in diesem Buch lesen / in dein Adressbuch schreiben. (Kasus)

Allegro molto

Senior Member
Japanese
Hallo

1. Ich habe es in diesem Buch gelesen.
2. Schreib es in dein Adressbuch.
(aus Collins German Dictionary)

Warum gebraucht man den Dativ 'diesem Buch' im ersten Satz und den Akkusativ 'dein Adressbuch' im zweiten Satz?

Danke schön
 
  • bearded

    Senior Member
    Hallo
    Ich denke, das Schreiben sei im Vergleich zum Lesen 'dynamischer', und die deutsche Sprache empfinde es deshalb als eine Bewegung, eine Richtung. Aus diesem Grund der Akkusativ. Beim Lesen ist alles 'statischer', es bewegen sich ja nur die Augen.
    Deutsche Muttersprachler werden dies hoffentlich bestätigen.
     

    berndf

    Moderator
    German (Germany)
    Der Akkusativ drückt das Ziel der Handlung aus (Destinativ; "wohin"). D.h. ein Text wird in das Buch hinein geschrieben. Für das Lesen ist diese Semantik nicht anwendbar. Der Text steht schon dort. Die Präposition in kann daher nur lokative und nicht destinative Bedeutung haben. Lokativ ("wo") und Ablativ ("woher") werden im Deutschen durch den Dativ ausgedrückt und Destinativ ("wohin") durch den Akkusativ.
     
    Last edited:

    bearded

    Senior Member
    Danke, berndf, dass Du meine Erklärung bestätigt und in perfekte grammatische Ausdrücke umgesetzt hast. Ich wollte anfangs auch so etwas tun (natürlich nicht so gut wie Du), dachte aber, dies könnte für unseren japanischen Freund ein wenig zu schwierig werden.
     

    Glockenblume

    Senior Member
    Deutsch (Hochdeutsch und "Frängisch")
    Der Akkusativ drückt das Ziel der Handlung aus (Destinativ; "wohin"). D.h. ein Text wird in das Buch hinein geschrieben. Für das Lesen ist diese Semantik nicht anwendbar. Der Text steht schon dort. Die Präposition in kann daher nur lokative und nicht destinative Bedeutung haben. Lokativ ("wo") und Ablativ ("woher") werden im Deutschen durch den Dativ ausgedrückt und Destinativ ("wohin") durch den Akkusativ.
    Ich würde im letzten Fall gerne noch ergänzen:
    Lokativ ("wo") und Ablativ ("woher") werden im Deutschen durch den Dativ ausgedrückt und Destinativ ("wohin") - bei vielen Präpositionen - durch den Akkusativ. (Dann ist die Regel nicht nur auf den Beispielssatz beschränkt, und man kann sie verallgemeinern.)
    Denn es gibt auch Präpositionen mit Dativ, die den Destinativ ausdrücken: z. B. zu
     

    berndf

    Moderator
    German (Germany)
    Danke, berndf, dass Du meine Erklärung bestätigt und in perfekte grammatische Ausdrücke umgesetzt hast. Ich wollte anfangs auch so etwas tun (natürlich nicht so gut wie Du), dachte aber, dies könnte für unseren japanischen Freund ein wenig zu schwierig werden.
    Es tut mir leid, wenn ich etwas Wasser in den Wein gießen muss, aber ich kann Deine Beschreibung nur zum Teil bestätigen und musste ihr implizit zum Teil auch widersprechen. Mit "statisch" oder "unbewegt" und "dynamisch" oder "bewegt" hat dies alles wenig zu tun. So kann ich sehr unbewegt in den Schlaf gleiten, kann aber im Stadion bis zur Erschöpfung laufen. Worauf es ankommt ist, ob die Präposition in einen Ort, einen Zeitpunkt oder einen Umstand beschreibt, in dessen Rahmen eine Handlung stattfindet, ein "wo", oder ob sie das Ziel der Handlung, ein "wohin", beschreibt.
     

    nievedemango

    Senior Member
    alemán / German
    Ich möchte berndf zustimmen.
    "in" ist eine sog. Wechselpräposition, d.h., sie kann Dativ oder Akkusativ nach sich haben. Deshalb muss man fragen "wo" (Dativ) oder "wohin" (Akk.).

    Einige Beispiele:
    Ich gehe in die Stadt. (Wohin gehe ich?) ► Akk.
    Ich bin in der Stadt. (Wo bin ich?) ► Dativ

    Die Kinder gehen in den Kindergarten. (Wohin?)
    Sie sind im Kindergarten. (Wo sind sie?)

    Wir fahren an den Strand. (Wir sind noch nicht dort, wir müssen zuerst hinfahren.)
    Wir sind am Strand. (Wir befinden uns bereits dort. Wo sind wir?)

    Andere Wechselpräpositionen sind z.B. an, unter, auf, über, ...
     

    berndf

    Moderator
    German (Germany)
    Denn es gibt auch Präpositionen mit Dativ, die den Destinativ ausdrücken: z. B. zu
    Ja, zu ist eine sehr merkwürdige Präposition, die mich lange Zeit verwundert hat. Sie kann sowohl lokative (zu dieser Zeit; zu Hause) als auch destinative (ich gehe zu ihm) Bedeutung haben kann aber fest mit dem Dativ verbunden ist. Dies war auch schon im Althochdeutschen und im Altenglischen so. Allerdings ist das gotische du noch eine Wechselpräposition, wie man es eigentlich erwartet hätte. Die destinative Verwendung mit Akkusativ wird wohl im Urgermanischen existiert haben, muss aber im frühen Westgermanischen verloren gegangen sein. Warum ist mir immer noch ein Rätsel.
     

    Allegro molto

    Senior Member
    Japanese
    Der Akkusativ drückt das Ziel der Handlung aus (Destinativ; "wohin"). D.h. ein Text wird in das Buch hinein geschrieben. Für das Lesen ist diese Semantik nicht anwendbar. Der Text steht schon dort. Die Präposition in kann daher nur lokative und nicht destinative Bedeutung haben. Lokativ ("wo") und Ablativ ("woher") werden im Deutschen durch den Dativ ausgedrückt und Destinativ ("wohin") durch den Akkusativ.

    Vielen Dank

    Ich habe bis #6 gelesen und ich werde danach lesen.
    Ich glaube, dass was bisher fur mich wichtig ist, das blaue Teil ist.
     
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    Sowka

    Forera und Moderatorin
    German, Northern Germany
    Ich habe es in diesen Text hineingelesen.
    Das ist möglich in destinativem Sinn. Es bedeutet eine Textänderung beim Lesen durch Fehlinterpretation.
    Das stimmt schon, aber es funktioniert nur mit "hineinlesen". In diesem Thread geht es jedoch um das Verb "lesen". Und damit wird generell der Dativ verbunden.
     
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