lass mich (nicht) lügen

elroy

Moderator: EHL, Arabic, Hebrew, German(-Spanish)
US English, Palestinian Arabic bilingual
Sagt man bei ungefähren Abschätzungen sowohl „lass mich lügen“ als auch „lass mich nicht lügen“? Was sagt/hört Ihr häufiger?
 
  • Sowka

    Forera und Moderatorin
    German, Northern Germany
    Ich habe das schon lange nicht mehr gehört.

    Verwendet habe ich es gefunden, wenn man kurz überlegen muss, wie ein Wert lauten könnte, und ich kenne es ohne "nicht":

    Was ich 1977 für meinen gebrauchten Käfer bezahlt habe? Hmm, ... lass mich lügen... ich glaube, 1500 DM.
     

    Hutschi

    Senior Member
    Ich habe das schon lange nicht mehr gehört.
    Ich auch nicht. Aktiv verwendet habe ich es nicht, oder ich habe es völlig vergessen. Es war noch in den 1960er bis 1980er Jahren.
    Ich glaube, ich habe gehört "lass mich nicht lügen".

    Vielleicht hilft, dass es im Redensartenindex steht:
    Lass mich lügen

    Dort wird behauptet:

    umgangssprachlich; Die auf wörtlicher Ebene gegenteiligen Varianten bedeuten als Redensart dasselbe. Dabei tritt "lass mich nicht lügen" häufiger auf

    Ich habe auch sehr wahrscheinlich die Form "Lass mich nicht lügen" häufiger gehört.

    DWDS:
    DWDS – Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache

    Da kommt es nur im Zeitungskorpus vor.
    Und die Form ohne "nicht" ist häufiger. In den Zeitungen kam es fast nur zwischen 2000 und 2015 vor.

    DWDS-Wortverlaufskurve für „Lass mich lügen · Lass mich nicht lügen“, erstellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <DWDS – Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache>, abgerufen am 7.8.2022.
    Weitere Informationen …

    lass-mich-lgen-lass-mich.jpeg

    edit: Bild eingefügt
     
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    Sowka

    Forera und Moderatorin
    German, Northern Germany
    Interessant! Ich habe das immer ironisch aufgefasst (um die Sprechpause beim Nachdenken zu überbrücken und zu "begründen"), heutzutage quasi mit Smiley "lass mich lügen ;)"
     

    Hutschi

    Senior Member
    Interessant! Ich habe das immer ironisch aufgefasst (um die Sprechpause beim Nachdenken zu überbrücken und zu "begründen"), heutzutage quasi mit Smiley "lass mich lügen ;)"
    Zusätzlich und um zu sagen, dass die Zahlen geschätzt sind und nicht auf die Goldwaage gelegt werden sollten.
    Ich höre/ lese "Lass mich (nicht) lügen" heute zum ersten Mal.
    Es ist ja sehr selten. Schriftlich extrem selten, denn es scheint mündlich als Kommunikations-Organisierer zu dienen. (Gibt es einen schöneren Ausdruck?)
    Heute würde es wohl durch Smileys ergänzt, da stimme ich Sowka zu.
    ---

    Meine Frau sagt, sie kennt es und es sei sehr selten, sie hat es sehr lange nicht gehört und nicht im aktiven Wortschatz.
    Sie vermutet, sie habe es aus dem Westen gehört (Film).
    Ich kann mich nur erinnern, dass es in Gesprächen im Osten verwendet wurde, aber von meiner Frau und mir nicht, sondern von älteren, und heute bin ich 68.
     
    Last edited:

    Frieder

    Senior Member
    Ich kannte bisher nur die Form »lass mich nicht lügen«. Dass es auch ohne »nicht« geht war mir neu. Aktiv benutzt habe ich beide Formen noch nie. Man hört es aber öfter hier im Ruhrgebiet (mit »nicht«).
     

    Demiurg

    Senior Member
    German
    Ich kenne auch nur "lass mich nicht lügen". Es geht m.E. darum, dass man von etwas erzählt, an das man sich nicht mehr richtig erinnert, und einen Gesprächspartner bittet, das ggf. zu korrigieren.
     

    Hutschi

    Senior Member
    Häufiger höre ich "Pi mal Daumen" oder "über den Daumen gepeilt".
    Beide kenne ich auch.

    "Pi mal Daumen" gehört zu meinem aktiven Wortschatz.
    Scherzhaft auch: "Daumen, Pi mal Fensterkreuz."

    ---
    Interessant! Ich habe das immer ironisch aufgefasst (um die Sprechpause beim Nachdenken zu überbrücken und zu "begründen"),

    Hierfür geht auch: "Lass mich nachdenken!"
     

    Sowka

    Forera und Moderatorin
    German, Northern Germany
    Hierfür geht auch: "Lass mich nachdenken!"
    Ja, natürlich. Aber das hat nicht die neckische Komponente, dass ich nachdenke, um zu lügen. ;)

    Ich kenne auch nur "lass mich nicht lügen". Es geht m.E. darum, dass man von etwas erzählt, an das man sich nicht mehr richtig erinnert, und einen Gesprächspartner bittet, das ggf. zu korrigieren.
    Oder, wenn der Gesprächspartner die Tatsachen nicht kennen kann (wie in meinem Auto-Beispiel aus dem Jahr 1977 (Beitrag #2)), dann ist die Bitte, meine Aussage mit einem gewissen Vorbehalt aufzunehmen, mich nicht eines Tages (wenn mein Gesprächspartner die Rechnung aus dem Jahr 1977 gefunden hat) "drauf festzunageln".
     
    Last edited:

    διαφορετικός

    Senior Member
    Swiss German - Switzerland
    Es geht m.E. nicht um eine Schätzung, sondern um ein lückenhafte Erinnerung oder vermeintliches Wissen. Also eher in Richtung "wenn ich mich recht erinnere" oder "soweit ich weiß".
    Das hatte ich vermutet, entspricht aber nicht der Fragestellung. ;) Und laut Redensarten-Index gibt es tatsächlich beide Bedeutungen:
    Ausdruck der Unsicherheit bei Abschätzungen oder wenn man sich nicht mehr genau erinnert
     

    Kajjo

    Senior Member
    Ich kenne die Wendung, verwende sie aber aktiv gar nicht und höre sie auch nur noch selten. Mir erscheint das altmodisch, aber es gibt einzelne Personen, die es routinehaft verwenden.

    In meinem Umfeld höre ich öfter die Form ohne "nicht", aber beides ist möglich.

    Ich kenne es eigentlich nur in der Bedeutung "ich weiß es nicht (mehr) genau".
     

    berndf

    Moderator
    German (Germany)
    Ich habe beide (mit und ohne nicht) Redewendungen gehört, bin aber nie auf die Idee gekommen, sie für gleichbedeutend oder austauschbar zu halten. Seit ihr euch da sicher?
     

    Sowka

    Forera und Moderatorin
    German, Northern Germany
    Wie gesagt: ich kenne nur die Fassung ohne "nicht".

    Wie würdest Du sie denn unterschiedlich verwenden?
     

    berndf

    Moderator
    German (Germany)
    So verstehe ich es:
    1. Ohne nicht: Deutet an, dass es sich um eine grobe Schätzung oder ungenaue Erinnerung handelt.
    2. Mit nicht: Deutet an, dass der Sprecher sein bestes tut, eine gute Schätzung abzugeben bzw. als Lückenfüller, um anzudeuten, dass der Sprecher noch etwas mehr Zeit zur Abwägung seiner Antwort braucht.
     
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    elroy

    Moderator: EHL, Arabic, Hebrew, German(-Spanish)
    US English, Palestinian Arabic bilingual
    Danke an alle für Eure Antworten!

    Mir fällt an Euren Antworten bisher vor allem zweierlei auf:
    - Die meisten kennen die Wendung, haben sie also gehört oder hören sie immer noch, verwenden sie aber aktiv nicht. Warum das wohl so ist? Wenn andere die Wendung verwenden, warum gerade Ihr nicht? :D
    - Einige kennen nur die Variante mit "nicht", andere nur die Variante ohne. Ob das mit regionalen oder sonstigen Unterschieden zu tun hat?

    Gehört habe ich die Wendung, ohne "nicht", in diesem kurzen Video (von @berndf genehmigt), das vor weniger als einem Jahr veröffentlicht wurde. Der Sprecher, Benjamin Rannig, ist in Dresden geboren und aufgewachsen und hat in Berlin studiert. Er ist ziemlich jung, was eher ausschließen würde, dass die Wendung etwa veraltend wäre, aber als ein sprachlich sehr bewanderter Deutschlehrer kann es auch sein, dass er einen außerordentlich großen Wortschatz hat und sich mitunter eher ungeläufiger Wendungen bedient. Seine sprachliche Kompetenz könnte also zwar für die Gängigkeit der Wendung sprechen, aber nicht unbedingt!

    Die Variante mit "nicht" habe ich gefunden, als ich die Wendung nachgeschlagen habe. Laut dem Redensartindex haben beide Varianten dieselbe Bedeutung. Das hat mich an die englische Wendung "could(n't) care less" erinnert, die ebenso mit oder ohne Verneinung verwendet wird, mit derselben Bedeutung.

    Allerdings erfahren wir jetzt, dass für @berndf doch ein Unterschied, wenn auch meiner Meinung nach ein eher subtiler, besteht!

    Ich freue mich auf weitere Meldungen!
     

    Kajjo

    Senior Member
    Wenn andere die Wendung verwenden, warum gerade Ihr nicht?
    Von 100 Bekannten verwenden vielleicht 5 die Wendung.

    ziemlich jung, was eher ausschließen würde, dass die Wendung etwa veraltend wäre
    Das sehe ich nicht so. So etwas nimmt man sich von Eltern oder Großeltern an und wenn das in einer bestimmten Familie noch so gesagt wird, dann ist es dort halt noch aktuell, für die meisten anderen aber schon am Veralten.
    1. Ohne nicht: Deutet an, dass es sich um eine grobe Schätzung oder ungenaue Erinnerung handelt.
    2. Mit nicht: Deutet an, dass der Sprecher sein bestes tut, eine gute Schätzung abzugeben bzw. als Lückenfüller, um anzudeuten, dass der Sprecher noch etwas mehr Zeit zur Abwägung seiner Antwort braucht.
    Ja, ich finde die Unterscheidung ergibt semantisch Sinn. Ob das wirklich im Alltag so unterschieden wird, vermag ich nicht zu sagen. Dafür höre ich das zu selten.
     

    Hutschi

    Senior Member
    warum gerade Ihr nicht?
    Ich habe sie viele Jahre nicht mehr gehört - oder zumindest nicht mehr wahrgenommen.
    Vielleicht hat es aber auch etwas mit dem allgemeinen Schwund von Redewendungen zu tun.
    Es wird mehr und mehr direkt gesagt.
    Mir erscheint es deshalb zu veralten, weil ich es das letzte Mal vor Jahren gehört, aber selbst nicht aktiv verwendet habe.
    Es waren immer ältere Personen als ich, die es verwendet haben.

    Es mag Ausnahmen geben, aber es war so selten, dass ich mich dann nicht mehr erinnere, sollte das der Fall sein.
     
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