gefühlt

Swati Aiyer

Member
English
"Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, warum die Zeit gefühlt im Urlaub schneller vergeht als im Alltag?"

"Die späteren Tage vergehen gefühlt schneller, weil man alles kennt und die Neuartigkeit fehlt."

Bedeutet das Wort "gefühlt" das Gleiche, wie immer - ein Synonym von "empfunden" oder etwas Subjektives, keine absolute Wahrheit?
 
  • Lhost Vokus

    Senior Member
    German
    "Gefühlt" bedeutet hier das subjektive Empfinden.

    In der Meteorologie gibt es eine "gefühlte Temperatur", nämlich die aufgrund verschiedener Faktoren wahrgenommene Umgebungstemperatur. Z. B. es hat 5°, aber wegen Feuchte und Wind fühlt es sich an wie 2°.

    Das wird seit einigen Jahren beliebig auf alles mögliche übertragen. Man meint damit das von der messbaren Realität abweichende Empfinden. Oft ist es ironisch übertrieben: "Es ist das gefühlt hundertste Mal, dass dieser lästige Kunde sich bei mir beschwert.".
     

    bearded

    Senior Member
    "Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, warum die Zeit gefühlt im Urlaub schneller vergeht als im Alltag?"
    "Die späteren Tage vergehen gefühlt schneller, weil man alles kennt und die Neuartigkeit fehlt."
    Gehe ich recht in der Annahme, dass in diesen beiden Beispielsätzen das Partizip 'gefühlt' adverbial verwendet wird?

    Gefühlt = es fühlt sich so an als ob....
    oder eher: gefühlt = '' ,wie es sich anfühlt, ''
     
    Last edited:

    Swati Aiyer

    Member
    English
    "Gefühlt" bedeutet hier das subjektive Empfinden.

    In der Meteorologie gibt es eine "gefühlte Temperatur", nämlich die aufgrund verschiedener Faktoren wahrgenommene Umgebungstemperatur. Z. B. es hat 5°, aber wegen Feuchte und Wind fühlt es sich an wie 2°.

    Das wird seit einigen Jahren beliebig auf alles mögliche übertragen. Man meint damit das von der messbaren Realität abweichende Empfinden. Oft ist es ironisch übertrieben: "Es ist das gefühlt hundertste Mal, dass dieser lästige Kunde sich bei mir beschwert.".
    Vielen Dank!
     

    Hutschi

    Senior Member
    Könnte man das Wort mit "wahrnehmbar" oder "perzeptibel" ersetzen, ohne die Bedeutung zu ändern?
    Nein, das ist nicht idiomatisch. "Perzeptibel" kenne ich nicht. "Wahrnehmbar" beschreibt ein tatsächliches Empfinden.

    Im gegebenen Kontext:
    Duden
    gefühlt
    nach dem Gefühl beurteilt, geschätzt (und deshalb in Wirklichkeit nicht korrekt) (Bedeutung 1)

    Bei "wahrnehmbar" fehlt: (und deshalb in Wirklichkeit nicht korrekt)
    Und: Es bezeichnet eine objektive Eigenschaft, die man fühlen kann.

    ---

    Im Urlaub hat man zwar das Gefühl, dass die Zeit schneller vergeht, aber das ist in Wirklichkeit nicht korrekt.
     

    Swati Aiyer

    Member
    English
    Nein, das ist nicht idiomatisch. "Perzeptibel" kenne ich nicht. "Wahrnehmbar" beschreibt ein tatsächliches Empfinden.

    Im gegebenen Kontext:
    Duden
    gefühlt
    nach dem Gefühl beurteilt, geschätzt (und deshalb in Wirklichkeit nicht korrekt) (Bedeutung 1)

    Bei "wahrnehmbar" fehlt: (und deshalb in Wirklichkeit nicht korrekt)
    Und: Es bezeichnet eine objektive Eigenschaft, die man fühlen kann.

    ---

    Im Urlaub hat man zwar das Gefühl, dass die Zeit schneller vergeht, aber das ist in Wirklichkeit nicht korrekt.
    Jetzt ist es klar. Vielen Dank.
     

    διαφορετικός

    Senior Member
    Swiss German - Switzerland
    Gehe ich recht in der Annahme, dass in diesen beiden Beispielsätzen das Partizip 'gefühlt' adverbial verwendet wird?

    oder eher '' ,wie es sich anfühlt, ''
    Den Gegensatz, den du hier angedeutet hast, verstehe ich (noch) nicht. Syntaktisch ist "gefühlt" im hier diskutierten Sinn ein Adverb. Die Bedeutung entspricht aber ungefähr einem Nebensatz ", wie es sich anfühlt".

    (Aber vielleicht habe ich nur das "oder eher" falsch zugeordnet.)
     

    bearded

    Senior Member
    Die Bedeutung entspricht aber ungefähr einem Nebensatz ", wie es sich anfühlt".
    Ja, sie entspricht eben nicht der Umschreibung ''es fühlt sich so an, als ob..'' laut #3. Pragmatisch laufen die beiden Sätze zwar auf dasselbe hinaus, mein Einwand galt aber nur dem Wortlaut/der Fassung, durch die das Adverb grammatikalisch erklärt/erläutert worden war.
     

    Swati Aiyer

    Member
    English
    Also, dann wäre dieser Satz richtig?

    Gefühlt gestern haben wir das neue Jahr eingelaütet und hier sind wir schon im Oktober und feiern Dassera.
     
    Last edited:

    διαφορετικός

    Senior Member
    Swiss German - Switzerland
    Gefühlt gestern haben wir das neue Jahr eingeläutet
    Vom Satzbau her ist das schon korrekt (und manche Muttersprachler würden einen solchen Satz vielleicht sogar verwenden), aber "gefühlt" verwendet man wohl vor allem für Dinge / Eigenschaften, die man auch messen oder zählen könnte (statt sie zu fühlen, zu schätzen). "Vor gefühlt 24 Stunden haben wir das neue Jahr eingeläutet" würde daher schon besser passen. "Vor gefühlt einem Tag" wirkt komisch, da beim Zählen auf die Zahl "eins" in der Regel kein Gefühl (keine Schätzung) im Spiel ist.
     

    Swati Aiyer

    Member
    English
    Vom Satzbau her ist das schon korrekt (und manche Muttersprachler würden einen solchen Satz vielleicht sogar verwenden), aber "gefühlt" verwendet man wohl vor allem für Dinge / Eigenschaften, die man auch messen oder zählen könnte (statt sie zu fühlen, zu schätzen). "Vor gefühlt 24 Stunden haben wir das neue Jahr eingeläutet" würde daher schon besser passen. "Vor gefühlt einem Tag" wirkt komisch, da beim Zählen auf die Zahl "eins" in der Regel kein Gefühl (keine Schätzung) im Spiel ist.
    Vielen Dank für die Antwort! Jetzt wird die Anwendung dieses Worts allmählich klarer.
     

    Schlabberlatz

    Senior Member
    German - Germany
    Oft ist es ironisch übertrieben: "Es ist das gefühlt hundertste Mal, dass dieser lästige Kunde sich bei mir beschwert.".
    Ich würde sagen, dass die Übertreibung in der hohen Zahl liegt, und nicht in ›gefühlt‹. Letzteres sorgt eher für eine Abschwächung der Aussage.

    Es ist [bestimmt] das hundertste Mal, dass dieser lästige Kunde sich bei mir beschwert. (Übertrieben.)
    vs.
    Es ist das gefühlt hundertste Mal, dass dieser lästige Kunde sich bei mir beschwert. (Durch das ›gefühlt‹ wird unmittelbar zum Ausdruck gebracht, dass die Zahl Hundert hier nicht wörtlich gemeint ist.)

    Gefühlt gestern haben wir das neue Jahr eingelaütet und hier sind wir schon im Oktober und feiern Dassera.
    Ich würde es ein wenig ändern, dann hört es sich für mich OK an:
    Gefühlt erst gestern haben wir das neue Jahr eingeläutet und jetzt sind wir schon im Oktober und feiern Dassera.
     
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