Wenn du Gitarre spielst, gefällt mir.

Rafeind

Member
Icelandic - Iceland
Ich habe diesen Satz auf einer Grammatikseite gesehen. Hier. Da wird behauptet, dass von diesen drei Varianten:

1. Wenn du Gitarre spielst, gefällt es mir
2. Wenn du Gitarre spielst, gefällt mir es
3. Wenn du Gitarre spielst, gefällt mir

nur die letzte korrekt wäre. Ich hätte aber vermutet, 1. wäre die richtige Variante, 3. wäre einfach falsch und 2. vielleicht möglich aber nicht idiomatisch. Nun bin ich aber keine Muttersprachlerin und möchte deshalb nachfragen, ob ich da völlig falsch liege?

Und wenn ich nicht falsch liege, liegt es an der Konjunktion wenn, dass das es nicht wegfällt? Weil in „Dass du Gitarre spielst, gefällt mir“ würde ich nie ein es erwarten, während der Satz „.Wenn du den Termin verschiebst, finde ich schlecht“ mich genauso stört wie der Satz im Titel (da würde ich „..., finde ich das schlecht“ erwarten).
 
  • διαφορετικός

    Senior Member
    Swiss German - Switzerland
    1. Wenn du Gitarre spielst, gefällt es mir
    2. Wenn du Gitarre spielst, gefällt mir es
    3. Wenn du Gitarre spielst, gefällt mir
    Keiner dieser drei Sätze ist ein korrekter Satz, in welchem der "wenn"-Satz im Hauptsatz referenziert wird.

    Der Satz "1." ist korrekt, bedeutet aber etwas anderes: das "es" bezieht sich hier auf irgendetwas, aber nicht direkt auf den Nebensatz. (Die Sätze "2." und "3." sind ganz falsch.)

    Korrekte Sätze mit der vermutlich beabsichtigten Bedeutung sind folgende:
    4. Es gefällt mir, wenn du Gitarre spielst.
    5. Mir gefällt es, wenn du Gitarre spielst.
    6. Mir gefällt, wenn du Gitarre spielst.

    Den 6. Satz finde ich exotisch; ich würde ihn nicht benutzen, aber er ist vermutlich trotzdem korrekt.
     

    Hutschi

    Senior Member
    Hallo, Rafeind,

    Was Du geschrieben hast, sind keine Sätze, es sind lediglich Wortgruppen, da der Punkt fehlt, sieht man nicht, ob es nur ein Ausschnitt ist.

    In Deiner Quelle habe ich sie nicht gefunden, außer die letzte.

    Wenn du Gitarre spielst, gefällt mir.

    Dort wird gesagt, er sei korrekt, aber für mich klingt er nicht idiomatisch.


    "Mir gefällt, wenn du Gitarre spielst" ist dagegen idiomatisch und korrekt.

    PS: Implizit steht es aber dort, wie Du schreibst.

    Es als Platzhalter (Korrelat) in Komplementsätzen

    Komplementsatz in Position 1 -> kein es​

    Wenn der Komplementsatz in Position 1 steht, fällt es immer weg, unabhängig davon ob der Komplementsatz für den Nominativ oder für den Akkusativ steht.

    ...
    wenn-Satz: Wenn du Gitarre spielst, gefällt mir.
    (kein es)

    Das scheint mir nicht korrekt zu sein.
     

    Gernot Back

    Senior Member
    German - Germany
    1. Wenn du Gitarre spielst, gefällt es mir

    Keiner dieser drei Sätze ist ein korrekter Satz, in welchem der "wenn"-Satz im Hauptsatz referenziert wird.

    Der Satz "1." ist korrekt, bedeutet aber etwas anderes: das "es" bezieht sich hier auf irgendetwas, aber nicht direkt auf den Nebensatz.
    (…)
    6. Mir gefällt, wenn du Gitarre spielst.

    Den 6. Satz finde ich exotisch, ich würde ihn nicht benutzen, aber er ist vermutlich trotzdem korrekt.
    Warum ist denn Satz #1 kein korrekter Satz? Das ist doch klassisch: Wenn der Objektsatz im Vorfeld eines Satzes, also an Position 1 steht, entfällt das Korrelat-Es oder wird durch ein Korrelat-Das ersetzt!

    dict.leo.org/grammatik/ said:
    Wenn der Nebensatz an erster Stelle steht, kann kein es stehen. Der Nebensatz kann aber durch das (seltener dies) im Hauptsatz vertreten sein
    LEOs deutsche Grammatik: 3.6.3.3

    Ich denke, an diesen Merkmalen kann man erkennen, dass der Konditionalsatz mit „wenn“ hier tatsächlich gleichzeitig die Funktion eines Objektsatzes ausübt. Es handelt sich um eine Verkürzung von:

    Mir gefällt (es), dass du gerade Gitarre spielst, wenn du Gitarre spielst.

    Vgl.: Wann du wieder fit bist, wenn du wieder fit bist.
     
    Last edited:

    JClaudeK

    Senior Member
    Français France, Deutsch (SW-Dtl.)
    Hier. Da wird behauptet, dass von diesen drei Varianten:

    1. Wenn du Gitarre spielst, gefällt es mir. :thumbsdown:
    2. Wenn du Gitarre spielst, gefällt mir es? :cross:
    3. Wenn du Gitarre spielst, gefällt mir. :cross:

    nur die letzte korrekt wäre. Ich hätte aber vermutet, 1. wäre die richtige Variante, 3. wäre einfach falsch und 2. vielleicht möglich aber nicht idiomatisch. [....]

    Und wenn ich nicht falsch liege, liegt es an der Konjunktion wenn, dass das es nicht wegfällt? Weil in „Dass du Gitarre spielst, gefällt mir“ würde ich nie ein es erwarten, während der Satz „.Wenn du den Termin verschiebst, finde ich schlecht“ mich genauso stört wie der Satz im Titel (da würde ich „..., finde ich das schlecht“ erwarten :tick: ).
    Wie schon in #2 gesagt, ist keiner der Sätze richtig (es handelt sich bei N°3 wahrscheinlich um einen Irrtum der Grammatikseite).
    Wenn der Objektsatz im Vorfeld eines Satzes, also an Position 1 steht, entfällt das Korrelat-Es oder wird durch ein Korrelat-Das ersetzt!
    :thumbsup:
    Mit einem "wenn-Satz" in Position 1 könnte man (zur Not) sagen:
    3. Wenn du Gitarre spielst, gefällt mir das.

    Aber "Es gefällt mir/ Mir gefällt (es), wenn du Gitarre spielst." hört sich besser an.
     

    Rafeind

    Member
    Icelandic - Iceland
    Danke für die ganzen Antworten. Also ist der Konsens, dass es ein Fehler von der Grammatikseite ist, zu behaupten der dritte Satze wäre Grammatikalisch. Und auch, dass meine beide Beispiele auch nicht gut sind. Also war mein Instinkt als ich den Satz gelesen habe, dass der Falsch wäre, richtig, mein Versuch den zu korrigieren aber nicht ausreichend.
     

    manfy

    Senior Member
    German - Austria
    Also ist der Konsens, dass es ein Fehler von der Grammatikseite ist, zu behaupten der dritte Satze wäre Grammatikalisch.
    Naja, das ist eine gefährliche Aussage -- es könnte zu weiteren Debatten führen.
    Wie ich das sehe, ist Grammatik vor allem an der Kohärenz von Satzstrukturen und Konformität mit Regeln beschäftigt und nicht so sehr mit der Semantik.
    Laut Chomsky ist ja auch "colorless green ideas sleep furiously" eindeuting grammatisch, trotzdem aber unsinnig.

    Ich denke, "wenn du Gitarre spielst, gefällt mir" könnte im selben Graubereich liegen, also formell grammatich aber doch unsinnig.

    Als Vergleich:
    Wann/wie/wo/mit wem du das machst, ist mir egal. :tick:
    Wenn du das machst, ist mir egal. :thumbsdown::thumbsdown: (d.h. vielleicht als grammatikalisch korrekt eingestuft, nichtsdestoweniger aber unsinnig und in dieser Form nicht real anwendbar.)
     

    manfy

    Senior Member
    German - Austria
    Das klingt nach einer lokalen Verwendung von "wenn" in der Bedeutung "wann".
    In meiner Kindheit im Thüringer Wald habe ich diese Form oft gehört und selbst verwendet.
    :) Mein erster Gedanke beim Lesen davon war ein dialektaler Ausdruck aus meiner Gegend: "Wennst des mochst is ma wuascht" (Allgemeindeutsch: Wenn du das machst, ist es mir egal [bzw. ...ist mir das/dasselbe egal])

    Ich glaube, das muss man anders analysieren: Das dialektale "is [ma wuascht]" wird recht stark ausgesprochen, d.h. es ist ein Zusammenziehen von "ist es" => "isz" (ich weiß leider nicht wie man dies im IPA darstellt)

    PS: Nach obiger Antwort hatte ich eigentlich einen Zusammenhang mit dem "conditional" vermutet...das könnt aber von meinem Einfluss aus dem Englischen kommen.

    cf
    Wenn/falls du das machst, ist mir egal. :thumbsdown::thumbsdown: (If you do that...)
    ABER:
    Ob du das machst, ist mir egal. :tick: (Whether you do that...)
     
    Last edited:

    Gernot Back

    Senior Member
    German - Germany
    Laut Chomsky ist ja auch "colorless green ideas sleep furiously" eindeuting grammatisch, trotzdem aber unsinnig.

    Ich denke, "wenn du Gitarre spielst, gefällt mir" könnte im selben Graubereich liegen, also formell grammatich aber doch unsinnig.
    Ich denke nicht, dass man das vergleichen kann. Chomsky bezieht sich bei seinem konstruierten Beispielsatz wohl darauf, dass der Satzbauplan, also die Valenz des Verbs „to sleep“ erfüllt ist; mit genau einer Verbergänzung (dem Subjekt), die durch Attribute näher bestimmt sein kann, und es selbst durch Adverbiale. Das einzige, was widersprüchlich ist, ist die Semantik, nicht die Syntax des Satzes.

    Bei „wenn du Gitarre spielst, gefällt mir“ ist der Satzbauplan von „gefallen“ hingegen nicht erfüllt: Es fehlt das Subjekt. (Ich hatte oben zunächst fälschlicherweise von „Objektsätzen“ gesprochen.:oops:)

    „Wenn du Gitarre spielst“ ist erst einmal nur ein Temporal- oder Konditionalsatz. Für einen solchen ist eigentlich nur ein „so“ oder „dann“ als Korrelat vorgesehen. Erst dadurch, dass mit dem vorausweisenden (kataphorischen) Korrelat „es“ oder dem rückverweisenden (anaphorischen) Korrelat „das“ dem Konditionalsatz gleichzeitig eine Funktion als Subjekt zugewiesen wird, wird der Satz grammatisch. Dass es sich dabei tatsächlich um Korrelate für einen Subjektsatz handelt, erkennt man daran, dass das Korrelat entfallen kann, wenn etwas anderes als das Korrelat oder der Nebensatz im Vorfeld des Satzes steht:
    4. Es gefällt mir, wenn du Gitarre spielst. :tick:
    5. Mir gefällt es, wenn du Gitarre spielst. :tick:
    6. Mir gefällt, wenn du Gitarre spielst. :tick:
    Wenn der Konditionalsatz in Vorfeldstellung gleichzeitig als Subjekt fungieren soll, so:) ist das Korrelat-Das ‒ anders als bei echten, reinen Subjektsätzen ‒ auch nicht mehr nur fakultativ, sondern nach meinem Dafürhalten obligatorisch.
    3. Wenn du Gitarre spielst, gefällt mir. :cross:
    Wenn du Gitarre spielst, gefällt mir das. :tick:
     

    Kajjo

    Senior Member
    Bei „wenn du Gitarre spielst, gefällt mir“ ist der Satzbauplan von „gefallen“ hingegen nicht erfüllt: Es fehlt das Subjekt.
    :thumbsup:
    Ich sehe absolut keinen Spielraum, den Satz

    :cross:Wenn du Gitarre spielst, gefällt mir.

    als eindeutig als falsch und ungrammatisch zu bezeichnen. Das muss schon der Konsens sein.

    Diskussionen darüber, was wäre, wenn man einzelne Wörter austauscht (wie, wann) oder ergänzt (es, das) sind völlig neue Fälle. Aber der Originalsatz ist definitiv ungrammatisch.
     
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