Konjunktiv: die Kritik der Ökonomie historisch oder logisch angelegt werden könnte

bobo85

Member
turkish
Hi,
I do not understand why in the sentence below "könnte" is used. Is this Konjuktive I or Konjuktive II? Because I would expect "angelegt werden könne" or "angelegt werden können habe" (Konjuktive I)

Vielen Dank...
Bobo85

"In seiner Rezension von Zur Kritik der politischen Ökonomie schrieb er, dass die Kritik der Ökonomie „historisch oder logisch" angelegt werden könnte"
 
  • kelt

    Senior Member
    Czech Republic, Czech
    This is definitely Konjunktiv II, why the author didn't use könne of Konjunktiv I remains unknown with me too.
     

    berndf

    Moderator
    German (Germany)
    In this case it is simply an issue of agreement of tenses:
    "In seiner Rezension von Zur Kritik der politischen Ökonomie schrieb er, dass die Kritik der Ökonomie „historisch oder logisch" angelegt werden könnte."​
    "In seiner Rezension von Zur Kritik der politischen Ökonomie schreibt er, dass die Kritik der Ökonomie „historisch oder logisch" angelegt werden könne."

    Nowadays the two Konjunktiv forms have largely lost their tense aspects. That is why they are usually called Konjunktiv I and Konjunktiv II and not Konjunktiv Präsens and Konjunktiv Päteritum/Perfekt any more. But many writers/speakers still respect the traditional agreement of tense rules for indirect speech.
     

    Kuestenwache

    Senior Member
    German-Germany
    but that would mean he really wrote:
    "Die Kritik an der Ökonomie konnte "historisch oder logisch" angelegt werden." so he already wrote in past tense. I think it's really just a mistake. Many people in Germany tend to use Konjunktiv II instead of Konjunktiv I because it feels more natural in spoken language. In my oppinion unless the autor really used the past tense form as above, it would still have to be Kunjunktiv I.
     

    berndf

    Moderator
    German (Germany)
    I am afraid you are mistaken. The traditional rule goes as follows:
    Suppose you have to following sentences in direct speech:
    "In seiner Rezension von Zur Kritik der politischen Ökonomie schreibt er: "Die Kritik der Ökonomie kann „historisch oder logisch" angelegt werden"."
    "In seiner Rezension von Zur Kritik der politischen Ökonomie schrieb er: "Die Kritik der Ökonomie kann „historisch oder logisch" angelegt werden"."​

    If you convert these two sentences into indirect speech, the tense remains unchanged, if the utterance takes place in the present (1) and the tense drops back to past, if the utterance took place in the past (2):
    "In seiner Rezension von Zur Kritik der politischen Ökonomie schreibt er, dass die Kritik der Ökonomie „historisch oder logisch" angelegt werden könne."
    "In seiner Rezension von Zur Kritik der politischen Ökonomie schrieb er, dass die Kritik der Ökonomie „historisch oder logisch" angelegt werden könnte."​
     

    Kuestenwache

    Senior Member
    German-Germany
    So if instead of using indirect speach you used direct speach, you would say that
    "Ich glaube man sollte Konjunktik I verwenden" becomes
    "Letzte woche schrieb er:>Ich glaubte man sollte Konjunktiv I verwenden.<"
    I think we are talking about some sort of metatense here, we have the grammatical tense of the quote, which is present and we have the temporal tense of this incident, which is from our point of view past. So we are talking about something in the past, that was present at that time. I give you other examples:
    "Vor 500 Jahren dachte man, die Erde sei eine Scheibe"
    "Vor 100 Jahren waren Wissenschaftler der Meinung, Schallgeschwindigkeit könne nie erreicht werden"
    Again I'm not 100% sure, but to me this makes sense.
     

    berndf

    Moderator
    German (Germany)
    "Vor 500 Jahren dachte man, die Erde sei eine Scheibe"

    Ich bin Jahrgang 1959. Wenn der Autor mindestens to alt ist wie ich (wovon ich bei einer Marx Rezension ausgehe), musst Du davon ausgehen, dass ihm der oben stehende Satz im Aufsatz in der Schule als Grammatikfehler angestrichen worden wäre mit dem Hinweis, es müsste "Vor 500 Jahren dachte man, die Erde wäre eine Scheibe" heissen.

    Heute ist das anders, heute ist beides möglich, keine Frage. Damals war es aber so.
     

    Kuestenwache

    Senior Member
    German-Germany
    Kann gut sein, mir kam es nur wie gesagt komisch vor, weil es mir von einem sehr überzeugend wirkenden Deutschlehrer so beigebracht wurde, dass man in der indirekten Rede auch möglichst das Tempus der ursprünglichen Rede benutzen sollte. Er hat unseren gesamten Kurs dazu angehalten die indirekte Rede mit Konjunktiv I zu schreiben, wenn möglich. Wie gesagt ich kann mich gut irren, aber so hab ich es gelernt.
     

    berndf

    Moderator
    German (Germany)
    Du hast vollkommen recht. Wie gesagt, gar keine Frage. Um den zitierten Satz richtig zu verstehen, sollte man nur wissen, das dies früher in der Schule mal anders gelehrt wurde.
     

    Robocop

    Senior Member
    (Swiss) German
    Wir hatten vor einiger Zeit eine längere Diskussion über dieses Thema. Schau hier.

    Jene Diskussion hat mir persönlich eine nützliche Erkenntnis gebracht:

    *** Anfang Zitat (aus dem angegebenen Thread)
    Nachdem ich mich nun längere Zeit mit der Thematik dieses ausufernden Threads befasst habe, ist mir bewusst geworden, dass es eigentlich sinnvoll und hilfreich wäre, "indirekte Wiedergabe" und "indirekte Rede" auseinanderzuhalten.

    - Indirekte Rede entsteht dadurch, dass man unmittelbar von der direkten Rede ausgeht und nur die minimalsten Anpassungen vornimmt (Person und Modus!). Hier muss immer ein Konjunktiv verwendet werden!!

    - Indirekte Wiedergabe hingegen ist sozusagen die "freie Form" der indirekten Rede (siehe canoo.net), die in gewissen Fällen (siehe oben stehende Regel) auch die Verwendung des Indikativs erlaubt.
    *** Ende Zitat
     
    Top