Wollen Sie zu mir?

Alan Evangelista

Senior Member
Brazilian Portuguese
Hallo Leute!

Ich habe in einer Fernehserie den folgenden Satz gehört:

Wollen Sie zu mir?

Kontext: Mann A kommt zu seiner Hütte und begegnet einem Mann B, der auf Mann A wartete. Mann A sagt diesen Satz.

Was bedeutet das? "Do you want to me?" macht keinen Sinn.

Danke im Voraus!
 
Last edited:
  • elroy

    Imperfect Mod
    US English, Palestinian Arabic bilingual
    It means “Do you want to come/go to my place?” or “Do you want to come to me?”, depending on the context. The infinitive (“kommen”/“gehen”) is omitted.
     

    Demiurg

    Senior Member
    German
    It means “Do you want to come/go to my place?” ...
    In dem Fall würde man eher sagen: "Wollen sie mit zu mir?"

    ... or “Do you want to come to me?”, depending on the context. The infinitive (“kommen”/“gehen”) is omitted.
    Das ist schon näher dran. Aber eigentlich bedeutet "Wollen Sie zu mir?" hier so viel wie "Suchen Sie nach mir?" oder "Wollen Sie mich sprechen?" ("Bin ich Ihr Ziel?"). Man würde in dem Fall nie sagen "Wollen Sie zu mir kommen/gehen?"

    Am Empfang einer Firma wird man üblicherweise gefragt: "Zu wem möchten Sie?", d.h. "Wen möchten Sie sprechen/besuchen?".
     
    Last edited:

    Alan Evangelista

    Senior Member
    Brazilian Portuguese
    Aber eigentlich bedeutet "Wollen Sie zu mir?" hier so viel wie "Suchen Sie nach mir?" oder "Wollen Sie mich sprechen?" ("Bin ich Ihr Ziel?").
    Beim erneuten Ansehen der Szene ist dies eindeutig die beabsichtigte Bedeutung. Ich nehme keine Einladung wahr, in die Hütte zu gehen. Knifflig!

    Vielen Dank sie allen!
     

    Alan Evangelista

    Senior Member
    Brazilian Portuguese
    Not really. It is a very common phrase with a well known meaning. Those are things you just have to know. There is no deeper logic behind it.
    I meant it is tricky to guess the meaning of the expression by yourself, based on the meaning of the individual words. Once you understood it, it is indeed just a matter of memorizing it.
     

    berndf

    Moderator
    German (Germany)
    That is what I meant: It makes no sense trying to guess it. You just have to know it.

    If you wanted to say what @elroy though then you would say Wollen Sie mit zu mir? or Wollen Sie zu mir rein (kommen)? or something like that. Also the prosody would be different. It is difficult to describe but once you are familiar with both, they are quite easy to distinguish.
     

    Perseas

    Senior Member
    Das ist schon näher dran. Aber eigentlich bedeutet "Wollen Sie zu mir?" hier so viel wie "Suchen Sie nach mir?" oder "Wollen Sie mich sprechen?" ("Bin ich Ihr Ziel?"). Man würde in dem Fall nie sagen "Wollen Sie zu mir kommen/gehen?"
    Also wird beim "Wollen Sie zu mir" kein Infinitiv gemeint? Ich weiß, was dieser Ausdruck heißt, aber ich dachte, dass ein Infinitiv den Fragesatz ergänzen könnte.

    PS. Vielleicht bereitet das "zu" jemandem Schwierigkeiten. In Griechisch würde man sagen: "Wollen Sie mich?"
     

    berndf

    Moderator
    German (Germany)
    ich dachte, dass ein Infinitiv den Fragesatz ergänzen könnte.
    Nein. Der Satz ist vollständig. Es ist kein Hauptverb notwendig und auch keines impliziert. Es ist ein wenig merkwürdig, müssen als Vollverb und nicht als Modalverb zu verwenden. Aber es gibt im der Tat Situationen, wo das möglich ist. Die ist eine davon.
     

    Alan Evangelista

    Senior Member
    Brazilian Portuguese
    Nein. Der Satz ist vollständig. Es ist kein Hauptverb notwendig und auch keines impliziert.
    Hmm... Ich dachte, "sprechen" war da impliziert (Wollen Sie zu mir? = Wollen Sie sprechen zu mir? ) .

    edit: Ich meinte: Wollen Sie zu mir sprechen?
     
    Last edited:

    Gernot Back

    Senior Member
    German - Germany
    Nein. Der Satz ist vollständig. Es ist kein Hauptverb notwendig und auch keines impliziert. Es ist ein wenig merkwürdig, müssen als Vollverb und nicht als Modalverb zu verwenden. Aber es gibt im der Tat Situationen, wo das möglich ist. Die ist eine davon.
    Hier ging es aber um das Modalverb wollen und da würde ich dir Recht geben, dass es im genannten Beispiel (Wollen Sie zu mir?) selbst wie ein Vollverb benutzt wird.
    Wie ist das aber mit den Modalverben müssen und dürfen, etwa bei folgender Frage:

    Herr Lehrer, ich muss mal, darf ich auf die Toilette?

    Ich denke, bei müssen bleibt hier im ersten Halbsatz ein tabuisiertes Verb bewusst unausgesprochen. Die Art der Defäkation (flüssig oder feststofflich ;)) kann dabei auch offen bleiben, zumal sie bei diesem dringenden Bedürfnis, den Klassenraum zu verlassen, ja auch nichts zur Sache tut. Evtl. könnte man aber austreten in Bedeutung II 3 mitdenken.

    Im zweiten Halbsatz ist das Bewegungsverb aufgrund der Richtungsangabe entbehrlich, wird aber durchaus mitgedacht.
     

    Hutschi

    Senior Member
    Ich wollte noch zufügen: "Wollen Sie zu mir?" ist eine feste Wendung.
    Ich möchte eine Situation beschreiben.

    Eine Person sucht nach jemandem und läuft unsicher mehrmals an mir vorbei, oder sie kommt unsicher auf mich zu, offensichtlich nach jemandem suchend.
    Dann kann ich fragen: "Wollen Sie zu mir?" als eine Art Begrüßung/Kontaktaufnahme.
    Normalerweise mit "Guten Tag! Wollen Sie zu mir?"
     

    Gernot Back

    Senior Member
    German - Germany
    Bei der Beantwortung der Frage, ob sich das Modalverb hier wie ein Vollverb verhält, könnte in süddeutschen Dialekten auch interessant sein, wie es das Perfekt bildet; ob mit Partizip 2 oder Ersatzinfinitiv.

    Im Standarddeutschen würde ich bei Fehlen des Vollverbs im Infinitiv ja immer nur das Partizip 2 wählen:
    1. Ich habe zu dir gewollt, aber du warst nicht da.
    2. Ich habe gemusst, aber nicht auf die Toilette gedurft.
    Aber wie ist das in süddeutschen/bairischen/scheizerdeutschen Dialekten? Würde man da für beide Sätze einen Ersatzinfinitiv benutzen oder überhaupt bzw. nur im Falle der Verwendung als Vollverb nicht doch auch beim Partizip bleiben?
    1. Ich habe zu dir [ gewollt | wollen ], aber du warst nicht da.
    2. Ich habe [ gemusst | müssen | müssen müssen ] , aber nicht auf die Toilette [ gedurft | dürfen ].
    ???
     
    Last edited:

    JClaudeK

    Senior Member
    Français France, Deutsch (SW-Dtl.)
    Aber wie ist das in süddeutschen/bairischen/scheizerdeutschen Dialekten? Würde man da für beide Sätze einen Ersatzinfinitiv benutzen oder überhaupt bzw. nur im Falle der Verwendung als Vollverb nicht doch auch beim Partizip bleiben?
    1) Ich habe zu dir [ gewollt | wollen ], aber du warst nicht da.
    2) Ich habe
    [ gemusst | müssen | müssen müssen ] , aber nicht auf die Toilette [ gedurft | dürfen ].
    Ich persönlich würde weder das eine, noch das andere sagen, sondern

    1) Ich wollte zu dir, aber ..... . oder Ich hab' zu dir kommen/gehen wollen, aber du warst nicht da.
    2) Ich musste mal, aber durfte nicht.
    oder Ich hab' aufs Klo* (gehen) müssen, aber nicht (gehen) dürfen. (*mit "aufs Klo/ auf die Toilette" kann "gehen" wegfallen, sonst nicht.)

    Der Satz ist vollständig. Es ist kein Hauptverb notwendig und auch keines impliziert.
    Dieser Meinung bin ich absolut nicht! mMn ist das Bewegungsverb impliziert.

    ich dachte, dass ein Infinitiv den Fragesatz ergänzen könnte.
    :thumbsup:

    Man würde in dem Fall nie sagen "Wollen Sie zu mir kommen/gehen?"
    :tick:
    Weil das bedeuten würde "Wollen Sie zu mir nach Hause kommen/gehen?" - das ist hier aber nicht /nicht unbedingt der Fall.
     
    Last edited:

    Hutschi

    Senior Member
    Zu jemandem wollen ist bereits ein vollständiges Verb, das eine Bewegung bedeutet. Da fehlt kein weiteres Verb.
    Ich neige dazu, hier zuzustimmen.
    Im Duden ist die Wendung nicht erwähnt, wohl aber im Deutschen Wörterbuch von Grimm:

    http://woerterbuchnetz.de/cgi-bin/WBNetz/wbgui_py?sigle=DWB&mode=Vernetzung&lemid=GW26466#XGW26466
    [...]
    d) mit Adverbial der Richtung:
    neuhochdeutsch;. ins Haus wollen [...]; aus dem Lande wollen [...] Wilhelm wollte ... nach Hause
    [...] wollt ihr mit uns? [...]; ich will zu meiner lieben Mutter zurück [...]
    Ha! Ha! Zu euch wollt ich nun eben wieder.
    Lessing 3, 68 L.-M. (Nathan v. 634);
    Die Regimenter wollen nicht nach Flandern.
    Schiller 12, 214 G. (Wallensteins Tod 1, 3).


    [...]
    (Ich habe hier die Rechtschreibung aktualisiert. Grimms Wörterbuch verwendet seine eigene Rechtschreibung.)
    In diese Reihe gehört auch "zu mir", das hier als Adverbialgruppe gebraucht wird (wenn ich es richtig verstehe.)

    Grimm beschreibt sehr ähnliche Konstruktionen, bei denen es elliptisch ist (also Auslassungen enthält.) Das führt aber hier zu weit.

    Ich denke, es hängt vom Kontext ab, ob es elliptisch ist. Das ist dann leicht zu erkennen.

    A: Ich will zu dir kommen.
    B: Wann willst du zu mir? (kommen)

    Um auf Alans #1) zurückzukommen:

    Es fehlt Kontext, um "wollen Sie zu mir?" genau zu bestimmen.

    Die verschiedenen Bedeutungen sind ja schon benannt worten.

    Ich sehe zwei Gruppen:
    Wollen Sie mit zu mir (z.B. nach Hause)?
    Wollen Sie her zu mir? (Suchen sie mich? Bin ich der, den Sie treffen wollen?)

    ---
    Die Wendung selbst ist alt und recht häufig.
     

    JClaudeK

    Senior Member
    Français France, Deutsch (SW-Dtl.)
    ohne eine alternative Analyse zu liefern.
    Vielleicht keine "Analyse" geliefert, aber anhand von Gernots Beispielen (mMn) gezeigt, dass der Infinitiv implizit vorhanden ist.

    Siehe auch
    Modalverben
    Verwendung als Vollverb:
    Wenn Modalverben wie Vollverben verwendet werden, handelt es sich meist um einen Satz, bei dem der Infinitiv weggefallen ist.
    Sie dürfen am Sonntag nicht ins Schwimmbad (gehen).

    Hier Beispiele für "wollen" als echtes Vollverb:
    Dein Vater will, dass du deine Mutter wieder einmal besuchst.
    Wir wollen hier keine Schmarotzer.
    Ich will ein Bier!
     
    Last edited:

    elroy

    Imperfect Mod
    US English, Palestinian Arabic bilingual
    Für wollen kenne ich nur drei syntaktische Möglichkeiten:

    1.) wollen als Vollverb mit direktem Objekt: Ich will einen Apfel.
    2.) wollen als Modalverb mit explizitem Infinitiv: Ich will ins Kino gehen.
    3.) wollen als Modalverb mit implizitem Infinitiv: Ich will ins Kino. (Impliziter Infinitiv: gehen oder ein sonstiges Bewegungsverb)

    Das wollen als Vollverb ohne direktes Objekt auftreten kann, wäre mir völlig neu. Dementsprechend würde ich unseren Satz hier unter 3. einstufen. Ansonsten wüsste ich näheres zur alternativen Analyse. Warum soll es hier anders analysiert werden? Ist das eine Ausnahme? Gibt es andere Fälle? usw.
     

    berndf

    Moderator
    German (Germany)
    Vielleicht keine "Analyse" geliefert, aber anhand von Gernots Beispielen (mMn) gezeigt, dass der Infinitiv implizit vorhanden ist.
    Ja, aber hier ist kein Bewegungsverb impliziert. Das Wollen bezieht sich auf den Zustand, den herbeizuführen gewollt wird. Die Art und Weise, wie dieser Zustand herbeigeführt wird, ist bewusst nicht topikalisiert. Demiurg hat das m.E. richtig beschrieben:
    Aber eigentlich bedeutet "Wollen Sie zu mir?" hier so viel wie "Suchen Sie nach mir?" oder "Wollen Sie mich sprechen?" ("Bin ich Ihr Ziel?").
    Und auch, dass dies zu unterscheiden ist von einer Aussage über die Art der Herbeizuführung des Zustandes eine Aussage treffen wollte:
    Man würde in dem Fall nie sagen "Wollen Sie zu mir kommen/gehen?"
     

    Hutschi

    Senior Member
    3.) wollen als Modalverb mit implizitem Infinitiv: Ich will ins Kino. (Impliziter Infinitiv: gehen oder ein sonstiges Bewegungsverb)
    Wenn Du damit einverstanden bist, dass das Bewegungsverb rein hypothetisch sein kann, also nicht wirklich zu existieren braucht, stimme ich zu.

    Damit meine ich ein Bewegungsverb, dass die Art der Bewegung völlig offenlässt.

    Willst du zu mir (kommen/mitkommen/fahren/fliegen/etc.) = Bewegung zu mir oder mit mir, je nach Kontext, ohne die Art der Bewegung zu nennen und ohne auf übertragene Bedeutung zu verzichten. (Bin ich der, mit dem du sprechen willst?)

    Ohne dieses nicht existierende hypothetische Verb würde kein impliziter Infinitiv vorhanden sein. Aus Symmetriegründen könnte man ihn annehmen.

    Das gilt genau dann, wenn der Kontext die Art der Bewegung nicht klar macht, dann wäre es problemlos implizit einsetzbar oder explizit zu ergänzen.

    Wenn man (wie ich) ein nicht existierendes Verb nicht in Betracht zieht, liegt kein impliziter Infinitiv vor, denn ein konkretes Verb mit Infinitiv ist im allgemeinen Fall nicht vorhanden.

    Bei #1. könnte es "kommen" sein, aber es ersetzt dann "wollen": "Kommen Sie zu mir?"
    "Wollen Sie zu mir kommen?" funktioniert in der Situation von #1 nicht gut, Gründe haben andere schon erklärt, vor Allem scheint die Bedeutung nicht zu stimmen.

    ---
    PS: Ich stimme Bernd und Demiurg zu.
     

    berndf

    Moderator
    German (Germany)
    Für wollen kenne ich nur drei syntaktische Möglichkeiten:

    1.) wollen als Vollverb mit direktem Objekt: Ich will einen Apfel.
    2.) wollen als Modalverb mit explizitem Infinitiv: Ich will ins Kino gehen.
    3.) wollen als Modalverb mit implizitem Infinitiv: Ich will ins Kino. (Impliziter Infinitiv: gehen oder ein sonstiges Bewegungsverb)
    Das macht es ja so merkwürdig, warum einige von uns meinen, die Analyse als Vollverb sei notwendig. Die Präposition zu suggeriert tatsächlich, das Fehlen eines Bewegungsverbes, während (warum, habe ich in meinem letzten Beitrag beschrieben) jede Ergänzung durch ein bestimmtes Bewegungsverb semantisch falsch wäre, weil es die Aussage inhaltlich verändern würde.
     

    Hutschi

    Senior Member
    Die Präposition zu suggeriert tatsächlich, das Fehlen eines Bewegungsverbes, während (warum, habe ich in meinem letzten Beitrag beschrieben) jede Ergänzung durch ein bestimmtes Bewegungsverb semantisch falsch wäre, weil es die Aussage inhaltlich verändern ...
    (Hervorhebung von mir.)

    Ich stimme hier völlig zu.

    Es existiert kein "genügend" unbestimmtes Bewegungsverb, das die Bedingung erfüllt, die Aussage nicht inhaltlich zu verändern.
     

    JClaudeK

    Senior Member
    Français France, Deutsch (SW-Dtl.)
    Es existiert kein "genügend" unbestimmtes Bewegungsverb, das die Bedingung erfüllt, die Aussage nicht inhaltlich zu verändern.
    Das Problem kommt mMn. daher, dass "zu mir" 2 Bedeutungen hat:
    1) zu mir nach Hause
    2) zu meiner Person

    und dass "zu mir/dir/ihm gehen" als "zu mir/dir/ihm nach Hause gehen" verstanden wird.

    ► Wollen Sie zu mir? = Kommen/ Sind Sie hierher gekommen, um mit mir zu sprechen?
     
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    elroy

    Imperfect Mod
    US English, Palestinian Arabic bilingual
    3.) wollen als Modalverb mit implizitem Infinitiv: Ich will ins Kino.
    Muss es sich hier beim impliziten Infinitiv immer um ein Bewegungsverb handeln?

    Gibt es überhaupt ein Verb, egal welches, das man ergänzen kann, ohne den semantischen Inhalt zu verzerren?
     

    Hutschi

    Senior Member
    Muss es sich hier beim impliziten Infinitiv immer um ein Bewegungsverb handeln?

    Gibt es überhaupt ein Verb, egal welches, das man ergänzen kann, ohne den semantischen Inhalt zu verzerren?
    "Ich will ins Kino". hat den gleichen semantischen Inhalt wie: Ich will ins Kino gehen. - wenn der Kontext stimmt.
    "Gehen" hat fast völlig die Bedeutung von "gehen" verloren. Es ist nur noch eine grammatische Ergänzung. Der Satz bedeutet (normalerweise) Ich will einen Film im Kino sehen.
    "Ich will ins Kino" kann zwar das Haus bedeuten, ohne Kontext wäre das aber unwahrscheinlich.
     

    Perseas

    Senior Member
    Ein Gedanke, der mir in den Sinn gekommen ist:
    Bei "Zu wem wollen Sie?" fragt man nach Personen. Die entsprechende Frage zu Dingen wäre "Was wollen Sie?" (in dem Sinne von "was suchen Sie?), oder? Ich nehme an, in beiden Fällen hat "wollen" dieselbe Funktion, aber das Ziel wird jeweils anders ausgedrückt.
     

    JClaudeK

    Senior Member
    Français France, Deutsch (SW-Dtl.)
    Du bist einfach nicht süddeutsch genug!
    1) Ich wollte zu dir, aber ..... . oder Ich hab' zu dir kommen/gehen wollen, aber du warst nicht da.
    2) Ich musste mal, aber durfte nicht.
    oder Ich hab' aufs Klo* (gehen) müssen, aber nicht (gehen) dürfen. (*mit "aufs Klo/ auf die Toilette" kann "gehen" wegfallen, sonst nicht.)
    Die Sätze mit Präteritum würde ich im Gespräch mit "Nordlichtern" verwenden. :p
    Die anderen (spontan) in süddeutscher Umgebung.

    Im Schwarzwald würde sich's so anhören:
    Ich hab' zu dir komme/gehe welle, aber du warsch nit do.
    Ich hab' aufs Klo (gehe) müsse, aber nit (gehe) dürfe.
    :D
     
    Last edited:

    berndf

    Moderator
    German (Germany)
    Ich befürchte, das lenkt ein wenig vom Thema ab. In dem Beispielsatz ist in der Tat ein Bewegungsverb impliziert. Es geht hier aber um Einen speziellen Kontext. Wenn der Ausdruck alleine steht, kann man davon ausgehen, diese spezielle Bedeutung gemeint ist. Als Teil eines komplexeren Satzes, kann verschiedenes gemeint sein.

    Nahe Umschreibungen der Frage Wollen Sie zu mir? wären Wollen Sie mich sehen? oder Wollen Sie mich sprechen? aber nicht Wollen Sie zu mir kommen?
     
    Last edited:

    berndf

    Moderator
    German (Germany)
    Eine Implikation kommen kann ich nicht sehen. Die Aussage wäre genauso gültig, wenn er schon seit ihrer letzten Begegnung dort war und auf den Sprecher, der diese Frage stellt gewartet hat.
     

    Perseas

    Senior Member
    Wollen Sie zu mir? - "zu" impliziert einen Direktiv. Was sonst?
    Du hast recht. Wenn es ein Infinitiv gäbe, würde wohl kein "zu" gebraucht werden ("Wollen Sie mich sprechen?"). Jetzt, wo das Infinitiv fehlt, ist das "zu" notwending, um die Richtung zu zeigen. Sonst hätte "Wollen Sie mich" eine andere Bedeutung.
     

    JClaudeK

    Senior Member
    Français France, Deutsch (SW-Dtl.)
    Eine Implikation kommen kann ich nicht sehen. Die Aussage wäre genauso gültig, wenn er (A) schon seit ihrer letzten Begegnung dort war und auf den Sprecher (B), der diese Frage stellt, gewartet hat.*
    :confused:
    Das bedeutet doch, dass B zu A kommt, und A* fragt "Wollen Sie zu mir?" - B könnte ja auch auch zu einem anderen (gehen) wollen.
    Ich verstehe Deinen Einwand überhaupt nicht.
    *Nicht B. stellt die Frage, sondern A, der gewartet hat! o_O
     
    Last edited:

    bearded

    Senior Member
    Standard Italian
    Es ist kein Hauptverb notwendig und auch keines impliziert.
    Sorry, ich kann das absolut nicht verstehen. Auch wenn der Satz 'wollen Sie zu mir?' semantisch einem 'wollen Sie mich sehen/sprechen' entspricht, so ist für mich ursprünglich ein Bewegungsverb (und sei es auch unbewusst) doch impliziert. Auch ich kenne nur die drei Möglichkeiten gemäß Elroys #23. Die Bedeutungen 'mich sehen/mich sprechen' verstehe ich nur als semantische Ausdehnungen vom ursprünglichen 'kommen', und sie machen hier aus dem Verb 'wollen' kein Vollverb.

    JCKs Analyse finde ich überzeugender.
    Ich wohl auch - auch nach Lektüre des gesamten Threads.
     

    berndf

    Moderator
    German (Germany)
    "beschrieben"? - Auf jeden Fall nicht sehr überzeugend für die meisten von uns.
    So gründlich, wie einer der beiden "die meisten" außer Dir in #2 die Aussage missverstanden hat, sehe ich das als Bestätigung und Illustration meines Punktes an.
     
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