwas verlangt/ erwartet.
    Er soll glauben, dass sie alles schafft.
    = sie will, dass er glaubt, dass sie alles schafft.


    Unterscheidung zwischen sollen und müssen
    Das Modalverb müssen drückt ganz allgemein Notwendigkeit aus, während sollen eine sich aus einer Aufforderung an das Subjekt ergebende Notwendigkeit ausdrückt.

    Beispiele
    Paul soll morgen Überstunden machen.a. weil das sein Chef von ihm verlangt hat.
    Notwendigkeit (Aufforderung)​
    Paul muss morgen Überstunden machen.b. weil er sein Projekt abschließen will.
    Notwendigkeit​
    c. weil er Geld braucht.
    Notwendigkeit​
    d. weil er heute krank war.
    Notwendigkeit​
    Das Modalverb sollen - sollen -
     
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