Fugen-s: Erbschaftssteuer / Erbschaftsteuer? Schadenersatz / Schadensersatz?

Hutschi

Senior Member
In der SZ (Sächsischen Zeitung) habe ich gelesen, dass "Erbschaftssteuer" (mit Fugen-s) umgangssprachlich sei, fachsprachlich richtig sei dagegen "Erbschaftsteuer" (ohne Fugen-s).

Welche der Regeln ist standardsprachlich, die mit oder die ohne Fugen-s?

Wie ist der Sachverhalt bei Schadenersatz vs. Schadensersatz? Gibt es hier auch so einen Unterschied? Oder ist der Unterschied regional bedingt?

Bedingt das Fugen-s in diesen Wörtern einen Bedeutungsunterschied?

Freundliche Grüße von Bernd
 
  • Kajjo

    Senior Member
    Hallo Hutschi!
    So ein Unfug! Die Formen Schadensersatz und Erbschaftssteuer (jeweils mit Fugen-s) sind völlig korrekt und standardsprachlich. Ganz im Gegenteil sogar: Das Fugen-s nach der Endsilbe -schaft tritt regelhaft auf, und ohne dieses Fugen-s sind solche Wörter wesentlich schlechter auszusprechen. Der aktuelle Duden-Eintrag lautet übrigens "Schadenersatz; BGB: Schadensersatz; ..." -- also genau das Gegenteil von dem, was die Leipziger Zeitung behauptet. Da sollte sich der betreffende Redakteur wohl lieber mit einem anderen Fachgebiet beschäftigen!

    Es mag sein, daß sich eine Steuerbehörde entschieden hat, die Fugen-s im Rahmen eines Fachjargons wegzulassen -- die Bürokratensprache ist ja gespickt mit solchen sprachlichen Fehlgriffen! Sollte dies so sein, dann wäre der Gegensatz zu Fachsprache eben die Standardsprache und keineswegs gleich abwertend die Umgangsprache.

    Korrekt: Erschaftssteuer und Schadensersatz

    Kajjo
     

    Juli07

    Member
    Japanese / Japan
    Hallo Bernd,
    In meinem Übungsbuch „Übungsgrammatik – Deutsch als Fremdsprache“ (Max Hueber) ist Fugen-s unter dem Titel WORTBILDUNG so erklärt:

    Fugenzeichen : … Feste Regeln für die Verwendung gibt es nicht. Sie tauchen immer auf bei:
    1) den Nachsilben –ung, -heit, -keit, -schaft, -tum, -ling, -ion, -tät: z.B. WIrtschaftsmacht
    2) vom Verb abgeleiteten Nomen, die auf –t enden: Arbeitsmarkt, Ankunftszeit (aber Arbeitgeber, Arbeitnehmer)
    3) nominalisierten Infinitiven: Verhaltensforscher

    Übrigens, in meinem Wörterbuch finde ich bei „Steuer“ Einkommen(s)steuer, Erbschaft(s)steuer, Vermögen(s)steuer, und Vergnügung(s)steuer, aber bei „Ersatz“ steht nur Schadenersatz. (Langenscheidt Deutsch-Deutsch)

    Juli
     

    Hutschi

    Senior Member
    Die SZ hat nur "Erbschaftssteuer" und "Erbschaftsteuer" beschrieben.
    Die Frage nach dem "Schadenersatz" ergab sich für mich daraus, weil ich mich an Diskussionen nach der Wiedervereinigung erinnerte.

    In meinem Duden von 1981 steht "Schadenersatz oder Schadensersatz".
    In "Die neue deutsche Rechtschreibung" (Bertelsmann, 1996) stehen auch beide Formen.

    Ich denke auch, dass die Fachsprache von der standardsprachlichen Form abweicht.

    "Umgangssprache" betrifft übrigens keine "Abwertung". Sie ist eine andere Sprachform, eigentlich gehörte sie mit zur Standardsprache, sie ist allerdings eben nicht standardisiert. In vielen Fällen ist sie besser geeignet, das auszudrücken, was man sagen will, als die Standard(schrift)sprache.

    Ein Problem bei der Bürokratensprache besteht darin, dass man sie nicht versteht.

    Einige Wörter werden (bewusst?) entgegengesetzt zur "normalen" Sprache verwendet.
    Beispiel:
    "Grundsätzlich werden die Renten erhöht." heißt umgangssprachlich: sie werden erhöht, in Bürokratensprache: sie werden vielleicht erhöht, aber im Prinzip oft nicht. "Grundsätzlich" ist in dem Fall eine Art Januswort, ein Antagonym bzw. Autoantonym.
     
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