Vor-Vorvergangenheit

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ablativ

Senior Member
German(y)
Hi,

gibt es in der deutschen Grammatik eingentlich eine Vor-Vorvergangenheit, oder ist eine Steigerung des Plusquamperfekts nicht möglich?

Bsp.: Bevor ich gestern Abend ins Kino ging [Vergangenheit], war ich auf dem Sofa eingeschlafen [Vorvergangenheit], da ich die Nacht zuvor wenig geschlafen hatte (?) [Vor-Vorvergangenheit].
 
  • Piotr_WRF

    Senior Member
    Polish, German
    War ich eingeschlafen und geschlafen hatte ist beides Plusquamperfekt; ich denke nicht, daß es eine Vor-Vorvergangenheit im Deutschen gibt oder in irgendeiner anderen indo-europäischen Sprache.
     

    Hutschi

    Senior Member
    Trotzdem kann man sie ausdrücken. Es gibt zwar keine grammatische Konjugationsform dafür, trotzdem kann man die (semantische) Vorvorvergangenheit recht einfach beschreiben, wie das von Ablativ angegebene Beispiel zeigt.
     

    Whodunit

    Senior Member
    Deutschland ~ Deutsch/Sächsisch
    Nein, wie bereits zweimal bestätigt, gibt es keine Vor-Vorvergangenheit. Warum sollte es so etwas auch geben? Ich kenne schließlich auch keine Sprache, die ein Nach-Futur (nachdem ich dich besiegt haben werde, werde ich jubeln und noch später werde ich eine Medaille bekommen) bentzt. ;)
     

    Hutschi

    Senior Member
    Wir sprechen über verschiedene Dinge. Natürlich gibt es eine Vor-Vor-Vergangenheit. Sie lässt sich auch mit grammatisch richtigen Mitteln ausdrücken. Es gibt nur keine grammatische Form, die "Vor-Vorvergangenheit" heißt und extra Konjugationsformen benutzt. Die Markierung erfolgt nicht durch das Verb sondern auf andere Weise. Es gibt also keine Verbform mit Vorvorvergangenheit.

    Beweis:

    Gegenwart:
    Ich gehe ins Kino.
    Vergangenheit:
    Ich ging ins Kino.
    Vorvergangenheit:
    Bevor ich ins Kino ging, hatte ich Zahnschmerzen gehabt.

    Vorvorvergangenheit: (keine grammatische Verb-Form, aber ausdrückbar:)

    Bevor ich ins Kino ging, hatte ich Zahnschmerzen gehabt, nachdem ich Schokolade gegessen hatte.

    Zum Vergleich: Ähnlich verhält es sich mit Zukunftsformen:

    Ich kann die Zukunft mit der grammatischen Zukunft oder mit der grammatischen Gegenwart ausdrücken:

    Morgen werde ich ins Kino gehen. Morgen gehe ich ins Kino.

    Beides ist Zukunft, nur der erste Satz verwendet die grammatische Zukunftsform des Verbes.
    Der zweite drückt die Zukunft explizit durch Angabe des Zeitpunktes aus.
    Der erste Satz enthält stärkere Redundanz, die dazu führt, dass "werde" noch besondere Funktionen erhalten kann. In regionaler Sprache kann er zum Beispiel Unsicherheit ausdrücken.

    ---
    Bevor ich gestern Abend ins Kino ging [Vergangenheit], war ich auf dem Sofa eingeschlafen [Vorvergangenheit], da ich die Nacht zuvor wenig geschlafen hatte (Vorvorvergangenheit), obwohl ich eine Tablette eingenommen hatte (Vorvorvorvergangenheit).
    Satzstellung und entsprechende Verbindungswörter übernehmen die Aufgabe der zeitlichen Reihenfolge.
     
    Last edited:

    ablativ

    Senior Member
    German(y)
    Besten Dank für die Erklärungen.

    @ Hutschi: Man könnte ja sogar noch eine (oder mehrere) Vorvergangenheitsstufe(n) konstruieren, indem man z.B. sagt:" ... obwohl ich eine Tablette genommen hatte, die ich letzte Woche in der Apotheke gekauft hatte." (" ... nachdem ich festgestellt hatte, dass mein Vorrat aufgebraucht war ...")
     
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