Ich musste mir die ganzen Vaterlandsverehrer echt nicht ziehen

Leroymerlin

Member
Polish, Mazovian
Fast bereute ich es, nicht auf das Rumgenöle meines Vaters gehört zu haben und zum Bund gegangen zu sein. Aber nur fast. Denn erstens wird mit einem da noch viel mieser umgegangen und zweitens musste ich mir die ganzen Vaterlandsverehrer echt nicht ziehen und drittens hätte ich auch den Teufel getan, Hans die Genugtuung zu geben und seinen Beschwerden Folge zu leisten."

Hallo,
es fällt mir schwer zu verstehen, was das fettgeschriebene Fragment bedeuten soll. Vielleicht will der Erzähler ausdrücken, dass er Vaterlandsverehrung nur schwer ernst nehmen kann? Es wäre sehr hilfreich, wenn jemand mir helfen konnte.
Danke im Voraus!
 
  • Kajjo

    Senior Member
    und zweitens musste ich mir die ganzen Vaterlandsverehrer echt nicht ziehen
    = und zweitens wollte ich mir die ganzen Vaterlandsverehrer (beim Bund) wirklich nicht zumuten
    = und zweitens könnte ich die ganzen Vaterlandsverehrer (beim Bund) wirklich nicht ertragen

    = und zweitens würden mich die ganzen Vaterlandsverehrer (beim Bund) wirklich stören

    Der Ausdruck "sich etwas ziehen" im Sinne von "sich auswählen / sich zumuten" ist nicht üblich, sondern schwer verständlich. Du solltest den Ausdruck auf keinen Fall aktiv verwenden. Dies ist kein gutes, etabliertes Deutsch, sondern sehr eigenwillig und altmodisch.
     

    Alemanita

    Senior Member
    German, Germany

    Frieder

    Senior Member
    Im (aktuellen?) Jugendslang würde man sagen: "(...) und zweitens musste ich mir die ganzen Vaterlandsverehrer echt nicht geben (...)".

    Sich etwas nicht geben müssen: Etwas nicht benötigen/ertragen.

    Mit ziehen habe ich das noch nie gehört.
     

    Frieder

    Senior Member
    [...] absolut nichts mit Literatur oder Kunst zu tun.

    Aus Wikipedia:

    Thomas Klupp bewertete das Werk als einen so „knallharten, tieftraurigen und todkomischen Debütroman“. wie es ihn seit Clemens Meyers Als wir träumten in Deutschland nicht mehr gegeben habe. Moritz Rinke lobte Winklers Romanerstling als „bewegend, kraftvoll und mit feinem Gespür für die Welt der Außenseiter“, während Andreas Platthaus (Frankfurter Allgemeine Zeitung) das Werk in seine Auswahl der „schönsten Romane des Herbstes“ aufnahm.​
    Die Literaturkritiker sind da offensichtlich anderer Meinung o_O.
     

    Leroymerlin

    Member
    Polish, Mazovian
    Vielen Dank für alle Antworten! Ich muss mich auch hier rechtfertigen, dass ich am Lesen des Buches kaum Vergnügen finde. :p Ich versuche, in dem Roman Zusammenhänge mit dem Werk Jüngers zu finden. Von sprachlichen und künstlerischen Gemeinsamkeiten kann natürlich nicht die Rede sein, von ideologischen aber manchmal schon.
     
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