Name der Grammatikform

mahau

Senior Member
Lithuanian
Hallo zusammen,

Ich finde regelmäßig im Media eine grammatische Form, deren Name ich leider nicht kenne. Kann mir jemand helfen?

Es sieht so aus: Substantiv + Modalverb (meistens "sollen") + Partizip 2 + haben ("sein" geht bestimmt auch)
 
  • Roy776

    Senior Member
    German & AmE
    Z.B.:
    1) Peter sollte gelernt haben?
    2) Er sollte bereits losgegangen sein.

    Falls Du das meinst, dann ist Arukami, zumindest was das Modalverb angeht, schon ganz richtig mit Konjunktiv II. Diese Satzstruktur drückt aus, dass etwas eingetreten sein sollte, man sich dessen aber nicht sicher ist, oder es nicht (sicher) weiß. Welchen Namen sie jedoch trägt - und ob sie überhaupt einen hat - weiß ich leider nicht.

    Er war vor 2 Wochen beim Arzt gewesen. Er sagte, es würde 1 Woche dauern, bis die Ergebnisse vorliegen. Der Arzt sollte die Ergebnisse bereits erhalten haben.

    Die Aussage ist folgende:
    1) Wir wissen, dass besagte Person beim Arzt war.
    2) Es wurde gesagt, dass die Ergebnisse nach einer Woche da sein werden.
    Und hier ist der springende Punkt:
    3) Die Zeit ist bereits abgelaufen, das heißt, dass der Arzt, unserem Wissen nach, die Ergebnisse haben sollte.
    Das wissen wir allerdings nicht sicher.

    Kurzum: Es beschreibt ein vergangenes Ereignis, das eingetreten sein sollte, wofür wir aber keine Bestätigung haben.

    Ich hoffe meine Erklärung war jetzt nicht unnötig ausschweifend oder kompliziert :eek:
     

    mahau

    Senior Member
    Lithuanian
    Danke für alle. Ich dachte über den Fall, den berndf vorgeschlagen hat. Aber jetzt bin ich ganz verwirrt, weil die Möglichkeit mir wenig Sinn macht. Sieht Stärke-Skala so aus:
    1. Er hat das getan (ich bin sicher, dass er das getan hat)
    2. Er soll das getan haben (Ich bin ziemlich sicher, aber will unabhängig bleiben)
    3. Er sollte das getan haben (Ich weiß nicht genau, aber will unabhängig und korrekt sein)

    Bis jetzt habe ich immer Konjuktiv1/2 für Distanzierung von der Richtigkeit der Aussage verwendet, aber Modalverb + Partizip Infinitiv ist neu für mich.
     

    Roy776

    Senior Member
    German & AmE
    Danke für alle. Ich dachte über den Fall, den berndf vorgeschlagen hat. Aber jetzt bin ich ganz verwirrt, weil die Möglichkeit mir wenig Sinn macht. Sieht Stärke-Skala so aus:
    1. Er hat das getan (ich bin sicher, dass er das getan hat)
    2. Er soll das getan haben (Ich bin ziemlich sicher, aber will unabhängig bleiben)
    3. Er sollte das getan haben (Ich weiß nicht genau, aber will unabhängig und korrekt sein)

    Bis jetzt habe ich immer Konjuktiv1/2 für Distanzierung von der Richtigkeit der Aussage verwendet, aber Modalverb + Partizip Infinitiv ist neu für mich.

    Du solltest vielleicht auf jemand anderen warten, um dir das Dritte erklären zu lassen, aber das Zweite ist ein wenig falsch.
    Er soll das getan haben deutet auf Hörensagen hin. Sprich: Man hat es gehört, weiß davon aber nicht aus erster Hand. Es deutet also nicht auf ziemliche Sicherheit hin, sondern auf die Unsicherheit, die man über das Gehörte hat.
     

    Arukami

    Senior Member
    Das Dritte ist einfach die Vergangenheit des Zweiten (er sollte) und daher kann man davon ausgehen, dass quasi das 2. einmal der Fall war, jetzt aber die Ungereimtheiten geklärt sind, und der Sprecher sich sicher ist, dass dies nicht der Fall ist und war. Also z. B.:

    "Er sollte die Frau getötet habe, doch es stellte sich am Ende heraus, dass die Mutter die Frau getötet hatte"

    Um etwas zu sagen, bei dem man sich ziemlich sicher ist (aber eben nicht zu 100%) sagt man das meist so:

    "Ich glaube, dass ..."
    "Ich denke, dass ..."
    "Ich schätze, dass ..."
     

    manfy

    Senior Member
    German - Austria
    mahau, Du hast recht! Generell wird Konjunktiv1/2 in indirekter Rede zur Distanzierung von der Aussage verwendet.
    Konjunktiv1 deutet Deine Zweifel an der Richtigkeit an, Konjunktiv2 bedeutet meistens, dass Du gegenteiliger Meinung bist.

    Wie so oft in der deutschen Sprache, gibt es aber unzaehlige Ausnahmen und 'sollen' ist eine davon!
    Zu Deinem Beispiel:
    1) Sie behauptet, er hat das getan. (heisst: Sie glaubt es und Du zweifelst nicht daran ODER hast einfach keine eigene Meinung dazu)
    2) Konjunktiv1: Sie behauptet, er habe das getan. (Sie glaubt es aber Du hast Deine Zweifel)
    3) Konjunktiv2: Sie behauptet, er haette das getan. (Sie glaubt es aber Du bist eigentlich anderer Meinung)
    4) verstaerkter Form: Sie behauptet, er soll das getan haben. (Sie glaubt es aber Du hast staerkste Zweifel daran. Wie Roy776 richtig erwaehnt hat, gehst Du davon aus, dass ihre Behauptung ein Geruecht ist, bzw. Hoerensagen)
    5) Sie behauptet, er sollte das getan haben. (primaere Bedeutung fuer mich: Sie ist der Meinung, er haette dies tun sollen! you notice the fundamental difference to the other statements, right?!!)

    Variante 5) ist sehr gefaehrlich und ich persoenlich wuerde es weder in Wort noch Schrift verwenden, da mehrdeutig!!

    Arukami hat Recht mit seiner Aussage, dass dies die Vergangenheitsform von 'soll getan haben' sein kann und in seinem Beispielssatz ist dies auch recht klar - in meinem obigen Beispiel ist dem aber nicht so!
    Grund dafuer:
    * Vergangenheitsfrom und Konjunktiv2 von 'sollen' ist identisch
    * und speziell: Konjunktiv 2 (ich sollte, du solltest, etc) hat in deutsch eine spezielle Bedeutung (im Gegensatz zur obigen generellen Beschreibung von Kon2): es beschreibt eine Vermutung oder persoenliche Empfehlung!
    Falls die Anwendung aufgrund der Satz-konstellation nicht eindeutig beschrieben ist, wird es zu fast 100% als Empfehlung des Sprechers verstanden.

    Beispiel:
    Er sollte zum Arzt gehen.
    -> falls dies Praeteritum ist, heisst das: Er haette (z.B. gestern) zum Arzt gehen sollen. (...laut seinem Terminplan.)
    -> falls dies Konjunktiv2 ist, heisst es: Meiner Meinung/Empfehlung nach muesste er irgendwann zum Arzt. (...anstatt zu jammern und im Bett zu liegen.)
    ohne explizite Beschreibung wird immer das letztere angenommen! (zumindest im oesterreichischen & sueddeutschen Raum)

    umgelegt auf Dein Beispiel 'Er sollte das getan haben':
    als Praeteritum heisst das: Es wurde (damals) angenommen, dass er das getan haben soll.
    als Konjunktiv 2 heisst das: Meiner Meinung nach, haette ER das tun sollen (anstatt jemand anderem).
    oder auch: Meiner Meinung nach sollte er es bereits getan haben (aber vielleicht ist er noch nicht fertig damit).

    Es waere toll, wenn eine 'echter Germanist' diese meine Aussagen bestaetigen oder evtl. auch korrigieren koennte! :)
     

    manfy

    Senior Member
    German - Austria
    oops! Jetzt habe ich doch glatt eine Grammatikregel (fuer indirekte Rede) gefunden, die behauptet:
    Stimmt die Form von Konjunktiv II wiederum mit dem Präteritum des Indikativs überein, verwenden wir die Umschreibung mit würde.

    Beispiel:
    direkte Rede: Er sagte: "Sie lachen viel"
    indirekte Rede, Konjunktiv2: Er sagte, dass sie viel lachten. -> falsch! (denn dies ist identisch mit Vergangenheit)
    indirekte Rede, Konjunktiv2: Er sagte, dass sie viel lachen wuerden. -> richtig!

    dies stimmt zwar mit vielen Verben, ergibt aber (fuer mich) keinen Sinn mit 'sollen' !!
    falls diese Regel generell stimmt, sollte meine variante 5 im Konjunktiv2 richtigerweise lauten:
    Sie behauptet, er wuerde das getan haben sollen.
    dies klingt fuer mich aber sehr sonderbar und regelrecht falsch (auch wenn vielleicht grammatikalisch richtig!!??!!).

    input from specialists would be highly appreciated!
     

    Syzygy

    Senior Member
    German
    In einigen Texten habe ich auch die Ausdrücke "deontische" bzw. in deinem Fall "epistemische Modalität" dafür gefunden.
     
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