wes Brot ich ess'

Bonjules

Senior Member
German
Hello everybody,

'Wes Brot ich ess', des Lied ich sing'.
I always liked this a lot for its universal truth.
I believe it to be by Walther von der Vogelweide, but am
not sure (the 1st 60 or so entries on Google dont seem to
be of much help.)
My other question is :did the original look more or less like this -except for
the 'Grosschreibung' (Grossschreibung"?)?
Is it part of a larger poem?
saludos
 
  • FloVi

    Senior Member
    Deutsch / Deutschland
    Ich kenne es nur als Sprichwort und wüsste nicht, dass es Bestandteil eines größeren Textes wäre.

    Eine verwandte Redewendung lautet "Du sollst die Hand nicht beißen, die dich füttert."

    Die Bedeutung ist ähnlich aber nicht deckungsgleich.
     

    Lykurg

    Senior Member
    German
    I strongly doubt Walther's authorship for several reasons:

    - I never heard a Middle High German version of that proverb. If it existed (and if it even was Walther) it would be a perfect title for books about him, patronage and medieval politics - and I think I might have seen it, then.
    - I don't know where it should have been handed down as an aphorism, since there is very little trace of Walther's live remaining apart from his lyrical works (there is only something about a donation of a fur coat in 1203 which is always mentioned in today's secondary literature).
    - It doesn't go too well with his political poems, since they are not that opportunist (there is some controversy going on about this; and if there was this saying of himself, it would for sure be emphasized)
    - There have been quite a lot of medieval poets who were more opportunist; but it is not attributed to them, since they are known less today.^^

    Edit: Danke für Deine Hilfe, Gaer!
     

    Kajjo

    Senior Member
    Bonjules said:
    'Wes Brot ich ess', des Lied ich sing'.
    Die moderne Fassung ist ebenso schön und lautet: "Wessen Brot ich esse, dessen Lied ich singe."

    I always liked this a lot for its universal truth.
    Ich mag den Spruch eher wegen seiner pragmatischen Herangehensweise. Ob dies mit Wahrhaftigkeit zu tun hat, ist fraglich.

    Ich glaube im übrigen nicht, daß diese Spruch Walther von der Vogelweide zuzuordnen ist.

    Kajjo
     

    FloVi

    Senior Member
    Deutsch / Deutschland
    Lykurg said:
    I strongly doubt Walther's authorship for several reasons:

    - It doesn't go too well with his political poems, since they are not that opportunistic (there is some controversy going on about this; and if there was this saying of himself, it would for sure be emphasized)
    Das ist kein Maßstab. So völlig aus dem Zusammenhang gerissen könnte es auch eine Spitze gegen die Kriecher am Hof sein. Selbst wenn es von ihm ist (was ich ebenfalls nicht glaube), muss es noch lange nicht seine Meinung darstellen.
     

    Lykurg

    Senior Member
    German
    Darin stimme ich dir zu. Der Zusammenhang wäre hier entscheidend.

    Im Grimmschen Wörterbuch taucht der Spruch unter dem Lemma "Brot" auf - leider kann ich die Abkürzung unw. doct. nicht entschlüsseln, aber es scheint sich sich um eine anonyme Quelle zu handeln. Und mangelnden Überblick bei der Auswahl deren^^ Quellen werfe ich dem Werk nicht vor.
    wes brot ich esse, des lied ich singe. unw. doct. 754;
     

    Bonjules

    Senior Member
    German
    - I never heard a Middle High German version of that proverb. If it existed (and if it even was Walther) it would be a perfect title for books about him, patronage and medieval politics - and I think I might have seen it, then.
    -
    I agree. Even if he didn't actually write or say it, he should have ( and probably did, in private conversations or lost pages), given the brutally honest
    reflections about his life in his later work.
    Are we to judge him for his ease in switching allegiances or the enthusiasm in praise for his current sponsor? He was poor and had to always strive to
    achieve aminimum of a decent 'standard of living'. When you don't know how to survive the next bitterly cold winter, can you afford too much pride?
    Some of the chances he took in offending some powerful folks seem already impressive.
     
    Last edited:

    Gernot Back

    Senior Member
    German - Germany
    Das würde dann sowohl zeitlich als auch räumlich zu einem Grundsatz des Augsburger Religionsfriedens passen, der einige Jahrzehnte später wie folgt formuliert wurde:
    de.wikipedia.org said:
    Dieser Kernaspekt des Ius reformandi wurde 1610 durch den pommerschen Kanonisten Joachim Stephani mit dem Satz „cuius regio, eius religio“ popularisiert.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Cuius_regio,_eius_religio#Rechtssatz

    Als dessen deutsche Entsprechung habe ich den Spruch Wes Brot ich ess, des Lied ich sing immer verstanden.
     

    berndf

    Moderator
    German (Germany)
    Das würde dann sowohl zeitlich als auch räumlich zu einem Grundsatz des Augsburger Religionsfriedens passen, der einige Jahrzehnte später wie folgt formuliert wurde:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Cuius_regio,_eius_religio#Rechtssatz

    Als dessen deutsche Entsprechung habe ich den Spruch Wes Brot ich ess, des Lied ich sing immer verstanden.
    Strukturell ist das naütlich schon sehr ähnlich. Allerdings wäre das auch ziemlich frech, da ja die Fürsten (in Form von Steuern) das Brot des Volkes aßen und nicht umgekehrt. Glaubst Du nicht, dass das auch im 17. Jahrhundert schon aufgefallen wäre?
     

    Gernot Back

    Senior Member
    German - Germany
    Allerdings wäre das auch ziemlich frech, da ja die Fürsten (in Form von Steuern) das Brot des Volkes aßen und nicht umgekehrt. Glaubst Du nicht, dass das auch im 17. Jahrhundert schon aufgefallen wäre?
    Im 17. Jhd. glaubten aber -anders als heute- wohl noch die meisten, dass es der Herr ist, der einem das tägliche Brot gibt. Man war damals in aller Regel ja noch nicht einmal Herr über seinen eigenen Leib oder Laib, sondern das war eben der Landesherr bzw. Gott höchstpersönlich (vgl. Etymologie von engl. lord/Lord).
     

    Hutschi

    Senior Member
    "Wes" wurde durch "wessen" abgelöst, ich glaube im 16. oder 17. Jahrhundert. Das deutet auf höheres Alter hin.

    Ich habe eine Sekundärquelle gefunden:
    https://books.google.de/books?id=Gm-9BQAAQBAJ&pg=PA595&dq="wes'+Brot+ich+eß,+des'+Lied+ich+sing"&hl=de&sa=X&ei=05Q6Va3yDtjxavTkgZAD&ved=0CC8Q6AEwAw#v=onepage&q="wes' Brot ich eß, des' Lied ich sing"&f=false

    Zitate und Aussprüche: Herkunft und aktueller Gebrauch
    von Dudenredaktion

    Danach ist es in Deutsch mindestens seit Luther bekannt, aber es gibt in verschiedenen Sprachen ältere Quellen. ("Mittellateinisch" schon kurz nach 1000)
    Deshalb ist es wahrscheinlich, dass es in Deutsch vor Luther vorhanden war, wobei ich keine Belege gefunden habe. In verschiedenen Tertiärquellen wird es Minnesängern zugeschrieben, ich habe aber keine Belege gefunden.
     

    berndf

    Moderator
    German (Germany)
    Im 17. Jhd. glaubten aber -anders als heute- wohl noch die meisten, dass es der Herr ist, der einem das tägliche Brot gibt. Man war damals in aller Regel ja noch nicht einmal Herr über seinen eigenen Leib oder Laib, sondern das war eben der Landesherr bzw. Gott höchstpersönlich (vgl. Etymologie von engl. lord/Lord).
    Naja, der Gesellschaftsvertrag des Mittelalters bestand darin, dass der Adel dem Volk Schutz und das Volk dem Adel dafür Alimentation. Leibeigenschaft bestand selten dem Landesherren gegenüber, sondern meist Junkern, Bojaren, Baronen oder wie der subalterne Adel in den verschiedenen Ländern hieß. Auch dein Wortspiel funktionierte im 17. Jahrhundert noch nicht: Die etymologisch unverwandten Wörter Laib und Leib waren damals noch nicht homophon.
    In verschiedenen Tertiärquellen wird es Minnesängern zugeschrieben, ich habe aber keine Belege gefunden.
    Klingt zumindest plausibel.
     
    < Previous | Next >
    Top