weil der Wind auf unsern Graben zusteht.... (E. M. Remarque)

gramster

Senior Member
English - USA
Könnte man bitte mir erklärt, warum zusteht in diesem Satz benutzt ist? Ist es ein Fehler? Ich verstehe wirklich nicht.

"...Abends erlischt die Stimme zu einem Krächzen. Aber er stöhnt noch die ganze Nacht leise. Wir hören es so genau, weil der Wind auf unsern Graben zusteht...."

von Remarque, E.M.. Im Westen nichts Neues: Roman. Ohne Material. (German Edition) (p. 114). Kiepenheuer & Witsch eBook. Kindle Edition.

Vielen Dank!
 
  • Kajjo

    Senior Member
    Remarque verwendet oft Formulierungen, die nicht gerade üblich und idiomatisch sind. Gutes zeitgenössisches Deutsch lernt man damit leider nicht unbedingt immer.

    auf etwas zustehen = auf etwas gerichtet sein

    weil der Wind in Richtung unseres Grabens weht
     

    Schlabberlatz

    Senior Member
    German - Germany
    Remarque verwendet oft Formulierungen, die nicht gerade üblich und idiomatisch sind.
    Nicht üblich :tick:
    Nicht idiomatisch :confused:
    Es hört sich für mich nicht falsch an. Dass etwas selten ist, heißt nicht automatisch, dass es unidiomatisch ist. Allerdings könntest du in diesem Fall recht haben; im DWB wird diese spezielle Verwendung des Verbs als ›waidmännisch‹ bezeichnet:
    2) auf etwas gerichtet sein, waidm.: das wild steht zu, indem es, dem lockruf des jägers folgend, sich dem selben nähert in Österreich, s. zschr. f. dtsche wortforsch. 9, 63; sobald die färte aber auf einen davon (den büschen) zusteht, werde ich langsamer H. Löns
    8) während die bisher erwähnten bedeutungen überwiegend im 15. u. 16. jh. üblich waren und heute auszer gebrauch gekommen sind, geht die allgemein übliche anwendung auf das rechtsleben zurück, […]
    a) zustehen ist einem von rechtswegen gehören, wobei die zu grunde liegende räumliche vorstellung nicht mehr erkennbar ist: […]
    Wörterbuchnetz
     

    JClaudeK

    Senior Member
    Français France, Deutsch (SW-Dtl.)
    auf etwas zustehen = auf etwas gerichtet sein
    :thumbsup:
    Meiner Meinung nach wäre "weil der Wind auf unsern Graben zu steht*..../ der Wind steht auf unsern Graben zu" leichter verständlich.

    "zu" hat hier die Bedeutung "in Richtung von", wie (z.B.) in "der Soldat geht auf den Graben zu*."
    *auf jdn. / etw. zugehen" schreibt man allerdings auch zusammen.
     
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