hierher vs. hierhin

Igottano

New Member
England (English)
Hallo,

kann jemand mir sagen ob es einen Unterschied zwischen hierher und hierhin gibt weil ich habe beide nachgeschlagen und nur "here/to here" gefunden.

danke im voraus und bitte korrigieren meine Fehler.
 
  • berndf

    Moderator
    German (Germany)
    Der Unterschied liegt im Fokus. Im Allgemeinen bezieht sich hin auf das Ziel und her auf den Ursprung. Wenn man sagt er kommt hierhin, so liegt der Fokus darauf, wo er hingeht, nämlich hierhin. Wenn man sagt er kommt hierher, so liegt der Fokus darauf, dass er einen anderen Platz verlässt, um hierhin zu kommen.
     
    Last edited:

    Derselbe

    Senior Member
    Deutsch, German, ドイツ語
    In der Sprachrealität gibt es kaum einen Unterschied. Du musst dir also keine Sorgen machen, dass du in irgendeiner Situation das Falsche benutzt.

    Der theoretische Unterschied ist, dass "her" eine Bewegung von einem Ort zur Sprecherperspektive beschreibt und "hin" eine Bewegung von der Sprecherperspektive zu einem anderen Ort. Wenn ein Gegenstand aus einem Fenster fliegt, ergäbe das folgende Verteilung:
    Sprecher im Haus sagt: Der Gegenstand fliegt zum Fenster hinaus. (Vom Sprecher weg)
    Sprecher außerhalb des Hauses sagt: Der Gegenstand fliegt zum Fenster heraus. (Zum Sprecher hin)

    Bei strenger Beachtung dieser Regel müsste man eigentlich zu dem Ergebnis kommen, dass das Wort "hierhin" perplex sei. Aber wie gesagt, dieser Unterschied ist lediglich theoretisch und wird in der Realität kaum bis nicht beachtet.
     

    Alan Evangelista

    Senior Member
    Brazilian Portuguese
    Es ist das erste Mal, dass ich in diesem Forum auf Deutsch schreibe, also vergib bitte meine Fehler.

    Der Unterschied liegt im Fokus. Im Allgemeinen bezieht sich hin auf das Ziel und her auf den Ursprung

    Ich bin verwirrt. Ich dachte, dass hin / her nicht verwendet wurde, um sich auf die Ursprung/ Zielpunkte zu konzentrieren, sondern sich in die Bewegungsrichtung relativ zum Sprecher zu konzentrieren, wie von Derselbe erwähnt:

    Der theoretische Unterschied ist, dass "her" eine Bewegung von einem Ort zur Sprecherperspektive beschreibt und "hin" eine Bewegung von der Sprecherperspektive zu einem anderen Ort.

    Bei strenger Beachtung dieser Regel müsste man eigentlich zu dem Ergebnis kommen, dass das Wort "hierhin" perplex sei. Aber wie gesagt, dieser Unterschied ist lediglich theoretisch und wird in der Realität kaum bis nicht beachtet.

    Ich dachte immer "hin" macht keine Sinn zusammen mit "hier" (noch "her" mit "dort"). Ich verstehe nicht, warum Deutsch sich überhaupt die Mühe macht, "herhier" und "dorthin" zu benutzen, wenn es darum geht, Bewegungsrichtung (relativ zum Sprecher) auszudrücken, und das ist bereits in "hier" und "dort" impliziert.

    Heißt das "hierher" und "hier" sind identisch?
     
    Last edited:

    berndf

    Moderator
    German (Germany)
    Ich dachte, dass hin / her nicht verwendet wurde, um sich auf die Ursprung/ Zielpunkte zu konzentrieren, sondern sich in die Bewegungsrichtung relativ zum Sprecher zu konzentrieren, wie von Derselbe erwähnt
    Im Allgemeinen bezieht sich her auf Ursprung und hin auf das Ziel. Die besondere Bedeutung "relativ zur Sprecherperspektive" ergibt sich erst in Verbindung mit hier. Es ist hier, das die Sprechperspektive ausdrückt und nicht hin oder her selbst. Es gibt aber auch andere Verbindungen mit hin und her, die überhaupt keinen Bezug zur Sprecherperspektive haben, z.B. dorthin und dorther.
     

    Alan Evangelista

    Senior Member
    Brazilian Portuguese
    Danke für die Erklärung!

    Im Allgemeinen bezieht sich her auf Ursprung und hin auf das Ziel. Die besondere Bedeutung "relativ zur Sprecherperspektive" ergibt sich erst in Verbindung mit hier.

    Vermute ich, du meintest das Gegenteil, dass "her" / "hin" allgemein bezieht sich auf die Sprecherperspektive, und speziell zusammen mit "hier" and "dort" beziehen sich sie beziehungsweise auf Ursprung / Ziel?
     

    berndf

    Moderator
    German (Germany)
    Vermute ich, du meintest das Gegenteil, dass "her" / "hin" allgemein bezieht sich auf die Sprecherperspektive, und speziell zusammen mit "hier" and "dort" beziehen sich sie beziehungsweise auf Ursprung / Ziel?
    Nein, das meine ich nicht. Ich meinte es genau so, wie ich es geschrieben habe.
     

    Alan Evangelista

    Senior Member
    Brazilian Portuguese
    Nein, das meine ich nicht. Ich meinte es genau so, wie ich es geschrieben habe.

    Ich fragte es, weil ich her / hin Definitionen immer nach Richtung und nicht nach Positionen gelesen habe. Normalerweise zusammen mit Bewegungsverben, vielleicht deshalb.

    Danke noch einmal!
     

    berndf

    Moderator
    German (Germany)
    Ich fragte es, weil ich her / hin Definitionen immer nach Richtung und nicht nach Positionen gelesen habe. Normalerweise zusammen mit Bewegungsverben, vielleicht deshalb.
    Das ist auch richtig. Hin und her beziehen sich immer auf Bewegungssituationen (im wörtlichen oder im übertragenen Sinne). Eine Bewegung hat einen Ausgangspunkt und ein Ziel. Wenn es um den Ausgangspunkt geht, benutzt man her; wenn es um das Ziel geht, benutzt man hin. Beispiel:
    Er ging aus dem Haus heraus und auf den Berg hinauf.
     
    Last edited:

    JClaudeK

    Senior Member
    Français France, Deutsch (SW-Dtl.)
    Ich dachte immer "hin" macht keine Sinn zusammen mit "hier" (noch "her" mit "dort"). Ich verstehe nicht, warum Deutsch sich überhaupt die Mühe macht, "herhier" und "dorthin" zu benutzen, wenn es darum geht, Bewegungsrichtung (relativ zum Sprecher) auszudrücken, und das ist bereits in "hier" und "dort" impliziert.
    Um zu vereinfachen würde ich sagen:
    "(hier/dort)hin" bezeichnet einen Ort, der den Angesprochenen vom Sprecher entfernt: "Geh/ stell dich hier/dort hin!'
    "(hier)her" bezeichnet einen Ort (näher beim Sprecher, als vorher), an den sich der Angesprochene begeben soll: "Komm/ stell dich hierher!"
     
    Last edited:

    berndf

    Moderator
    German (Germany)
    Um zu vereinfachen würde ich sagen:
    "(hier/dort)hin" bezeichnet einen Ort, der den Angesprochenen vom Sprecher entfernt: "Geh/ stell dich hier/dort hin!'
    "(hier)her" bezeichnet einen Ort, der den Angesprochenen näher (als er vorher war) zum Sprecher ruft: "Komm/ stell dich hierher.
    Das passt aber eben nur für hierhin und hierher (oder frei stehendes hin resp. her, dass als Kurzform von hierhin resp. hierher zu verstehen ist). In Kombination mit anderen Präposition und Adverben, wie das von dir erwähnte dorthin, ist das nicht unbedingt so. Beispiel: Er ist dorthin gegangen, um einen Freund zu treffen. Hier besteht keine Verbindung dazu, ob er sich vom Sprecher entfernt oder dem Sprecher annähert.
     

    Hutschi

    Senior Member
    Man bemerkt einen semantischen Unterschied in:
    Komm hierher! Gehe dahin/dorthin!

    Fast gleich sind:
    Stell dich hierhin/hierher.

    Gegebenenfalls gilt aber:
    Das kommt
    - hierhin an diese Stelle.
    - hierher zu mir.
     

    Senay

    Member
    Russisch - Russland
    Ich möchte mich der Diskussion mit einem Beispiel aus einem deutschen Grammatikbuch anschließen: "Setzen Sie sich zu mir, hierhin/hierher". Komischerweise gelten die beiden Varianten in den Lösungen zum Buch als richtig. Kommen wirklich die beiden Varianten im Sprachgebrauch vor?
     

    JClaudeK

    Senior Member
    Français France, Deutsch (SW-Dtl.)
    . Wenn es um den Ausgangspunkt geht, benutzt man her; wenn es um das Ziel geht, benutzt man hin. Beispiel:
    Er ging aus dem Haus heraus und auf den Berg hinauf.
    "Er ging aus dem Haus heraus" klingt für mich nicht sehr idiomatisch, "er ging aus dem Haus" genügt m.E.

    Ich bezog mich mit #11 auf "relativ zum Sprecher".
    und spezifisch auf das Beispiel
    "Geh/ stell dich hier/dort hin!'
     

    berndf

    Moderator
    German (Germany)
    "Er ging aus dem Haus heraus" klingt für mich nicht sehr idiomatisch, "er ging aus dem Haus" genügt m.E.
    Natürlich "genügt" aus dem Haus. Aber darum geht es ja nicht. Der Satz ist ein gültiges und prototypisches Beispiel für die Verwendung von heraus, um zu demonstrieren, dass hin und her ohne hier halt nichts mit "relativ zum Sprecher" zu tun hat.
     
    Last edited:

    Hutschi

    Senior Member
    Normalerweise gilt (zumindest in meinem Sprachbereich) prototypisch:

    Edit: Zuordnung korrigiert:
    1. Er ging aus dem Haus hinaus. (Beobachterstandort: innerhalb des Hauses.)
    2. Er kam aus dem Haus heraus. (Beobachtungsstandort: außerhalb des Hauses.)
    3. Er ging aus dem Haus heraus. (Beobachterstandort: innerhalb, vielleicht auch außerhalb des Hauses. Eventuell unklar. Ich habe kein Gefühl dafür, denn ich verwende es nicht.)

    Ich denke, anders als Bernd, dass 1 prototypisch ist und 3 eher eine Ausnahme.

    "Hinaus" und "heraus" geben prototypisch Richtungen relativ zum Beobachterstandpunkt an.


    Duden | heraus | Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft
    Bedeutung
    von dort drinnen hierher nach draußen

    Duden | herausgehen | Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft
    von dort drinnen hierher nach draußen gehen

    PS: Es ist also der Beobachterstandpunkt entscheidend, oft ist das der Sprecher, aber nicht immer.
     
    Last edited:

    berndf

    Moderator
    German (Germany)
    Normalerweise gilt (zumindest in meinem Sprachbereich) prototypisch:

    Edit: Zuordnung korrigiert:
    1. Er ging aus dem Haus hinaus. (Beobachterstandort: innerhalb des Hauses.)
    2. Er kam aus dem Haus heraus. (Beobachtungsstandort: außerhalb des Hauses.)
    3. Er ging aus dem Haus heraus. (Beobachterstandort: innerhalb, vielleicht auch außerhalb des Hauses. Eventuell unklar.)

    Ich denke, anders als Bernd, dass 1 prototypisch ist und 3 eher eine Ausnahme.

    "Hinaus" und "heraus" geben prototypisch Richtungen relativ zum Beobachterstandpunkt an.
    Ja, Du hast Recht. Entweder ging .. hinaus oder kam .. heraus. Ich habe das falsche Verb verwendet. Ganz dummer Fehler.:oops:

    Mit "relativ zum Sprecher" hat das aber trotzdem nichts zu tun aber in der Tat schon etwas mit einem zumindest imaginären Beobachterstandpunkt, in dem Sinne, als hin eine Perspektive am Ursprung der Bewegung in Richtung auf das Ziel und her die umgekehrte Perspektive ausdrückt. Dasselbe gilt für das Verbpaar kommen-gehen. Und darum gehören gehen und hin sowie kommen und her jeweils zusammen. Aber dieser Beobachterstandpunkt (oder vielleicht besser Fokusstandpunkt?) ist halt nicht unbedingt der Sprecherstandpunkt. Und darum sind hierhin und hierher nicht redundant.
     

    Hutschi

    Senior Member
    Mit "relativ zum Sprecher" hat das aber trotzdem nichts zu tun aber in der Tat schon etwas mit einem zumindest imaginären Beobachterstandpunkt,
    Ich hätte schreiben sollen: "imaginären Sprecher", der die Situation beschreibt, sozusagen analog zur Lyrik das "lyrische ich". Also dessen Beobachtungsstandpunkt. In der Sache sind wir uns hier einig, ich habe es nur nicht genügend klar ausgedrückt. (Performance-Fehler).

    Es ist der Unterschied zwischen "vorlesen" bzw. "berichten" und dem originalen Bericht bzw. der originalen Beobachtung.

    Aber dieser Beobachterstandpunkt (oder vielleicht besser Fokusstandpunkt?) ist halt nicht unbedingt der Sprecherstandpunkt.

    Stimmt. Im Sinne des "aktuellen" Sprechers, der jetzt spricht. Es kann der Beobachter sein, aber das ist nicht gesagt. Und es zählt der Standpunkt zur Zeit der Beobachtung.
     

    Hutschi

    Senior Member
    Noch ein Hinweis: Es gibt viele solche Wörter, die in ähnlicher Art symmetrisch sind.

    Beispiele:

    herüber - hinüber
    rüber - nüber (umgangssprachlich verkürzt, häufig auch bei anderen Paaren.)
    herauf - hinauf
    heraus - hinaus
    herab - hinab
    herein - hinein
    her - hin


    In der Standardsprache gibt es etwas weniger solche Formen als in der Umgangssprache, in Umgangssprache hat sich zum Beispiel regional erhalten: "(komm) rinter - (geh) ninter" - die es standardsprachlich so nicht gibt.

    ---
    Das nur als Muster zur leichteren Einordnung.
     

    berndf

    Moderator
    German (Germany)
    Noch ein kleiner Nachtrag
    Ja, Du hast Recht. Entweder ging .. hinaus oder kam .. heraus. Ich habe das falsche Verb verwendet. Ganz dummer Fehler.:oops:

    Mit "relativ zum Sprecher" hat das aber trotzdem nichts zu tun aber in der Tat schon etwas mit einem zumindest imaginären Beobachterstandpunkt, in dem Sinne, als hin eine Perspektive am Ursprung der Bewegung in Richtung auf das Ziel und her die umgekehrte Perspektive ausdrückt. Dasselbe gilt für das Verbpaar kommen-gehen. Und darum gehören gehen und hin sowie kommen und her jeweils zusammen. Aber dieser Beobachterstandpunkt (oder vielleicht besser Fokusstandpunkt?) ist halt nicht unbedingt der Sprecherstandpunkt. Und darum sind hierhin und hierher nicht redundant.
    Wenn man etwas länger nachdenkt, kommt es immer wieder zu Ausnahmen. Wenn Sprecher- und Beobachterstandpunkt explizit unterschiedlich sind kommen hin+kommen schon manchmal vor:
    Es sollte vielleicht besser heißen
    Gehst Du morgen auch dahin?
    aber
    Kommst Du morgen auch dahin?

    kommt durchaus auch vor.
     

    Hutschi

    Senior Member
    Ich denke
    Es sollte vielleicht besser heißen
    Gehst Du morgen auch dahin? :tick:
    aber
    Kommst Du morgen auch dahin? :tick:

    kommt durchaus auch vor.

    Ich denke, das ist etwas analog zu einem Kofferwort. (Ich weiß nicht, wie diese Art der Verkürzung heißt.)
    Ich gehe dorthin, kommst du auch?
    Es gibt fast immer Ausnahmen zu formalen Regeln.

    Jeweils aus her-/hin + hinter, oder?

    Wahrscheinlich aus den obsoleten: herinter - hininter.
    In meiner Alltagssprache waren die verkürzten Formen normal.
    Mein Opa sagte: "Komm mal rinter/Geh mal ninter in den Hof."
    --- Das kommt zu selten vor, ich will deshalb hier nicht weiter darauf eingehen

    Wichtiger sind die anderen aktuellen Verkürzungen:
    Ich habe hier
    Zur Unterscheidung von hin und her Quelle: deutschegrammatik20.de
    einiges dazu gefunden.
    hin- – her- – verkürzte Form,
    hinauf – herauf – rauf / hinein – herein – rein / hinaus – heraus – raus / hinunter – herunter – runter / hinüber – herüber – rüber / hinan (veraltet) – heran – ran

    ---
    Bei den verkürzten Formen sind einige zusammengefallen. (Geh mal ins Haus hinein/rein - "nein" wird hier nur noch regional verwendet.)

    PS: Vielleicht wirkt das auch auf die Verwendung der langen Formen zurück.
     

    Schlabberlatz

    Senior Member
    German - Germany
    Hier noch ein Link zu einem anderen alten Thread:
    Ich stelle die Milch hier / hierher in den Kühlschrank

    … in dem ich auch meinen Senf dazugegeben habe:
    There's some information about "her / hin" in "Duden: Richtiges und gutes Deutsch" (3rd ed.). It says that as to the adverbs that are formed by joining "her" or "hin" with "-ab", "-aus", "-unter" etc., the distinction [between the different directions] is often ignored, even in standard language. The direction towards or away from the speaker is not perceived very clearly because the meaning of the second part of these compound adverbs is dominant: [...] Ich mußte ihm das Werkzeug heraufreichen.

    Or maybe it's "herauf-" in this case because "ihm" is nearer to the verb than "ich" in this sentence? So that the direction "towards" would be correct because it's the perspective of the recipient that is of relevance here instead of the perspective of the speaker?

    Anyway, I guess it's more or less the same with the compounds "hierher" and "hierhin". It's not the "her" or "hin" whose meaning is dominant but the "hier". So that they are easily interchangeable.
     

    JClaudeK

    Senior Member
    Français France, Deutsch (SW-Dtl.)
    "Duden: Richtiges und gutes Deutsch" .....
    It says that as to the adverbs that are formed by joining "her" or "hin" with "-ab", "-aus", "-unter" etc., the distinction [between the different directions] is often ignored, even in standard language.
    Da hast Du Einiges verkürzt:

    In "Duden: Richtiges und gutes Deutsch" steht:
    her / hin:
    - Mit her wird im Allgemeinen die Richtung auf den Ort des Sprechers zu ausgedrückt: Her zu mir! Das Geld muss sofort her! Bier her! Auch in Verbindung mit Verben: Komm her! Sie sollen das Gepäck herbringen. Man hat die anderen schon hergeholt.
    - Im Gegensatz zu her drückt hin die Richtung vom Ort des Sprechers weg und auf ein anderes, genanntes oder implizit gegebenes, Ziel aus: Zu ihr hin! Wo wollen wir hin?
    - Bei den mit -ab, -aus, -unter usw. zusammengesetzten Adverbien wird an dieser Unterscheidung häufig (selbst in der Standardsprache) nicht festgehalten. Die Richtung auf den Sprecherort zu oder vom Sprecherort weg wird nicht deutlich bezeichnet, weil die Bedeutung des Zweitgliedes dieser zusammengesetzten Adverbien dominiert: Ich würgte den Bissen herunter / versuchte ihn herauszudrängen. [...] Ich musste ihm das Werkzeug heraufreichen.
     
    Last edited:

    JClaudeK

    Senior Member
    Français France, Deutsch (SW-Dtl.)
    P.S. zu #31
    In der norddeutschen Umgangssprache werden nur die verkürzten Formen von her- gebraucht: Geh mal rüber (= herüber)! Ich klettere rauf (= hinauf). Wir laufen rein (= hinein). Demgegenüber wird [im Süden] selbst bei den verkürzten Formen* an der Unterscheidung zwischen her- / hin- weitgehend festgehalten: Sie kommt rauf (= herauf). Wir steigen 'nauf (= hinauf). Komm rüber (= herüber). Ich bring es 'nüber (= hinüber).
    (Gleiche Quelle wie oben)
    * und nicht nur bei den verkürzten Formen!

    In allen oben angegebenen Beispielen ( Ich würgte den Bissen herunter / versuchte ihn herauszudrängen. [...] Ich musste ihm das Werkzeug heraufreichen.)
    würde man im Süden eher "hin" verwenden: Ich würgte den Bissen hinunter / versuchte ihn hinauszudrängen. [...] Ich musste ihm das Werkzeug hinaufreichen.
     

    Hutschi

    Senior Member
    ...

    In allen oben angegebenen Beispielen ( Ich würgte den Bissen herunter / versuchte ihn herauszudrängen. [...] Ich musste ihm das Werkzeug heraufreichen.)
    würde man im Süden eher "hin" verwenden: Ich würgte den Bissen hinunter / versuchte ihn hinauszudrängen. [...] Ich musste ihm das Werkzeug hinaufreichen.

    Hallo, Claude, bist du sicher oder ist es eine Vermutung? Ich dachte bisher, es hänge davon ab, was man genau sagen will. Und vielleicht auch von der Gegend.
    Wobei umgangssprachlich meist die verkürzten Formen verwendet werden ... dabei besteht ein kleiner Betrachtungsunterschied zwischen "nunterschlucken" und "runterschlucken".
    Wahrscheinlich hast Du aber in den meisten Fällen recht. Es heißt z.B.: "Der Hunger treibt's nein." (nicht "rein").

    Standardsprachlich fällt es ja zu "rein" bzw. "runter" zusammen.
     

    berndf

    Moderator
    German (Germany)
    und nicht nur bei den verkürzten Formen!
    Das sehe ich nicht ganz so. Ich würgte den Bissen herunter und Ich würgte den Bissen hinunter ist beides möglich und es wird durchaus auch im Norden semantisch unterschieden. Nur bei der verkürzten Form Ich würgte den Bissen runter verschwimmt der Bedeutungsunterschied. Richtig ist aber schon, dass im Norden häufiger die Variante mit her verwandt wird.
     

    JClaudeK

    Senior Member
    Français France, Deutsch (SW-Dtl.)
    bist du sicher oder ist es eine Vermutung? Ich dachte bisher, es hänge davon ab, was man genau sagen will. Und vielleicht auch von der Gegend.
    Es kann sich um einen Regionalismus handeln.

    Ich würgte den Bissen herunter und Ich würgte den Bissen hinunter ist beides möglich und es wird durchaus auch im Norden semantisch unterschieden. Nur bei der verkürzten Form Ich würgte den Bissen runter verschwimmt der Bedeutungsunterschied.
    Bei diesem Beispiel bin ich einverstanden, dass beides möglich ist.

    Bei den 2 anderen Beispielen ( Ich versuchte, ihn herauszudrängen. / Ich musste ihm das Werkzeug heraufreichen.) würde ich die Hand dafür ins Feuer legen, dass im südwestlichen Sprachgebiet in diesem Kontext keiner herauszudrängen, heraufreichen sagen würde, sondern hinauszudrängen, hinaufreichen.

    rausdrängen, raufreichen dagegen könnte man m.E. schon hören.
     

    Schlabberlatz

    Senior Member
    German - Germany
    Da hast Du Einiges verkürzt:

    In "Duden: Richtiges und gutes Deutsch" steht:
    Jaja, ist ja schon gut ;) Ich habe das zitiert, was in dem anderen Thread noch relevant war. ›hin‹ und ›her‹ waren da schon ausgiebig besprochen worden.

    * und nicht nur bei den verkürzten Formen!
    Das wird ja auch implizit in Richtiges und gutes Deutsch gesagt:
    selbst bei den verkürzten Formen*


    Es heißt z.B.: "Der Hunger treibt's nein."
    Not in my neck of the woods.
     

    Hutschi

    Senior Member
    Die Bedeutung ist auch laut Duden gleich: Duden | herunterwürgen | Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft hinunterwürgen

    Ich sehe im Zusammenhang mit Essen hier zwei:


    hinunterwürgen (in den Magen hinein, Beobachtung vom Mund aus)
    herunterwürgen (in den Magen herein, Beobachtung vom Magen aus)

    Da man im Normalfall den Vorgang betrachtet und weniger Start- oder Zielpunkt, relativiert sich der Unterschied.
    Dazu kommt der Einfluss der Kurzformen, die nur noch lokal unterschieden werden, dort ist es fast völlig zusammengefallen.

    runterwürgen->herunterwürgen und hinunterwürgen

    nunterwürgen -> nur regional - hinunterwürgen, sonst durch "runterwürgen" übenommen.
     

    berndf

    Moderator
    German (Germany)
    Ich sehe nur einen Unterschied in der Perspetive, aus der man "würgen" betrachtet.
    Genau, ob die gedachte Perspektive vom Mund oder vom Magen aus ist.

    Ähnlich mit Ich versuche ihn hinaus/heraus zu drängen. Allerdings kommt mir hier beides aus norddeutscher Perspektive etwas gestelzt vor und ich würde das (für mich) unspezifische raus verwenden. Das von Dir zitierte naus empfinde ich als regional schwäbisch/niederalemannisch. Im bairischen wäre das Äquivalent aussi, im Gegensatz zu aussa=heraus (der Unterschied wird aber auch nicht von allen Sprechern gemacht, vielleicht auch, weil er phonetisch recht schwach ist). Im Hochalemannischen kenne ich nur uusse, einen Kontrast uusse/*uussi kenne ich dort nicht.
     
    Last edited:

    berndf

    Moderator
    German (Germany)
    Ich kann das gar nicht wirklich sagen, weil ich in der Tat wahrscheinlich runterwürgen sagen würde (was, wie gesagt, für mich neutral wäre). Der Satz kommt ja doch wohl eher in umgangssprachlichen Kontexten vor.
     

    JClaudeK

    Senior Member
    Français France, Deutsch (SW-Dtl.)
    1. Genau, ob die gedachte Perspektive vom Mund oder vom Magen aus ist.
    2. Das von Dir zitierte naus empfinde ich als regional schwäbisch/niederalemannisch.
    1. Kann man das wirklich als "semantischen Unterschied" betrachten? Das ist doch rein subjektiv.

    2. "naus" hat Hutschi erwähnt, nicht ich.
    Ich kenne "naus/ nei(n)/ nunter ...." zwar, betrachte das jedoch als regional und rein mundsprachlich.
     

    JClaudeK

    Senior Member
    Français France, Deutsch (SW-Dtl.)
    Wo ist da das Problem?
    In der Bezeichnung "semantischer Unterschied" ;), das halte ich für überspitzt.

    Aber, wie Du sagst, mit dem viel gebräuchlicheren 'runterwürgen' erledigt sich das "Problem" von selbst.
     

    berndf

    Moderator
    German (Germany)
    In der Bezeichnung "semantischer Unterschied" ;), das halte ich für überspitzt.
    Wieso soll denn ein semantischer Unterschied nicht "bloß subjektiv" sein. Ich verstehe nicht, was das eine mit dem anderen zu tun hat. Zur Semantik einer Aussage gehören sowohl extensionale als auch intensionale Bedeutung.
     

    Hutschi

    Senior Member
    1. Kann man das wirklich als "semantischen Unterschied" betrachten? Das ist doch rein subjektiv.

    2. "naus" hat Hutschi erwähnt, nicht ich.
    Ich kenne "naus/ nei(n)/ nunter ...." zwar, betrachte das jedoch als regional und rein mundsprachlich.

    1.: Es hängt davon ab, ob Du bei Semantik perspektivische Unterschiede (den Beobachtungsstandpunkt) mit aufnimmst oder nicht. Der ist stark subjektiv, das trägt auch zum Sprachwandel bei. Wenn exaktere Unterschiede nicht benötigt werden, fallen sie oft sprachlich zusammen.

    2. Es ist regional, das hatte ich auch geschrieben. Es wird mundartlich verwendet: "nei", aber auch als umgangssprachliche Version der Standardsprache "nein", nunter (umgangssprachliche Variante der Standardsprache) -> " nunna" (mundartlich), bei "naus" fällt das zusammen.

    edit:
    "Mundartlich" und "umgangssprachlich" lassen sich nicht scharf trennen. Deshalb habe ich "nein" genauer als mundartliche Variante der Standardsprache bezeichnet. Ich hoffe, dass das genau genug ist, um die Varianten zu trennen.
     
    Last edited:

    berndf

    Moderator
    German (Germany)
    Im bairischen wäre das Äquivalent aussi, im Gegensatz zu aussa=heraus (der Unterschied wird aber auch nicht von allen Sprechern gemacht, vielleicht auch, weil er phonetisch recht schwach ist).
    Ich habe gerade im Fernsehen in deiner Dokumentation aus Niederösterreich den Satz Da håma [den Berg] aufa gschaut. Meiner Frau, die aus der Region stammt und die normalerweise zwischen aufa und aufi unterscheidet, kam der Satz vollkommen normal vor. Es ist also nicht unbedingt
    norddeutsch, die Unterscheidung mundartlich/umgangssprachlich nicht so genau zu nehmen.
     
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