höchlich

Sowka

Forera und Moderatorin
German, Northern Germany
Hallo allerseits :)

Eben las ich den Satz

"Das interessiert mich höchlich".

Das Wort "höchlich" ist natürlich sofort zu verstehen als "in hohem Maße", und es findet sich auch im Duden. höchlich

Wie schätzt Ihr seinen heutigen Gebrauch ein? Habt Ihr es gehört oder gelesen oder selbst verwendet?

Danke für Eure Meinungen!
 
  • Kajjo

    Senior Member
    Ich kenne das Wort überhaupt nicht. Ich hätte echt geschworen, dass es das Wort nicht gibt.

    Auch nach Sichtung des Dudens finde ich, dass die Markierung von "veraltet" auf "obsolet" gesetzt werden sollte.

    Wenn irgendjemand im realen Leben wirklich "höchlich" sagen würde, würde ich wohl echt denken, mit dem stimmt was nicht.
     

    Hutschi

    Senior Member
    Ich kannte es, glaube ich. Aber es ist lange her.
    Die folgende Steigerung dagegen ist normal: höchlichst.

    edit - Ergänzung

    PS:
    DWDS – Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache
    veraltend, gespreizt sehr

    Grammatik: nur in Verbindung mit Verben der Gemütsbewegung
    Beispiel:
    [er] steigerte sich in eine Ungeduld und nervöse Aufgeregtheit hinein, die seinem Freunde höchlich mißfiel [ HesseGlasperlensp.6,527]


    Grammatik: oft im Superlativ
    Beispiel:
    »Die liebe, sehr zu verehrende Frau Hofmathematikus ist wirklich höchlichst um einen so genialen Mann wie Seine Magnifizenz zu beneiden«, zirpte Frau von Polzhügel [ TralowKepler268]

    Es war also das Glasperlenspiel, woher ich es kenne.

    "sich höchlichst amüsieren" und "höchlichst missfallen" sind die Wendungen, wo ich es noch aktiv verwende.
     

    Sowka

    Forera und Moderatorin
    German, Northern Germany
    Wenn irgendjemand im realen Leben wirklich "höchlich" sagen würde, würde ich wohl echt denken, mit dem stimmt was nicht.
    Das wäre dann eine weitreichende Schlussfolgerung.

    Ich zum Beispiel verwende viele alte Wörter, auch welche, die andere als seltsam empfinden können -- gerne mit einem leisen Hauch von Ironie.
     

    Kajjo

    Senior Member
    Ja, ich finde alte und seltene Worte prinzipiell auch gut und einen großen Wortschatz sehr gut .... aber "höchlich"? Das klingt so falsch und daneben für mich. Echt nach reinem Fehler.

    Kanntest du es denn? Benutzt du es? Hast du es mal von jemandem ernst gemeint gehört?
     

    Sowka

    Forera und Moderatorin
    German, Northern Germany
    Kanntest du es denn? Benutzt du es? Hast du es mal von jemandem ernst gemeint gehört?
    Leise ironisch, ja.

    Ergänzung: Es hat für mich einen Beigeschmack von "alter Aristokratie". Deshalb interessiert mich so, wie andere das heute empfinden.

    Ergänzung 2: Gerade sehe ich die Quellen, die @Hutschi beisteuert. Danke! Das untermauert meinen Eindruck.
     

    Alemanita

    Senior Member
    German, Germany
    Ich habe dieses Wort aus dem Wortschatz meines ehemaligen Ehemannes übernommen, eines gebildeten Juristen aus dem fränkischen Raum.
    Ich zum Beispiel verwende viele alte Wörter, auch welche, die andere als seltsam empfinden können -- gerne mit einem leisen Hauch von Ironie.
    Dito.
     

    berndf

    Moderator
    German (Germany)
    Ich habe mittels Google Books ein wenig recherchiert auf Anhieb keine genuin rezente (1950 oder jünger) Belegstelle gefunden. Alle Belegstellen aus Publikationen dieser Periode, die ich gefunden habe, waren Literaturzitate oder Wiedergaben von Liedtexten aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als dieses Wort offenbar am gängigsten war.

    Wenn es weiterhin als Teil der Gegenwartssprache zu gelten hat, was die Nennung im Duden nahe legt, dann wahrscheinlich, um klassische Literatur und Liedtexte der deutschen und österreichischen Klassik und Romantik verständlich zu halten.
     

    Hutschi

    Senior Member
    Neuere Quellen:
    DWDS – Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache

    Aus diesem kulturstiftenden Faible ist jetzt ein höchlichst originelles Buch entstanden.
    Die Welt, 24.12.2005
    ...
    Ulrichsberg, das beinahe letzte nicht kompromittierte Fest der Avantgarde, wollte sich vergegenwärtigen, was an neuer Klangbildung heute möglich ist, und dabei höchlich amüsieren.
    Süddeutsche Zeitung, 10.06.1996
     
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