Es hört sich so an, als habe sie den Satz beim Ablesen....

Platinum1973

Member
USA
Spanish - Spain
Moderatornotiz: Vom zitierten Thread abgespalten.

Genau. Es hört sich so an als habe sie den Satz beim Ablesen vom Teleprompter falsch interpretiert und sich dann während des Lesens korrigiert, aber da war es schon zu spät.

Vielen Dank, berndf!

Dein Beitrag bietet mir auch eine Gelegenheit, mein Deutsch zu verbessern.

Du hast geschrieben, "Es hört sich so an, als habe sie den Satz beim Ablesen....".
Ich frage mich, warum du in diesem Fall den Konjuntiv I angewendet hast. Das hätte ich spontan so gesagt: "Es hört sich so an, als hätte sie den Satz beim Ablesen...". Kann man beides sagen? Wenn ja, welche Form wird am häufigsten benutzt?

Ich bedanke mich im Vorauss :)
 
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  • berndf

    Moderator
    German (Germany)
    Konjunktiv II würde an dieser Stelle bedeuten, dass ich davon ausgehe, dass es in Wirklichkeit nicht so ist und es nur so aussieht.

    Ich wollte aber aussagen, dass es so aussieht und wahrscheinlich auch so oder so ähnlich war. Daher habe ich Konjunktiv I gebraucht.
     

    Frieder

    Senior Member
    Kann man beides sagen? Wenn ja, welche Form wird am häufigsten benutzt?

    In gesprochenem Deutsch wirst du fast nur Indikativ (... als ob sie den Satz ... hat.) oder Konjuktiv II (... als hätte sie den Satz ...) hören.
    Beim Schreiben sollte aber jeder etwas genauer nachdenken und dann die richtige Form wählen; in diesem Fall Konjunktiv I ;).
     

    Platinum1973

    Member
    USA
    Spanish - Spain
    Konjunktiv II würde an dieser Stelle bedeuten, dass ich davon ausgehe, dass es in Wirklichkeit nicht so ist und es nur so aussieht.
    Ich wollte aber aussagen, dass es so aussieht und wahrscheinlich auch so oder so ähnlich war. Daher habe ich Konjunktiv I gebraucht.
    In gesprochenem Deutsch wirst du fast nur Indikativ (... als ob sie den Satz ... hat.) oder Konjuktiv II (... als hätte sie den Satz ...) hören.
    Beim Schreiben sollte aber jeder etwas genauer nachdenken und dann die richtige Form wählen; in diesem Fall Konjunktiv I ;).
    Vielen Dank für eure Erklärungen, berndf und Frieder!!
     

    Hutschi

    Senior Member
    "Es hört sich so an, als habe sie den Satz beim Ablesen....".
    Bei "Es hört sich so an, als habe sie ..." ist ebenfalls ein Zweifel enthalten.
    Es bedeutet eigentlich: Der Klang ähnelte dem, der entsteht, wenn sie das gemacht hätte. - Ich vermute, sie hat das tatsächlich gemacht.
    Der Unterschied zu Konjunktiv 2 erscheint mir deshalb eher gering.

    In anderen Fälle ist er aber vorhanden.

    Im Satz: Es hätte so geklungen, wenn er das tatsächlich gemacht hätte. Hier bedeutet es, dass er das nicht gemacht hat und Konjunktiv II ist zwingend.

    ---

    PS: Bei der Nutzung des Konjunktivs gibt es auch regionale Unterschiede.
     

    JClaudeK

    Senior Member
    Français France, Deutsch (SW-Dtl.)
    In gesprochenem Deutsch wirst du fast nur Indikativ (... als ob sie den Satz ... hat.) oder Konjuktiv II (... als hätte sie den Satz ...) hören.
    Hier handelt es sich aber um einen Satz ohne "ob":
    Es hört sich so an, als habe sie den Satz beim Ablesen vom Teleprompter falsch interpretiert.
    In diesem Fall kann man auch im Mündlichen nicht den Indikativ verwenden (aber im Mündlichen würde ja sowieso kaum jemand "ob" auslassen).
    Hauptsatz: als
    Eine Variante eines Nebensatzes mit als ob, als wenn oder wie wenn ist ein Hauptsatz mit als. Der Hauptsatz mit als steht immer als zweiter Hauptsatz. Der Gebrauch des Konjunktivs ist hier obligatorisch.
    Beispiel:
    Er sieht heute so schlecht aus, als hätte er die ganze Nacht nicht geschlafen.
    Modale Satzverbindung (V): als ob, als wenn, wie wenn, als
     

    Platinum1973

    Member
    USA
    Spanish - Spain
    Bei "Es hört sich so an, als habe sie ..." ist ebenfalls ein Zweifel enthalten.
    Es bedeutet eigentlich: Der Klang ähnelte dem, der entsteht, wenn sie das gemacht hätte. - Ich vermute, sie hat das tatsächlich gemacht.
    Der Unterschied zu Konjunktiv 2 erscheint mir deshalb eher gering.

    In anderen Fälle ist er aber vorhanden.

    Im Satz: Es hätte so geklungen, wenn er das tatsächlich gemacht hätte. Hier bedeutet es, dass er das nicht gemacht hat und Konjunktiv II ist zwingend.

    ---

    PS: Bei der Nutzung des Konjunktivs gibt es auch regionale Unterschiede.
    Hier handelt es sich aber um einen Satz ohne "ob":

    In diesem Fall kann man auch im Mündlichen nicht den Indikativ verwenden (aber im Mündlichen würde ja sowieso kaum jemand "ob" auslassen).

    Vielen Dank, Hutschi und JClaudeK!!

    Fazit: :confused:

    Konjuntiv II: Obligatorisch

    "Er spricht so, als wäre er kein gebürtiger Deutscher"
    "Er sieht heute so schlecht aus, als hätte er die ganze Nacht nicht geschlafen"
    "Es hört sich so an, als hätte sie den Satz beim Ablesen falsch interpretiert"


    Konjuntiv I / Konjuntiv II: Optional

    "Er spricht so, als ob er kein gebürtiger Deutscher sei / wäre"
    "Er sieht heute so schlecht aus, als ob er die ganze Nacht nicht geschlafen habe / hätte"
    "Es hört sich so an, als ob sie den Satz beim Ablesen falsch interpretiert habe / hätte"

    Ist das richtig?

    Danke Schön :)
     

    berndf

    Moderator
    German (Germany)
    Konjuntiv II: Obligatorisch
    Ich verstehe dich nicht. Warum willst du schon wieder überall den Konjunktiv II statt des Konjunktiv I verwenden? Noch mal, Konjunktiv II ist nur dann anzuwenden, wenn du die Irralität oder zumindest Fragwürdigkeit der Aussage ausdrücken willst (es gibt noch ein paar Ausnahmen, aber die sind hier nicht anwendbar).
     

    Hutschi

    Senior Member
    Ich sehe einen Unterschied zwischen "sie hat" und "Es hört sich so an als habe sie ..."


    "Es hört sich so an" beinhaltet die begründete Vermutung, dass es so ist. Eine Vermutung ist aber keinesfalls sicher. Sie enthält einen Zweifel.
     

    Hutschi

    Senior Member
    Es hört sich so an, als hat sie...
    Ich hätte das auch nicht gesagt und habe es nicht gesagt. Wahrscheinlich habe ich zu viel weggelassen.
    Es passt nicht zusammen. Das eine ist Tatsache, das andere begründete Vermutung.

    Sie hat den Satz falsch interpretiert. Tatsache.
    Es hört sich so an, als habe sie den Satz falsch interpretiert. Begründete Vermutung. Es kann falsch sein.
     

    berndf

    Moderator
    German (Germany)
    Entschuldigung, deine Argumentation macht keinem Sinn. Entweder gibt es drei Möglichkeiten (Indikativ vs. KI vs. KII), dann wäre die Behauptung
    Der Unterschied zu Konjunktiv 2 erscheint mir deshalb eher gering.
    diskutabel oder es gibt nur zwei (KI vs. KII), dann ist sie es nicht, weil der ganze Unterschied zwischen Zweifel und nicht Zweifel in dieser Unterscheidung steckt.
     
    Last edited:

    JClaudeK

    Senior Member
    Français France, Deutsch (SW-Dtl.)
    Ist das richtig?
    Ja. :thumbsup:

    "Es hört sich so an" beinhaltet die begründete Vermutung, dass es so ist. Eine Vermutung ist aber keinesfalls sicher. Sie enthält einen Zweifel.
    :thumbsup:

    Eine Vermutung bleibt eine Hypothese, und eine solche wird normalerweise durch den Konjunktiv II ausgedrückt, vgl.:
    Irreale Vergleichssätze drücken einen Vergleich aus, der möglich aber nicht wirklich ist. Einleitewörter sind: als wenn, wie wenn, als (ob)

    Das Verb steht im Konjunktiv II (auch mit würde):
    Sie stürzen sich aufs Büfett, als gäbe es nie wieder etwas zu essen.Sie stürzen sich aufs Büfett, als würde es nie wieder etwas zu essen geben.

    Seltener steht ohne Bedeutungsunterschied auch der Konjunktiv I:
    Er sieht aus, als ob er die ganze Nacht nicht geschlafen habe.Sie stürzen sich aufs Büfett, als gebe es nie wieder etwas zu essen.

    Sehr selten (nicht bei als mit Verb an erster Stelle) kommt – vor allem in der gesprochenen Sprache – auch der Indikativ* vor
    LEOs deutsche Grammatik: 1.3.2.4.2.5 Der irreale Vergleichssatz (Der irreale Komparativsatz)
    *(Nebenbei gesagt: Wenn ich nach "als ob" den Indikativ höre, überläuft mich ein Schauer.)

    Und
    Irreale Vergleichssätze drücken einen Vergleich aus, der nicht real ist. Der Hauptsatz äußert eine reale Feststellung und steht daher im Indikativ. Der Nebensatz gibt den irrealen Vergleich an und steht im Konjunktiv II.
    Irreale Vergleichssätze - mein-deutschbuch.de
     

    JClaudeK

    Senior Member
    Français France, Deutsch (SW-Dtl.)
    Noch mal, Konjunktiv II ist nur dann anzuwenden, wenn du die Irralität oder zumindest Fragwürdigkeit der Aussage ausdrücken willst
    Damit bin ich nicht einverstanden. Siehe die Grammatikregeln #14
    +
    Duden
    Konjunktiv I und II unterscheiden sich nicht zeitlich, sie haben unterschiedliche Funktionen. Der Konjunktiv I wird vornehmlich zur Kennzeichnung der indirekten Rede gebraucht, der Konjunktiv II vor allem als Ausdruck des nur Vorgestellten, des Möglichen und des Irrealen


    Bei "Es hört sich so an, als habe sie ..." ist ebenfalls ein Zweifel enthalten.
    Ganz sicher nicht.
    Selbstverstandlich drückt "Es hört sich so an, als ..." nur eine Hypothese aus, eine Vermutung deinerseits.
     
    Last edited:

    berndf

    Moderator
    German (Germany)
    Ja, KII markiert eine Aussage als hypothetisch. Das ist aber hier explizit nicht der Fall. Es sieht ja tatsächlich so aus, als habe sie falsch abgelesen.

    Formallogisch ausgedrückt: Ich mache eine Aussage, die eine Behauptung darüber aufstellt, wie es aussieht und nicht über den Teleprompter.
    Analog in indirekter Rede: In dem Satz "Er sagte, sie sei zu spät gekommen" stelle ich eine Behauptung darüber auf, was er gesagt hat; ich stelle aber keine Behauptung über ihr zu spät Kommen. Anders ausgedrückt: KI markiert eine Aussage als Gegenstand einer Behauptung und nicht als etwas selbst behauptetes. Das ist auch der Grund, warum bei dass- oder ob-Nebensätzen der KI fakultativ wird: Die Markierung ist bereits durch die Einleitung erfolgt und muss nicht (kann aber) wiederholt werden.
     
    Last edited:

    berndf

    Moderator
    German (Germany)
    Das ist und bleibt (D)eine Vermutung, auch wenn Du wahrscheinlich recht hast.
    Wie es aussieht ist eine Tatsache und keine Vermutung und die Satzaussage ist einzig über das Aussehen. Natürlich weise ich indirekt auf eine Vermutung hin. Logisch und semantisch bezieht sich die Aussage aber ausschließlich auf das Aussehen. Und das wird durch den KI ausgedrückt.

    Ganz allgemein hat der KI zwei mögliche Bedeutungen: Er kann entweder eine Aussage als nicht-behauptet markieren oder er kann einen Wunsch oder eine Aufforderung ausdrücken.

    EDIT: Schreibfehler korrigiert, siehe zwei Beiträge weiter unten.
     
    Last edited:

    Hutschi

    Senior Member
    Analog in indirekter Rede: In dem Satz "Er sagte, sie sei zu spät gekommen" stelle ich eine Behauptung darüber auf, was er gesagt hat; ich stelle aber keine Behauptung über ihr zu spät Kommen.
    Das stimmt.


    In "Es hört sich so an, als habe sie ..." gibt es zwei Behauptungen:

    1. "Es hörte sich so an" ... das kann man als Tatsache betrachten.
    2. "Als habe sie ..." das deutet darauf hin, dass es sich um eine Vermutung handelt, die durch Beobachtung teilweise abgesichert ist.

    Wenn ich hier "als hätte sie ..." einsetze, ändert sich nicht sehr viel.

    In sehr weiter Vereinfachung könnte man es als eine der indirekten Rede analoge Form betrachten. Es ist zwar keine Rede aber die Beschreibung von Geräuschen.

    Ganz allgemein hat der KI zwei mögliche Bedeutungen: Er kann entweder eine Aussage aus nicht-behauptet markieren oder er kann einen Wunsch oder eine Aufforderung ausdrücken.

    Das verstehe ich nicht. Kannst Du es bitte erklären?
    Ein Wunsch ist es hier nicht. Eine Aufforderung auch nicht. Was aber bedeutet "aus nichtbehauptet"? Aus der Menge der nicht behaupteten Aussagen?
    Oder Tippfehler: "als nicht behauptet"? Dann verstehe ich es auch nicht.


    Es hört sich so an als habe sie den Satz beim Ablesen vom Teleprompter falsch interpretiert = Ich vermute, dass sie den Satz falsch interpretiert hat, denn es hörte sich so an. Es kann aber auch anders sein und sie hat ihn richtig interpretiert.


    Vergleiche: Es hört sich so an, als ob es regne, aber es ist computergeneriertes Rauschen.
     

    Hutschi

    Senior Member
    Danke. Trotzdem verstehe ich es nicht.

    Eine Aussage als "nicht-behauptet" markieren.
    Heißt das, dass die Aussage nicht behauptet wurde?
    Oder wurde sie behauptet und dann als nicht behauptet markiert?

    In unserem Fall:

    "Es hört sich so an, als habe sie ..."

    "Als habe sie" ist eine Vermutung, es hat mit "behaupten" nichts zu tun.
    "Es hört sich so an, als habe sie ..." ist insgesamt eine Aussage, also eine Behauptung. Ich sehe keinen Sinn darin, sie als nichtbehauptet zu markieren.
    Das führt zu Paradoxien.

    ---
    Ich denke deshalb, dass ich es grundsätzlicher missverstehe. Was bedeutet:
    Eine Behauptung bzw. Aussage als nichtbehauptet zu markieren?
     

    JClaudeK

    Senior Member
    Français France, Deutsch (SW-Dtl.)
    Wie es aussieht ist eine Tatsache und keine Vermutung und die Satzaussage ist einzig über das Aussehen.
    Na und?
    Irreale Vergleichssätze drücken einen Vergleich aus, der nicht real ist. Der Hauptsatz äußert eine reale Feststellung und steht daher im Indikativ. Der Nebensatz gibt den irrealen Vergleich an und steht im Konjunktiv II.
    Irreale Vergleichssätze - mein-deutschbuch.de

    Du kannst es drehen und wenden, wie Du willst
    "es sieht so aus, als (ob)" = es erweckt den Eindruck, dass/ es lässt vermuten, dass .....

    das heißt, Du hast keine Gewissheit , dass sich die Dinge wirklich so abgespielt haben, wie Du vermutest.
    Du kannst nicht sagen "die Frau hat den Satz beim Ablesen vom Teleprompter falsch interpretiert", ganz einfach, weil Du nicht mit Bestimmtheit weißt, was wirklich passiert ist.

    Edit:
    Schließlich ist nicht auszuschließen, dass der Satz falsch auf dem Teleprompter stand. (nicht sehr wahrscheinlich aber möglich ........ )
     
    Last edited:

    berndf

    Moderator
    German (Germany)
    Weil das genau das ist, was der KI aussagt.
    Du kannst es drehen und wenden, wie Du willst
    "es sieht so aus, als (ob)" = es erweckt den Eindruck, dass/ es lässt vermuten, dass .....

    das heißt, dass Du keine Gewissheit hast, dass sich die Dinge wirklich so abgespielt haben, wie Du vermutest.
    Du kannst nicht sagen "die Frau hat den Satz beim Ablesen vom Teleprompter falsch interpretiert", ganz einfach, weil Du nicht mit Bestimmtheit weißt, was wirklich passiert ist
    Alles richtig, ist aber nicht der Grund, warum hier KI gebraucht wird. Und das war nun mal die Frage.

    EDIT: Aber abgesehen von der formallogischen und grammatiktheoretischen Fragestellung: Inhaltlich sind wir uns, glaube ich einig: Wenn ich das, wonach es aussieht, für plausibel und/oder wahrscheinlich halte, nehme ich KI. Wenn ich es für fragwürdig oder für falsch halte (ich also annehme, dass der Schein trügt), nehme ich KII. D'acc?
     
    Last edited:

    Platinum1973

    Member
    USA
    Spanish - Spain
    Berndf, Hutschi, JClaudeK:

    Da habe ich was schönes angerichtet...
    Diese Diskussion finde ich einfach faszinierend! Die deutsche Grammatik ist eine echte Herausforderung...
    Nochmals vielen Dank für den interessanten Gedankenaustausch!! :)
     

    Hutschi

    Senior Member
    Weil das genau das ist, was der KI aussagt.

    Alles richtig, ist aber nicht der Grund, warum hier KI gebraucht wird. Und das war nun mal die Frage.

    EDIT: Aber abgesehen von der formallogischen und grammatiktheoretischen Fragestellung: Inhaltlich sind wir uns, glaube ich einig: Wenn ich das, wonach es aussieht, für plausibel und/oder wahrscheinlich halte, nehme ich KI. Wenn ich es für fragwürdig oder für falsch halte (ich also annehme, dass der Schein trügt), nehme ich KII. D'acc?
    Das glaube ich Dir.
    Ich denke, im nördlichen Sprachgebrauch ist das üblich.

    In anderen Gegenden ist es nicht unbedingt so.

    Ich würde zum Beispiel auch Konjunktiv 1 für irreale Vergleichssätze nehmen, auch dann, wenn ich sie nicht unbedingt glaube.

    Duden, Richtiges und gutes Deutsch, 6. Auflage:
    Sie benahm sich, als ob sie betrunken sei. (häufiger: wäre.)
    Der von Dir benannte Unterschied wird hier nicht angegeben.
    Und ich empfinde ihn nicht. Ich weiß aber, dass es im Norden so verwendet wird, wie Du sagst.
    Und teilweise wird es so gelehrt.

    Der Duden gibt keinen Bedeutungsunterschied an, nur einen Häufigkeitsunterschied.
     

    JClaudeK

    Senior Member
    Français France, Deutsch (SW-Dtl.)
    Wenn ich das, wonach es aussieht, für plausibel und/oder wahrscheinlich halte, nehme ich KI. Wenn ich es für fragwürdig oder für falsch halte (ich also annehme, dass der Schein trügt), nehme ich KII. D'acc?
    Nein, nicht d'acc. ;) Das entspricht Deinem (subjektivem) Sprachgefühl, aber die meisten Grammatiken (und ich) sehen das anders:

    Der Duden gibt keinen Bedeutungsunterschied an
    :thumbsup:
    Weil es ihn nicht gibt.

    Idem (#14, LEO):
    Seltener steht ohne Bedeutungsunterschied auch der Konjunktiv I:
     

    berndf

    Moderator
    German (Germany)
    Nein, nicht d'acc. ;) Das entspricht Deinem (subjektivem) Sprachgefühl, aber die meisten Grammatiken (und ich) sehen das anders:


    :thumbsup:
    Weil es ihn nicht gibt.

    Idem (#14, LEO):
    Verstehe ich dich dann richtig, dass Du der Meinung bist, man könne in einem "irrealen Vergleichssatz" durch Wahl der Konjugationsform nicht zwischen
    1. einem Vergleicht, der einen vermuteten Zusammenhang beschreibt
    und
    2. einem Vergleich, der einen nur scheinbaren Zusammenhang beschreibt
    zu unterscheiden?

    Wir würdest Du den Satz dann modifizieren, um auszudrücken, dass
    1. sie wahrscheinlich tatsächlich des Satz zuerst falsch vom Teleprompter abgelesen hat
    und wie um auszudrücken, dass
    2. es zwar so aussieht. Der tatsächliche Grund aber wahrscheinlich ein anderer ist?
     

    JClaudeK

    Senior Member
    Français France, Deutsch (SW-Dtl.)
    Verstehe ich dich dann richtig, dass Du der Meinung bist, man könne in einem "irrealen Vergleichssatz" durch Wahl der Konjugationsform nicht zwischen
    1. einem Vergleicht, der einen vermuteten Zusammenhang beschreibt
    und
    2. einem Vergleich, der einen nur scheinbaren Zusammenhang beschreibt
    zu unterscheiden?
    Ja, Du verstehst mich richtig, laut der Regel:
    Nach "so...... , als ...." steht meistens Konjunktiv II, seltener steht ohne Bedeutungsunterschied auch der Konjunktiv I

    Wir würdest Du den Satz dann modifizieren, um auszudrücken, dass
    1. sie wahrscheinlich tatsächlich des Satz zuerst falsch vom Teleprompter abgelesen hat
    Das müsste man mMn. ausdrücklich hinzufügen, z.B. so:
    "Es hört sich wirklich so an, als hätte/(habe) sie den Satz beim Ablesen vom Teleprompter falsch interpretiert"
     
    Last edited:

    Hutschi

    Senior Member
    Hallo, Bernd,

    die eigentliche Diskussion gab es schon, als ich dem Wordreference-Forum beigetreten bin.

    Damals lernte ich, dass (vor Allem) im Norden (und damals wurde gesagt: standardsprachlich) dieser Unterschied gemacht wird. Ich kannte ihn bis dahin nicht.

    In unserem Fall: Beachte das Publikum. Innerhalb einer Sprachgruppe wird man es so verstehen. Außerhalb eher nicht.
    Für allgemeinen Gebrauch gebe ich Claude recht. Mache es eindeutig.

    Du kannst ja auch die Leute in Deiner jetzigen Umgebung mal fragen. Das ist sicher interessant.

    Ich suche noch nach alten Diskussionen hier.

    Ich beachte jetzt bei K1 vs. K2 die Herkunft, wenn möglich.

    indirekte Rede Hier eine ähnliche Diskussion bei indirekter Rede.

    Würde gemacht worden sein u.a. Rolle von Ersatzformen

    Name der Grammatikform indirekte Rede, Verwendung zur Distanzierung
     

    berndf

    Moderator
    German (Germany)
    Ich habe mir mal eine Metastudie rausgesucht, die die verschiedenen Publikationen zu dem Thema vergleicht und bewertet. Das Fazit ist, dass zwar immer mal wieder Autoren einen Bedeutungsunterschied erkennen wollen, es aber zu viele offensichtliche Gegenbeispiele gibt, um eine stabile semantische Unterscheidung postulieren zu können (hier, Abschnitt 2.3).

    Damals lernte ich, dass (vor Allem) im Norden (und damals wurde gesagt: standardsprachlich) dieser Unterschied gemacht wird. Ich kannte ihn bis dahin nicht.
    Eventuell spielt der Erziehungshintergrund auch eine Rolle. Mein Vater war Unversitätsprofessor und meine Mutter stammt aus einer Lehrerfamilie (mein Großvater war zuletzt Kreisschulrat). Und außerdem komme ich aus dem Norden. Da kommen vielleicht mehrere Faktoren zusammen.

    Auf jeden Fall habe ich hier mal wieder was neues gelernt. :)
     

    JClaudeK

    Senior Member
    Français France, Deutsch (SW-Dtl.)
    Ich habe mir mal eine Metastudie rausgesucht
    Sehr nützlich, danke.

    Hier das Fazit der Studie, falls der Link später einmal nicht mehr funktionieren sollte (das kommt ja vor).

    Screenshot_2021-02-18 1_BrunnerBeitratgeGermanistikNordistik_05-1986-1_5 pdf.png
     

    JClaudeK

    Senior Member
    Français France, Deutsch (SW-Dtl.)
    Fazit: :confused:
    Konjunktiv II: Obligatorisch
    "Er spricht so, als wäre er kein gebürtiger Deutscher"
    Nicht obligatorisch, aber empfehlenswert:
    Wie Du nachlesen kannst, hat die Diskussion ergeben, dass auch Konjunktiv I möglich (aber seltener!) ist, ohne Bedeutungsänderung.
     

    Schlabberlatz

    Senior Member
    German - Germany
    Ich suche noch nach alten Diskussionen hier.

    Ich beachte jetzt bei K1 vs. K2 die Herkunft, wenn möglich.

    indirekte Rede Hier eine ähnliche Diskussion bei indirekter Rede.

    Würde gemacht worden sein u.a. Rolle von Ersatzformen

    Name der Grammatikform indirekte Rede, Verwendung zur Distanzierung
    Hier noch ein Link:
    Als sei vs Als wäre

    Wir würdest Du den Satz dann modifizieren, um auszudrücken, dass
    1. sie wahrscheinlich tatsächlich des Satz zuerst falsch vom Teleprompter abgelesen hat
    Das müsste man mMn. ausdrücklich hinzufügen, z.B. so:
    "Es hört sich wirklich so an, als hätte/(habe) sie den Satz beim Ablesen vom Teleprompter falsch interpretiert"
    Weitere Möglichkeit:
    So wie es sich anhört, hat sie den Satz beim Ablesen vom Teleprompter falsch interpretiert.
    Quelle:
    als ob / als wenn vs as if / as though / like

    (Oder man formuliert es anders, ohne ›sich anhören‹:
    Anscheinend hat sie den Satz beim Ablesen vom Teleprompter falsch interpretiert.
    Es scheint, dass sie … hat
    .
    Sie scheint … falsch interpretiert zu haben.)
     
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