Wörter (zu) hören und nach(zu)sprechen übt die Aussprache

Andreas-Kay

New Member
Russian
Hallo zusammen!

Im Lehrbuch habe ich folgenden Satz gesehen:
"Wörter hören und nachsprechen übt die Aussprache".

Hätte aber ich diesen Satz geschrieben, hätte ich höchstwahrscheinlich "zu" benutzt, der Satz würde also wie folgt lauten:
"Wörter zu hören und nachzusprechen übt die Aussprache".

Ich gehe davon aus, dass wir schon das Verb "üben" im Satz haben und von daher brauchen wir jeweils "zu" vor dem Infinitiv. Stimmt das nicht?
 
  • διαφορετικός

    Senior Member
    Swiss German - Switzerland
    Die Verwendung von "zu" ist hier sicher richtig und entspricht der Standardsprache.

    Die Variante ohne "zu" finde ich nicht ganz unüblich, aber macht einen "unreinen" Eindruck.

    Nebenbei möchte ich darauf hinweisen, dass hier das Wort "übt" auf eine ungewöhnliche, wenn nicht sogar falsche Weise benutzt wird. Das Subjekt von "üben" ist in der Regel die ausführende Person.
     

    elroy

    Moderator: EHL, Arabic, Hebrew, German(-Spanish)
    US English, Palestinian Arabic bilingual
    Ich empfinde einen Unterschied in der Nuance:

    Wörter zu hören und nachzusprechen übt die Aussprache.
    Der Fokus liegt auf den Tätigkeiten an sich. Wenn man Wörter hört und nachspricht, wird die Aussprache geübt.

    Wörter hören und nachsprechen übt die Aussprache.
    Der Fokus liegt auf der Methode als solcher. Wenn man die Methode „Wörter hören und nachsprechen“ anwendet, wird die Aussprache geübt.

    Anstatt „übt“ hätte ich wahrscheinlich „trainiert“ gesagt.
     
    Last edited:

    Frieder

    Senior Member
    Dann aber besser:

    Das Hören und Nachsprechen von Wörtern übt die Aussprache.

    Ich empfinde übrigens die Verwendung von üben in diesem Zusammenhang als durchaus idiomatisch.

    Einfach mal gegugelt:
    - Falten übt die Motorik von Kindergartenkindern
    - Bleistifte wirbeln übt die Geschicklichkeit
    - Ein Therapiekreisel übt das Gleichgewicht
    - Sport fördert die motorischen Fähigkeiten, übt das Gleichgewicht und stärkt die Kondition der Kinder
     

    Thersites

    Senior Member
    German, Switzerland
    "Wörter hören und nachsprechen übt die Aussprache".

    "Wörter zu hören und nachzusprechen übt die Aussprache".
    Wie sieht es aber hier mit der "harten" Grammatik aus? Auch mir gefällt die Version mit zu besser. Weshalb aber ist es so, und wie wird dieser Unterscheid bezeichnet? Sprachlehrer?
     

    διαφορετικός

    Senior Member
    Swiss German - Switzerland
    Auch mir gefällt die Version mit zu besser. Weshalb aber ist es so [...]?
    Die Version ohne "zu" ...
    • ... erinnert zu Beginn an einen Satz mit Modalverb, z.B. "Wörter hören und nachsprechen kann jeder". Diese Erwartung wird aber enttäuscht. (Es kommt kein Modalverb.)
    • ... erinnert im Nachgang an einen Satz mit substantivierten Verben, wie z.B. "(Das) Nachsprechen übt die Aussprache". Jedoch kann ich den gegebenen Satz nicht eindeutig so klassifizieren. bearded und Frieder haben oben gezeigt, wie das aussehen könnte, aber der vorliegende Satz weicht davon ab.
    Wie man es nennen könnte, weiss ich nicht; ich kann nur darauf hinweisen, dass es mich an die Diskussion Montags ist nicht so gut, donnerstags passt ganz gut erinnert. Statt "donnerstags" oder "montags" heisst es nun hier "Wörter hören und nachsprechen". Zumindest intuitiv halte ich das für ähnliche Fälle.

    Ich empfinde übrigens die Verwendung von üben in diesem Zusammenhang als durchaus idiomatisch.
    Ich eigentlich auch. Es gibt wohl keine perfekte Alternative zu "üben".

    Anstatt „übt“ hätte ich wahrscheinlich „trainiert“ gesagt.
    "Trainieren" finde ich in diesem Zusammenhang tatsächlich ein wenig normaler als "üben". Noch eine Alternative wäre "schulen".
     

    elroy

    Moderator: EHL, Arabic, Hebrew, German(-Spanish)
    US English, Palestinian Arabic bilingual
    Die Variante ohne "zu" halte ich zumindest umgangssprachlich für unauffällig. Das habe ich schon sehr oft gehört.

    Wasser trinken ist sehr wichtig.
    Deutsch lernen macht Spaß.
    Spät ins Bett gehen macht morgens müde.
     

    Hutschi

    Senior Member
    Ich sehe denselben kleinen Unterschied in Konnotationen und im Betrachtungsstandpunkt.


    Ich empfinde einen Unterschied in der Nuance:

    Wörter zu hören und nachzusprechen übt die Aussprache.
    Der Fokus liegt auf den Tätigkeiten an sich. Wenn man Wörter hört und nachspricht, wird die Aussprache geübt. :tick:
    Wörter und "hören/nachzusprechen" ist konkreter.
    Ich höre Wörter bzw. die Wörter und spreche sie nach; "hören", "nachsprechen" und "Wörter" sind jeweils einzelne "Teile".

    Wörter hören und nachsprechen übt die Aussprache.
    Der Fokus liegt auf der Methode als solcher. Wenn man die Methode „Wörter hören und nachsprechen“ anwendet, wird die Aussprache geübt.

    Anstatt „übt“ hätte ich wahrscheinlich „trainiert“ gesagt.:tick:
    Genau.

    Der pragmatische Unterschied ist dabei eher gering.
    Stilistisch sehe ich die Form ohne "zu" als leicht gehoben, kann das aber nicht begründen. In Alltagssprache würde ich also die erste Form vorziehen, in schriftlichen (eher theoretischen) Arbeiten eher die zweite.

    :thumbsup: schulen finde ich ganz hervorragend, trainieren geht mir zu sehr in die sportliche Ecke, üben belegt bei mir Platz zwei. :)

    Es könnte sein, dass es leichte stilistische Unterschiede und unterschiedliche Häufigkeiten in der Anwendung gibt. "Schulen" erscheint mir im gegebenen Kontext ebenfalls am besten. "Trainieren" wird in Betrieben sehr oft verwendet, vielleicht als Anglizismus.
    "Üben" war in der Schule alltäglich, aber auch bei allgemeinen Schulungen, die ich erlebt habe.
     
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