Ich schreibe einen politischen Roman nicht, um für irgendeine Sache Propaganda zu machen.

Jana337

Senior Member
čeština
Ich schreibe einen politischen Roman nicht, um für irgendeine Sache Propaganda zu machen. Quelle
Guten Tag, :)

wäre "Ich schreibe keinen politischen Roman, um für irgendeine Sache Propaganda zu machen" sinnentstellend?

Mal scheint es mir mit "keinen" richtiger (muttersprachlicher?) zu sein, mal glaube ich, es könnte den Sinn sehr ändern:

Ich will für irgendeine Sache Propaganda machen. Deswegen schreibe ich keinen Roman (etwa um mehr Zeit für die Propaganda zu haben).


Diese zweite, unsinnige Bedeutung würde der Satz natürlich eindeutiger gewinnen, wenn man "können" hinzufügen würde:

Ich schreibe keinen politischen Roman, um für irgendeine Sache Propaganda machen zu können.

Jetzt frage ich mich, ob man dieselbe unerwünschte Sinnveränderung erzielt, indem man einfach "nicht" durch "keinen" ersetzt.

Ich hoffe, die Frage ist nicht zu kryptisch. :)

Jana
 
  • Hutschi

    Senior Member
    Ich schreibe einen politischen Roman nicht, um für irgendeine Sache Propaganda zu machen.
    Hier fehlt ein Bezug.

    nicht, um -- sondern

    Es muss mit dem folgenden Satz in Zusammenhang gesehen werden.
    Ich schreibe einen politischen Roman nicht, um für irgendeine Sache Propaganda zu machen. Ich will den Seelenzustand der Leute in einer Stadt beschreiben.
    Ich schreibe einen politischen Roman nicht, um für irgendeine Sache Propaganda zu machen, sondern ich will den Seelenzustand der Leute in einer Stadt beschreiben, es lässt aber aus, dass er den Roman tatsächlich schrie. Allerdings ist das aus dem Zusammenhang noch bekannt.

    Ich schreibe einen politischen Roman. Damit will ich keine Propaganda machen. Was ich will, ist, den Seelenzustand zu beschreiben.

    ---

    Der ursprüngliche Satz ist eine Art Klappsatz. Seinen wirklichen Sinn erhält er erst durch den nächsten, der eine Art Rückwärtsreferenz erzeugt.

    Ich schreibe einen politischen Roman nicht, um für irgendeine Sache Propaganda zu machen. - Ich habe einen anderen Grund.

    Wenn man den Satz pur betrachtet, muss man eine leere Kategorie mit beachten, um den Sinn zu verstehen.

    Die meisten Leute schreiben einen politischen Roman, um Propaganda zu machen. (... das weiß ich aus Erfahrung. Es erzeugt eine Spur und ergänzt den Satz "Ich schreibe einen politischen Roman nicht, um für irgendeine Sache Propaganda zu machen. "

    Die Spur geht vom vorhergehenden Abschnitt aus:

    DIE ZEIT: Herr Pamuk, Ihr neues Buch Schnee ist ein politischer Roman. Er ist bevölkert von revolutionären Islamisten, türkischen und kurdischen Nationalisten, enttäuschten Linken auf Gottsuche und Mädchen, die sich wegen des Kopftuchverbots umbringen. Obwohl sie selber für keine Seite Partei ergreifen, sind sie nun unter heftigen politischen Druck geraten. Das Leben scheint auf eine merkwürdige Weise Ihr Buch nachahmen zu wollen.
    Zur Ausgangsfrage:

    Ich schreibe keinen politischen Roman, um für irgendeine Sache Propaganda zu machen" sinnentstellend?
    ... entstellt den Sinn völlig, denke ich, vielleicht ist es aber im Sinne einer Art Redewendung möglich.

    Ich schreibe keinen politischen Roman, um für irgendeine Sache Propaganda zu machen. Mit dieser Betonung würde es wahrscheinlich gehen.



    Grüße von Bernd
     

    Jana337

    Senior Member
    čeština
    Danke, aber das war mir klar - ich verstehe, was er meint. :) Ich habe einfach eine ziemlich hypothetische, grammatikalische Frage.

    Jana
     

    Kajjo

    Senior Member
    wäre "Ich schreibe keinen politischen Roman, um für irgendeine Sache Propaganda zu machen" sinnentstellend?
    Nein, sinnentstellend ist diese Abwandlung nicht. Viele Muttersprachler verwenden genau diese Konstruktion in dem ursprünglichen Sinne. Allerdings würde ich diese Form als leicht umgangssprachlich oder rhetorisch empfinden, da die Verneinung eigentlich auf das Verb abzielt und nicht auf den Roman. Man kann die Aussage verdeutlichen, indem man "doch" einfügt:

    "Ich schreibe doch keinen politischen Roman, um für irgendeine Sache Propaganda zu machen."

    Kajjo
     

    Hutschi

    Senior Member
    Für mich war hier das Problem, dass ich durch die Hervorhebung von "Keinen" in die falsche logische Struktur geraten bin, die dann keinen Sinn ergibt.

    Im Sinn, wie Kajjo es schreibt, möchte ich es bestätigen. Es wirkt ähnlich wie die doppelte Verneinung.

    Ich hatte Probleme beim ersten Lesen, weil der Satz aus dem Zusammenhang gerissen war.

    Viele Grüße von Bernd.
     

    AGATHA2

    Senior Member
    german Austria
    Guten Tag, :)

    "Ich schreibe keinen politischen Roman, um für irgendeine Sache Propaganda zu machen"
    Wenn man nicht darüber nachgrübelt ist dieser Satz ganz eindeutig - der Zweck meines politischen Romans ist es nicht, für irgendeine Sache Propaganda zu machen. Wenn man natürlich Haare in der Suppe sucht, könnte es schon auch heißen - ich mache Propaganda und schreibe deswegen keinen Roman
     
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